Fehlt eine Oberleitung oder ist sie defekt? Wie ist die Situation vor
einer Bahnhof- oder Tunneleinfahrt? Mit einem 3D-Laserscanner
lässt sich Sicherheit und Zuverlässigkeit der Bahn
erhöhen.
Mit Lasersystemen lassen sich hochpräzise und ultraschnelle
Messverfahren realisieren. Die Bahnmesstechnik hat hier weltweit
großen Bedarf. Eine Voraussetzung für den Einsatz ist, dass
niemand durch den Laser geschädigt oder irritiert wird. Dr.
Heinrich Höfler und Dipl.-Ing. Harald Wölfelschneider vom
Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM in Freiburg
entwickelten zusammen mit ihrem Team einen 3D-Laserscanner. Er kann
ohne Bedenken im Freien eingesetzt werden. Er ist so schnell und
präzise, dass er zum Beispiel aus einem Zug, der mit bis zu 100
Stundenkilometern fährt, die Position der Oberleitung oder den
Fahrweg räumlich vermessen und überwachen kann. Ist der
Scanner stationär aufgestellt, kann er vorbeifahrende Züge
erfassen und auf verrutschte Ladungen prüfen.
Heinrich Höfler erklärt, wie das funktioniert: »Wir
schicken einen Laserstrahl los und warten, bis er wieder
zurückkommt. Die Zeit dazwischen messen wir und wissen dadurch,
wie weit ein Gegenstand entfernt ist«. Die Schwierigkeit ist, den
zurück-kommenden Strahl zu erfassen. Denn zum einen kommt oft nur
sehr wenig Licht zurück und zum anderen ist der ausgesendete
Lichtstrahl in extrem kurzer Zeit wieder da. Lösung: Eine Art
Zeitlupe. Der Laserstrahl wird sehr schnell ein- und ausgeschaltet
– sprich moduliert. Die zeitliche Verschiebung dieser
Modulationswelle lässt sich einfacher und präziser bestimmen
als bei einem einzelnen Laserpuls.
Hindernisse und Engstellen während der Fahrt erfassen
Das System misst standardmäßig eine Million Mal in der
Sekunde. »Für die Deutsche Bundesbahn haben wir einen
Messzug ausgestattet, der mit mehreren Laserstrahlen die Umgebung der
Bahnstrecke abtastet und mit vier Millionen Messungen pro Sekunde ein
3D-Abbild der Umgebung liefert«, sagt Harald
Wölfelschneider. Damit lassen sich auch kleine Hindernisse und
Engstellen erkennen, oder planen, auf welchem Weg ein Schwertransport
am besten sein Ziel erreichen kann.
Ein weiteres Einsatzgebiet ist das Vermessen vorbeifahrender Züge.
Dafür ist der Scanner fest montiert, was jedoch die
Möglichkeit erhöht, dass jemand längere Zeit in den
Laserstrahl blickt. Um den Scanner augensicher zu machen, mussten die
Forscher einen neuen Wellenlängenbereich erschließen:
Infrarot, das für unsere Augen ungefährlich ist. Mit der
Konsequenz, das komplette System daraufhin völlig umbauen zu
müssen.
Von der Bahntrasse auf die Straße – international im EinsatzWenn man Bahntrassen genau unter die Lupe nimmt, liegt es nahe, sich
auch andere Verkehrswege anzusehen, zum Beispiel Straßen. Das
Team am IPM entwickelte einen augensicheren 3D-Scanner, der an einem
fahrenden Auto angebracht ist und aus circa drei Meter Höhe die
Straße scannt. »Mittlerweile lösen wir auch bei 80
Stundenkilometern noch Höhenunterschiede von 0,2 Millimetern auf
der Straße auf«, so Höfler. Es ist der erste Scanner,
der von der Bundesanstalt für Straßenwesen dafür
zugelassen ist. Er soll Spurrillen, Schlaglöcher und
Wasserabfluss-Möglichkeiten erkennen.
Das Lasersystem wird bereits erfolgreich vermarktet und international
zur Sicherung des Schienenverkehrs eingesetzt, denn es ist nicht nur
schnell und exakt, sondern auch sehr robust. Für den augensicheren
3D-Laserscanner werden Dr. Heinrich Höfler und Dipl.-Ing. Harald
Wölfelschneider mit einem der Joseph-von-Fraunhofer-Preise 2012
ausgezeichnet.
Weitere Informationen unter
http://www.fraunhofer.de/