Die Marktzahlen zeigen es: Die Biophotonik ist ein
Wachstumsmarkt. Ein Manko der europäischen Biophotonik besteht
bisher darin, dass sie immer noch sehr kleinteilig arbeitet. Hier
könnte das kürzlich ins Leben gerufene europäische
Exzellenznetzwerk für Biophotonik "photonics4life" Abhilfe
schaffen.
Das Netzwerk ist ein von der EU innerhalb des 7. Rahmenprogramms mit 4
Millionen Euro geförderter Zusammenschluss von 13 erstklassigen
europäischen Forschungseinrichtungen, die sich die Aufgabe
gestellt haben, die Potenziale der Biophotonik in Europa
bestmöglich zu erschließen. Beteiligt sind neben dem
Institut für Photonische Technologien der Universität Jena,
das Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft, die
Universität Münster, die niederländische
Universität Twente sowie entsprechende Forschungseinrichtungen in
Belgien, Frankreich, Italien, Spanien, Finnland, Großbritannien
und Russland. Der Förderzeitraum beträgt vier Jahre.
Ziel der Wissenschaftler ist es, mit Hilfe modernster optischer
Technologien, die Gesundheitsversorgung zukünftig dahingehend zu
optimieren, dass Diagnose und Behandlung bei Volkskrankheiten wie Krebs
und Infektionen individuell auf den einzelnen Patienten zugeschnitten
werden können. Die Biophotonikforschung soll dabei der Medizin die
notwendigen Werkzeuge an die Hand geben und gleichzeitig hocheffiziente
und bezahlbare Therapiemöglichkeiten schaffen.
Zusätzlich geht es den Forschern darum, die Kooperation
verschiedener Wissenschaftsdisziplinen stärker auszubauen. Auch
soll die Zusammenarbeit mit der Industrie intensiviert werden, indem
nicht zuletzt Start-up-Firmen eine Unterstützung durch die
Institute erfahren.
"Das Netzwerk ist aus der Erkenntnis heraus entstanden, dass ein
Paradigmenwechsel in der Biophotonik von einem technologieorientierten
zu einem ganzheitlichen Ansatz, in dem Mediziner und Patient im
Mittelpunkt stehen, stattfinden muss", beschreibt Prof. Dr. Jürgen
Popp, Koordinator von photonics4life, die Motivation für die
Gründung des Netzwerkes.
Bisherige Probleme haben sich zum einen dadurch ergeben, dass die
Biophotonik aus so unterschiedlichen Disziplinen wie Physik, Chemie,
Biologie, Ingenieurwissenschaften und Medizin besteht. Zum anderen gab
es eine Diskrepanz zwischen Grundlagenforschung und
tatsächlichem Bedarf der Anwender und der Patienten. "Um diese
Mängel zu überwinden, sollen die Forschungsaktivitäten
auf dem Gebiet der Biophotonik durch das neue Netzwerk so
gebündelt werden, dass durch optimalen Wissenstransfer die
Möglichkeiten, die optische Technologien der Medizin
eröffnen, auch tatsächlich in der Praxis ankommen",
erläutert Popp.
Was die Projekte im Einzelnen anbelangt, so arbeiten die
Wissenschaftler beispielsweise an neuen spektroskopischen Verfahren zur
Identifikation von Bakterien und Zellen für eine
komplementäre und schnellere Diagnose von Erkrankungen.
Außerdem entwickeln sie innovative Laserapplikationen für
die medizinische Diagnostik, Chirurgie und Therapie und arbeiten an
theoretischen Studien über die Interaktion zwischen Laserlicht und
biologischem Gewebe. Weitere Forschungsschwerpunkte bestehen in einer
Weiterentwicklung von optischen Tomographieverfahren, durch die
Informationen über Gewebeabnormitäten gewonnen werden sollen
und in der Entwicklung neuartiger optischer Methoden zur
Krebsfrüherkennung.