Eine neue Studie des Unternehmens PhotovoltaikZentrum – Michael
Ziegler hat ergeben, dass Photovoltaik keine Frage des Preises, sondern
der Emotionen ist. Somit widerlegt die Studie das sich in der
Solarbranche hartnäckig haltende Gerücht, dass Kunden wegen
des Preises eher zu den günstigeren Solarkomponenten aus Asien
greifen als zu deutschen Solarprodukten. Dieses Ergebnis stammt aus
einer dreitägigen Onlinebefragung über das Panel
Photovoltaikumfrage (http://www.photovoltaikumfrage.de). An der
Befragung beteiligten sich 100 Probanden, die sich in 60 Prozent
Solaranlagenbetreiber und 40 Prozent zukünftige Anlagenbetreiber
aufteilen.
Schwierige Situation auf dem Solarmarkt von deutschen Herstellern hausgemacht?Auf Konferenzen, in den Medien und weiteren unterschiedlichen
Kommunikationskanälen wird immer wieder über den Preis von
Solaranlagen und deren einzelnen Komponenten diskutiert. Viele deutsche
Solarhersteller beklagen, dass der Preis ihrer Solarkomponenten
prozentual nicht so schnell sinken kann wie die Einspeisevergütung
für Solarstromanlagen und deshalb Kunden sich für
günstigere Produkte aus Asien entscheiden. Auch ist immer wieder
von Preisdumping auf chinesischer Seite die Rede, das ebenfalls
Auswirkungen auf den Absatz haben soll. Überkapazitäten von
Solarmodulen auf dem weltweiten Solarmarkt erhöhen den Druck
zusätzlich. Inwieweit spielt also die Höhe des Preises
wirklich eine Rolle? Entscheiden sich Kunden für ein chinesisches
anstatt für ein deutsches Solarmodul, nur wegen des großen
Preisunterschiedes? Augenscheinlich ja, denn die Qualität der
Solarmodule ist auf beiden Seiten gleich. Und gerade deshalb, weil
signifikante Unterscheidungsmerkmale fehlen, ist das Absatzproblem bei
vielen Solarunternehmen hausgemacht.
Vertrauen steht an erster Stelle, erst dann kommt das Preis-/LeistungsverhältnisWas also können und müssen deutsche Solarmodulhersteller tun,
damit der Preis nur noch eine Nebenrolle spielt? Sie müssen die
eigene Marke mit Emotionen aufladen, zum Beispiel mit Vertrauen und
Sympathie. Es gilt die Aufgabe zu meistern, eine Beziehung zwischen
Marke und Kunden aufzubauen. Nur so kann sich ein deutscher
Solarhersteller von seinem Wettbewerb aus Fernost unterscheiden und
seinen Absatz erhöhen. Denn wenn sonst kein wesentlicher
Unterschied zwischen Produkten vorhanden ist, wählt der Kunde das
günstigere Angebot. Dabei müssen Hersteller und Anbieter
gleichermaßen Solarteure (Fachpartner) sowie die Endkunden
ansprechen.
Das wird auch in der Studie anhand von Zahlen deutlich. Im Bereich der
Wechselrichter entschieden sich über 34 Prozent für SMA, den
teuersten Hersteller im Vergleich. Für Power-One, als der
günstigste Hersteller im Vergleich, entschieden sich nur 13
Prozent. Bei den Solarmodulen lag der Hersteller SCHOTT Solar im
mittleren Preissegment, für den sich 37 Prozent entschieden. Der
Teuerste im Vergleich war der Hersteller SolarWorld, für dessen
Solarmodule sich ein Viertel der Probanden entschieden hat. Die
günstigen Hersteller Yingli (18 Prozent) und Suntech (3 Prozent)
wurden weniger bevorzugt. Bei den Montagesystemen wurde Schletter, der
im Vergleich ebenfalls der teuerste Hersteller im Vergleich darstellte,
von 31 Prozent der Probanden gewählt. Über 35 Prozent derer,
die bei den Montagesystemen Schletter bevorzugen gaben als Beweggrund
an, dass es sich um eine vertrauensvolle Marke handelt. Bei SCHOTT
Solar waren es sogar über 45 Prozent. Die ausschließliche
Frage nach dem Vertrauen über die Bewertung einer Skala brachte
hervor, dass IBC Solar unter den Systemkomplettanbietern mit über
54 % das größte Vertrauen genießt. Bei Yingli war das
Misstrauen mit 33 Prozent größer als das Vertrauen (28
Prozent). Werden die Ergebnisse der einzelnen Bereiche hochgerechnet so
wird deutlich, dass bei den Probanden das Vertrauen an erster Stelle
steht und erst dann das Preis-/Leistungsverhältnis folgt.
Michael Ziegler, Geschäftsführer von PhotovoltaikZentrum -
Michael Ziegler und Autor der Studie: „Kein Mensch handelt und
kauft rein rational! Emotionen wie Vertrauen und Sympathie spielen
dabei eine sehr große Rolle. Auch Marken im Bereich der
Photovoltaik können - sollen sogar - mit Emotionen aufgeladen
werden. D.h. im Klartext, dass die Kaufentscheidung bei Produkten, wie
in jeder anderen Branche auch, psychologisch beeinflusst werden kann.
Um es noch deutlicher auszudrücken: Viele Hersteller haben es
während der letzten Jahre einfach versäumt, sich um
Markenbildung und Kundenbindung zu kümmern. Wichtig vor allem ist,
dass Hersteller und Anbieter gleichermaßen Solarteure sowie
Endkunden mit ihrer Markenbotschaft ansprechen. Unsere Studie belegt,
dass Photovoltaik keine Frage des Preises, sondern des Vertrauens
ist.“
Hintergrundinformation zum Ablauf der BefragungDen Probanden war zu Beginn der Umfrage nicht bewusst, dass es bei der
Befragung ausschließlich um die angezeigten Marken in Verbindung
mit den darunter angegebenen Preisen ging. Der Fokus wurde
ausschließlich auf den Preis der jeweiligen Komponenten und
Systeme gelenkt.
Daher wurden den Probanden in der Befragung nacheinander jeweils sechs
gleichaussehende Solarkomponenten aus den Bereichen Solarmodule,
Wechselrichter, Montagesysteme und Komplettsysteme mit
unterschiedlichen Preisen präsentiert, wobei sich bei fünf
Komponenten ein kleines Hersteller- bzw. Anbieterlogo am linken unteren
Rand befand. Die letzte Komponente galt den unentschlossenen Probanden,
die sich für keines der anderen fünf entscheiden konnten. Es
konnte jeweils nur eine Komponente ausgewählt werden. Einigen
Probanden dürften die Logos bewusst aufgefallen sein, anderen
wiederum nur unbewusst. Dennoch lautete die Frage ausschließlich
nach dem Preis der einzelnen Komponenten und Systemen.
Im Anschluss wurden die Probanden nach den Beweggründen ihrer
Auswahl befragt. Die Probanden konnten aus einer Liste von Kriterien
das für sie Stärkste auswählen. In einem letzten Schritt
wurden alle in der Umfrage beteiligten Hersteller und Anbieter
aufgelistet, so dass der Proband das Vertrauen, das er in das jeweilige
Unternehmen setzt, auf einer Skala von 1 bis 5 bewerten konnte.
Weitere Informationen unter
http://www.photovoltaikstudie.de/