Das Fraunhofer IWS Dresden stellt jetzt den Remote-Laserprozess
für eine konturnahe, schnelle und flexible Endbearbeitung von
TFP-Verbundstrukturen vor. Extrem schnelle, präzise Steuerbarkeit
und Bewegung des Lasers, kurze Wechselwirkungszeiten zwischen
Laserstrahlung und Bauteil und daraus folgende
Produktivitätssteigerungen gegenüber klassischen
Fertigungsverfahren sind die Vorteile des Remote-Laserstrahlschneidens,
welche das Fraunhofer IWS für eine breite Palette von Kunststoff-
und Composite-Materialien zur Verfahrens- und Systementwicklung
einsetzt.
So konnte beispielsweise die Remote-Lasertechnologie für das
Schneiden von Airbaghüllen und -säcken bereits in die
Industrie überführt und mit den entwickelten Systemen
Produktivitätssteigerungen von bis zu 90 % gegenüber dem
konventionellen Schnitt erreicht werden. Erfolgreich wurde der
kontinuierliche Vorschub der Gewebebahn mit der schnellen Bewegung der
Scannerspiegel kombiniert und somit ein effektiver und flexibler
»on the fly«-Zuschnitt von Textilbahnen realisiert.
Textile Materialien ganz anderer Art sind in der Kunstrasenherstellung
oder für Dämpfungsstrukturen im Einsatz, bei denen einzelne,
praktisch endlose glatte Fasern – sogenannte Filamente –
geometrisch definierte Kräuselungen erhalten müssen. Im
Rahmen eines durch die Sächsische Aufbaubank geförderten
Verbundvorhabens zwischen der Firma thoenes® Dichtungstechnik GmbH
und dem Fraunhofer IWS wurde ein Remote-Laserprozess zum Texturieren
entwickelt, der eine Kurzzeitwärmebehandlung von zeitgleich bis zu
acht bewegten Kunststoff-Filamenten ermöglicht. Dabei wurde
demonstriert, dass textile Kenndaten wie Restschrumpf,
Einkräuselung und Zugfestigkeit reproduzierbar beeinflusst werden,
ohne eine mechanische Schädigung oder ein Anschmelzen
hervorzurufen.
Das Streben nach energieeffizienten, leichten Transportmitteln für
den Personen- und Güterverkehr verlangt auch
Fertigungstechnologien für Faserverbundstrukturen, wie z. B.
für carbon- oder glasfaserverstärkten Kunststoff (CFK bzw.
GFK). In der Luft- und Raumfahrtindustrie werden diese Materialien zwar
seit langem eingesetzt, jedoch konnte eine
»high-volume«-Produktion, wie im Automobilbau gefordert,
bislang nur ansatzweise umgesetzt werden. Dies liegt insbesondere an
der aufwendigen Herstellungstechnologie sowie der zeit- und
kostenintensiven Endbearbeitung des Materials durch
Wasserstrahlschneiden bzw. mechanische Bearbeitung mit hohem
Werkzeugverschleiß.
Der klassische Laserprozess ist durch die starke thermische
Schädigung der Schnittzone des Faser-Matrix-Verbundes keine
Alternative für eine serientaugliche Massenproduktion. Deutliche
Effizienzsteigerungen konnten hingegen beim Einsatz der hochdynamischen
Strahlablenkung am Fraunhofer IWS erzielt werden. Die sehr hohen
Prozessgeschwindigkeiten führen zu einer geringen
Wechselwirkungszeit zwischen Laserstrahl und Werkstoffverbund, so dass
die thermische Zersetzung des Matrixwerkstoffes an der Schnittfuge auf
ein Minimum reduziert wird und der Prozess flexibel und hocheffizient
gestaltet werden kann.
Eine spezielle Art von Faserverbundstrukturen stellen die mittels
Tailored Fiber Placement (TFP) hergestellten Bauteile dar, deren
industrieller Einsatz durch eine konturnahe, schnelle und flexible
Endbearbeitung mittels Remote-Laserschneiden einen enormen Schub
erhalten wird. Bei dem im Institut für Polymerforschung Dresden
e.V. entwickelten TFP-Verfahren werden Faserbündel (z. B. Carbon,
Glas, Aramid), sogenannte Rovings oder Verstärkungsfäden, auf
ein Trägermaterial in nahezu beliebiger Form und Dicke aufgestickt
und danach mit einem Matrixwerkstoff infiltriert und verfestigt. Die
durch vorab durchgeführte Kraftfluss- und Spannungsberechnungen
entstandene bauteiloptimierte Struktur weist bei gleicher
Steifigkeit ein viel geringeres Gewicht gegenüber
klassischen Faserverbundstrukturen auf. Vielfältige Anwendungen,
vom Brake-Booster für Fahrradbremsen über Rahmen von
Flugzeugfenstern bis zu maßgeschneiderten Iso-grid-Strukturen im
Leichtbau, sind die Einsatzgebiete der TFP-Technologie. Noch wird die
gewünschte Endstruktur aufwendig mit mechanischen
Bearbeitungsverfahren von den Matrixrückständen und dem
Stickgrund freigelegt. Doch auch hier konnten die Wissenschaftler des
Fraunhofer IWS den äußerst schnellen, flexiblen und
präzisen Remote-Laserstrahlprozess für eine effizientere und
letztlich kostengünstigere Bearbeitung zum Einsatz bringen.
Homepage der Einrichtung:
http://www.iws.fhg.de