Laserstrahlen können erfolgreich bei der selektiven
Bekämpfung junger Unkrautpflanzen eingesetzt werden. Zu diesem
Ergebnis kommt ein aktuelles Forschungsprojekt des Laser Zentrums
Hannover e.V. (LZH) und des Fachbereichs Biosystem- und
Gartenbautechnik (BGT) der Leibniz Universität Hannover.
Um landwirtschaftliche und gartenbauliche Flächen von
unerwünschten Pflanzen zu befreien, kommen zunehmend
umweltschonende Verfahren zur Anwendung. Denn chemische
Pflanzenschutzmittel wirken zwar sehr selektiv und sind auch dort
verwendbar, wo zum Beispiel herkömmliche, thermisch wirkende
Methoden wie das Abflämmen zu unspezifisch oder zu
energieaufwändig sind. Doch Abdrift und Überdosierung
führen häufig zu schädlichen Rückständen der
Herbizide in oberen Bodenschichten und Oberflächengewässern.
Gezielt eingesetzte Laserstrahlung kann dagegen punktgenau den Wuchs
von Unkraut im Bestand hemmen, indem sie die sensiblen als Meristem
bezeichneten Wuchszentren der Pflanzen zerstört. Die geringste
für Keimlinge tödliche Strahlungsenergie liegt nach
Laborerkenntnissen bei etwa 35 Joule. Mit den aktuellen Untersuchungen
lässt sich die eingesetzte Energie exakt und effektiv auf
Pflanzenart und Wuchshöhe abstimmen.
Die Forscher der Abteilung Werkstoff- und Prozesstechnik, Gruppe
Sicherheitstechnik am LZH setzen in den aktuellen Untersuchungen vor
allem auf CO2-Laser, die im mittleren Infrarot bei einer
Wellenlänge von 10,6 µm emittieren und deren Strahlung auf
die Pflanzen ebenfalls thermisch wirkt. Über einen
Galvanometerscanner mit einem flexiblen Spiegelsystem lässt sich
der Laserstrahl schnell und beliebig im Bearbeitungsfeld positionieren
und mit hoher Präzision auf die oberflächennahen Meristeme
fokussieren. Im Labor wurde dabei eine Zielgenauigkeit von <±
1 mm erreicht. Versuche mit einem Schienenwagen-geführten Laser im
Gewächshaus lieferten immer noch eine Treffsicherheit von ±
3,4 mm.
Zur Erkennung der Pflanze und für die optimale Positionierung des
Laserstrahls wird ein Stereo-Kamerasystem eingesetzt. Die
Wissenschaftler des BGT gleichen die Kamerabilder nach komplexer
Bearbeitung mit Active Shape Modellen der zu erkennenden Pflanzen ab,
u. a. basierend auf Schwellwertfilterung und Kantendetektion. Mithilfe
der Blattstellungen ist es möglich die Meristempositionen als
Ziele exakt zu bestimmen, so dass diese anzusteuernden Koordinaten als
Signal an den angeschlossenen Laser weitergegeben werden können.
Die Wissenschaftler des LZH konnten inzwischen die maximal notwendige
Energie bestimmen, die optimal an der gewünschten Position wirkt,
so dass die Methode besonders effizient einsetzbar ist. Derzeit werden
verschiedene Bestrahlungszeiten in unterschiedlich dichten
Unkrautbeständen auf ihre Wirtschaftlichkeit hin
überprüft. Die besten Ergebnisse für große
Flächen könnte nach derzeitigen Erkenntnissen ein autonomer
Feldroboter im Stop and Go-Betrieb liefern.
Das Projekt „Untersuchungen zur Laserlichtwirkung auf der Basis
von Bildanalysen auf juvenile Pflanzen zur Unkrautregulierung wird
durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.
Weitere Informationen unter
http://www.lzh.de/