Das Laser Zentrum Hannover e.V.(LZH) entwickelt innovative Technologien
zum schonenden Einsetzen und exakten Anpassen von Cochlea-Implantaten
in das Innenohr, sowie zur Steigerung der Qualität des
Resthörens.
Etwa 95 Prozent aller tauben oder hochgradig schwerhörigen
Menschen verfügen über einen ausreichend intakten
Hörnerv, um ihr Hörvermögen zumindest teilweise
wiedererlangen zu können. Ein wichtiges Hilfsmittel dafür
stellt das so genannte Cochlea-Implantat (CI) dar, eine elektronische
Hörprothese, die die Funktion zerstörter Haarsinneszellen im
Innenohr übernimmt. Sie besteht aus dem Implantat, das unter der
Haut in den Knochen hinter dem Ohr eingesetzt wird, dem in die
Gehörschnecke (Cochlea) einzuführenden Elektrodenträger
sowie einem meist hinter dem Ohr getragenen Teil mit Mikrofon und
Sprachprozessor. Das Funktionsprinzip kann man sich vereinfacht so
vorstellen: Trifft Schall auf das Mikrofon, wird er in eine Abfolge
elektrischer Impulse übersetzt und über die im Innenohr
liegende Elektrode an den Hörnerv weitergeleitet.
Die dünne, mit Haarsinneszellen besetzte Basilarmembran des
Innenohres bewahrt nur im unversehrten Zustand die Chance auf einen
optimalen Höreindruck. Eine zu starke Beschädigung der
empfindlichen Membran kann sogar zum gänzlichen Verlust des
Resthörvermögens führen. Daher erfordert das Einsetzen
der Elektrode höchste Genauigkeit. Die Gruppe
Oberflächentechnik am LZH verfolgt derzeit einen Ansatz, der die
Operation vereinfachen und das Einpassen der Elektrode an die
komplizierte Form der Cochlea verbessern soll. Um dies zu erreichen,
verwenden die Forscher bei der Herstellung von CI-Elektroden
Nickel-Titan-Formgedächtnislegierungen (NiTi-FGL) und machen sich
deren besonderen Eigenschaften zunutze. Über Zuführung von
Wärme oder elektrischer Energie kann sich dieser Werkstoff
nämlich an eine vorab aufgeprägte Form quasi
„erinnern“ und ermöglicht ein gezieltes Bewegen und
Anpassen der Elektrode. So will man einerseits die NiTi-FGL im
Laserschmelzverfahren zu einem individuell an den Patienten angepassten
CI-Elektrodenträger verarbeiten. Andererseits sollen die
besonderen Eigenschaften des Materials helfen, die Elektrode ohne
schädigenden Kontakt mit der Basilarmembran einzusetzen.
Grundsätzlich gilt: je tiefer das künstliche Material in die
Gehörschnecke gelangt und je besser es sich an das Gewebe
anschmiegt, umso exakter wird sich der Höreindruck ausbilden.
Am Laser Zentrum Hannover geht man noch einen zweiten Weg, um die
Eigenschaften von Cochlea-Implantaten zu optimieren: Die Gruppe
Lasermikrobearbeitung hat sich zum Ziel gesetzt, die
Funktionalität der CI durch eine gezielte Strukturierung der
Oberfläche zu verbessern. „Die Oberfläche eines
konventionellen Cochlea-Implantats wird nicht speziell behandelt - ein
enormes Potential das bisher ungenutzt blieb! Denn wie wir aus der
Natur wissen, haben biologische Oberflächen wie z.B. bei einem
Lotusblatt oder auch die Haifischhaut definierte Strukturen, die
für bestimmte Funktionen verantwortlich sind“,
erläutert Wissenschaftlerin Elena Fadeeva. Mit Hilfe eines
Femtosekundenlasers wird daher die Platin-Elektrode gezielt bearbeitet.
So entsteht eine nanostrukturierte und deshalb stark
vergrößerte, sehr raue Oberfläche, die das Anhaften von
Bindegewebe um die Elektroden reduziert und dadurch eine bessere
Wechselwirkung mit neuronalen Zellen ermöglicht. Gleichzeitig wird
durch Nanostrukturierung der frequenzabhängige elektrische
Widerstand verringert, so dass weniger Energie verbraucht wird. Die
besonderen Herausforderungen dieser Entwicklungsaufgabe liegen im
Detail. Die Strukturen müssen am fertigen Implantat mit nur 300
µm Durchmesser und dazu auf einer gekrümmten Oberfläche
aufgebracht werden. Derzeit wird am LZH eine Vorrichtung entwickelt,
die eine derart komplexe Bearbeitung auf kleinstem Raum ermöglicht.
Cochlea Implantate werden insbesondere den Menschen empfohlen, die
trotz bester herkömmlicher Hörgeräte kein ausreichendes
Sprachverstehen mehr erzielen. Über 200.000 Menschen weltweit
profitieren bereits von diesen ‚künstlichen
Innenohren‘. Etwa die Hälfte der erwachsenen CI-Träger
kann nach einem Training mit der Hörhilfe z.B. wieder
telefonieren. Bei kurzfristig Ertaubten und Kindern sind die Erfolge
sogar deutlich größer.
Die aktuellen Arbeiten am LZH zum Cochlea-Implantat sind sowohl in das
vom BMBF geförderten Projekt Gentle CI, als auch in das
interdisziplinäre Sonderforschungsprogramm 599 der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) eingebettet. Kooperationspartner ist u.a.
die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) mit dem weltweit
größten Cochlea Implantat-Programm zur Versorgung hochgradig
schwerhöriger Patienten.
Weitere Informationen unter
http://www.lzh.de/