Leuchtdioden strahlen energieeffizient. Bei der Lichtausbeute
können sie mit Glühbirnen jedoch bisher nicht mithalten. Eine
neue, kostengünstige Optikkomponente soll das ändern: Sie
bündelt das Licht und lenkt es gezielt dorthin, wo es gebraucht
wird.
Geht es um Energieeffizienz, sind Leuchtdioden unschlagbar: eine
Ein-Watt-LED erbringt etwa die gleiche optische Leistung wie eine
Glühbirne mit hundert Watt. Kommt es jedoch auf hohe Lichtausbeute
an, sind die kleinen Lichtquellen nicht das Beleuchtungsmittel der
Wahl. Eine neuartige Optikkomponente soll das künftig ändern.
Sie lenkt das Licht gezielt dorthin, wo es gebraucht wird. Bei einer
Schreibtischlampe etwa lässt sich das Licht so bündeln, dass
nur eine DIN-A4-große Fläche in der Mitte des Tisches hell
erstrahlt. Die LED beleuchtet den benötigten Bereich
gleichmäßig, alles außerhalb bleibt im Dunkeln.
»Eine Leuchtdiode ist eine Punktlichtquelle, die das Licht in
einem großen, unkontrollierten Bereich abstrahlt«, sagt Dr.
Christian Wenzel, Abteilungsleiter am Fraunhofer-Institut für
Produktionstechnologie IPT in Aachen. »Durch spezielle Linsen
nutzen wir das Licht zu hundert Prozent dort, wo es gebraucht wird, und
steigern so die Effizienz der LEDs. Der Lichtfleck, den die Lichtquelle
wirft, läuft also nicht nach außen hin aus, sondern hat
einen scharfen Rand.«
Basis für diese Lichtführung ist eine
Freiformflächenoptik – eine Kunststofflinse, deren Geometrie
frei gestaltet werden kann. »Die Linsen werden über ein
Spritzgussverfahren gegossen. Die beiden Werkzeughälften, die als
Form dienen, müssen einmalig hochpräzise ausgerichtet werden
– die Genauigkeit liegt bei einigen Mikrometern und damit bei
weniger als einem Zehntel eines Haardurchmessers. Sind die Werkzeuge
einmal tariert, lässt sich die Linse kostengünstig in hohen
Stückzahlen herstellen«, sagt Dr. Wenzel. Die Forscher am
IPT haben dabei die gesamte Prozesskette optimiert: von der Planung der
Optiken über die Herstellung bis hin zur Überprüfung.
»Das ist bisher einzigartig in Europa«, sagt der Experte.
Eine Herausforderung dabei: Der Kunststoff, der heiß in die Form
gegeben wird, schrumpft beim Abkühlen – die fertigen Linsen
sind daher etwas kleiner, als die Form es vorgibt. Diesen Effekt
berücksichtigen die Forscher durch wiederholte, schrittweise
Verbesserung – auf einige Mikrometer genau. Sind die Linsen
fertig, überprüfen die Wissenschaftler sie: Dazu projizieren
die Forscher ein Streifenmuster auf die Linse. Durch die Verzerrung der
Streifen lässt sich auf Krümmung, Neigung und Form der Linse
rück-schließen. Auf der Messe Optatec vom 17. bis 20. Juni
in Frankfurt zeigen die Forscher die gesamte Prozesskette und
Anwendungsoptiken (Halle 3, Stand D53).