
Dr. Eckhard Heybrock arbeitet beim VDI Technologiezentrum in
Düsseldorf im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)
auf dem Gebiet der innovationsunterstützenden Maßnahmen für die Photonik.
1. Herr Dr. Heybrock, vor etwa zwei Jahren haben Sie für Ihr
Engagement im Rahmen der Bildungsinitiative
„FaszinationLicht“ die „Medaille für
Naturwissenschaftliche Publizistik“ der Deutschen Physikalischen
Gesellschaft erhalten. Was waren die Bestandteile dieser Initiative?Dr. Eckhard Heybrock: "FaszinationLicht" war im Kern eine Wanderausstellung des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) rund um die Optischen
Technologien, in der Jugendlichen in spannenden mitmach-Experimenten das
Hightech-Thema Licht auf faszinierende Art näher gebracht wurde.
Zielgruppe war
die breite Öffentlichkeit und der gesamte Schulbereich, es ging damals in
erster Linie darum, Aufmerksamkeit und Interesse für die Optischen
Technologien zu wecken. Das Besondere daran war jedoch, dass diese Ausstellung
gemeinsam mit vielen Partnern aus der gesamten Branche durchgeführt wurde. Sie
organisierten Veranstaltungen und ergänzten und betreuten die Ausstellung. Auch
die Messe München engagierte sich mehrmals in der FaszinationLicht. Nur
gemeinsam konnten deutschlandweit zwischen 2003 und 2009 mehr als 100
Tourneestationen realisiert und über eine halbe Millionen Besucher erreicht
werden. Auch die Pressewirkung war mit mehreren tausend Zeitungsartikeln und
rund 70 TV-Berichten enorm. Die Optischen Technologien waren in den Köpfen der
Leute angekommen.
2. Werden neben Kindern und Jugendlichen auch andere Altersgruppen angesprochen?Dr. Eckhard Heybrock: FaszinationLicht war immer mehr als „nur“ eine Ausstellung.
Für Grundschullehrer- und lehrerinnen wurde ein eigenes didaktisches Angebot
mit dem sehr besonderen Glühwürmchen Luka als Mittler zu den Kindern
entwickelt: Luka’s Experimente – die Lichtwerkstatt für die Grundschule. Mit
dem Projekt „Die Innovationsliga“ werden seit 2008 gemeinsame Projekte von
Schule, Wirtschaft und Wissenschaft angeregt. Und Studienführer geben einen
Überblick über die etwa 1.000 Hochschulangebote pro Jahr auf dem Gebiet der
Optischen Technologien. Weiterbildungsangebote zu Licht und Laser werden in die
Kurs-Datenbank der Bundesagentur für Arbeit eingepflegt und das Bildungsziel
Optische Technologien wurde hier eingerichtet.
Auch wenn die reine Wanderausstellung inzwischen eingestellt
wurde, leben diese Initiativen entlang der Bildungskette auch heute weiter.
3. Wird es in Zukunft weitere, neue Anstrengungen im Hinblick
auf photonische Bildung geben?Dr. Eckhard Heybrock: Ein ganz dickes Ja! Forschung und Innovation brauchen immer
den Dialog mit der Gesellschaft, brauchen best-ausgebildete Menschen. Es sind
immer die Menschen, die den Unterschied machen. Das gilt in besonderer Weise
für die Photonik-Branche.
Eine
mittelständisch orientierte, forschungsintensive Hightech-Branche wie die
Photonik, mit hohem Innovationsdruck und wissenschaftlich geprägten
Produktionsprozessen, ist von dem drohenden Fachkräftemangel in Deutschland
besonders stark betroffen. Der akademische Anteil der Beschäftigten in der
Photonik-Branche beläuft sich auf über 20%. Dieser Wert liegt etwa
zweieinhalbfach über dem Durchschnitt der gewerblichen Wirtschaft in
Deutschland. So ergibt sich bis zum Jahr 2015 für die Photonik-Branche ein
Ersatz- und Expansionsbedarf von ca. 9.000 Akademikern (Stand 2010). Dabei
konkurriert die Photonik mit anderen, durch ihre Marken weitaus sichtbareren
Industriebranchen um die besten Nachwuchskräfte.
Die
Photonik-Branche steht also im Wettbewerb um Nachwuchs. Sie hat daher ein
besonderes Interesse, sich überproportional im Wettbewerb um die besten Köpfe
zu engagieren – und sie engagiert sich heute bereits immens für den Nachwuchs.
Ich könnte hier eine ganze Palette von Aktivitäten aufzählen, von der Initiative
„Light Alliance“ über Firmenkontaktmessen, Tagen der offenen Tür, Science
Slam-Veranstaltungen bis hin zu den heute etwa 600 von Schule, Wirtschaft und
Wissenschaft gemeinsam getragenen Photonik-Projekten und vieles, vieles mehr.
Nur, die
Branche engagiert sich nicht tief genug gemeinsam,
nicht in einer gemeinsamen Sprache. Die volle Wirkung der Maßnahmen kann sich
nicht entfalten und eine für die Sichtbarkeit notwendige kritische Masse an
Maßnahmen wird nicht erreicht. So bleibt die Photonik leider für den Nachwuchs
ein oftmals unsichtbares Technologiefeld.
Genau das ist der Ausgangspunkt der
neuen, branchenübergreifenden Initiative „Photonik Campus Deutschland“. Als
Partner engagieren sich hier die Wirtschaftsverbände der Photonik SPECTARIS,
VDMA und ZVEI, Institute der Fraunhofer Gesellschaft, das BMBF sowie wie
beschrieben die gesamte Photonik-Branche gemeinsam für den Nachwuchs. Die
Initiative wird am 23. April 2012 auf der Hannover Messe der Öffentlichkeit
vorgestellt.
4. Es geht also um die gemeinsame Nachwuchswerbung der
Photonik-Branche?Dr. Eckhard Heybrock: Das ist eines
der Hauptarbeitsfelder. Durch das gemeinsame Wirken der Partner sollen die
bestehenden Nachwuchs-Aktivitäten der Unternehmen, Institute und Verbände der
Branche zusammengetragen und gebündelt werden. Zusätzlich sollen neue
Aktivitäten angeregt werden und die bestehenden Maßnahmen ergänzen. Insgesamt
soll der „Photonik Campus Deutschland“ für eine nachhaltige Nachwuchsansprache
Informationsangebote entlang der Bildungskette Schule (Primarstufe/Sek I,
Gymnasium/Sek II), Hochschule und berufliche Bildung aufbieten. Der Schwerpunkt
der Maßnahmen liegt dabei auf dem gymnasialen und akademischen Bereich.
Das BMBF beteiligt sich mit
einer Vielzahl eigener Maßnahmen an der Initiative. Hierzu zählt insbesondere
der Aufbau eines Internetportals mit breiter social-Media Komponente (www.photonik-campus.de) zur gemeinsamen
Darstellung ausgewählter Maßnahmen und Werbung für Nachwuchs für die Photonik. Mehr
online-Informationen und -Angebote ist ein weiterer Schwerpunkt der neuen
Initiative. Eine authentische Darstellung und Vernetzung der Branche auf diesem
gemeinsam betriebenen Internetportal erlauben dem Nachwuchs einen direkten
Zugang zur Photonik-Branche, zu ihren
Mitgliedern und Initiativen. Zugleich ermöglicht das Internetportal auch den
Austausch der Zielgruppe untereinander. Einzelaktivitäten und -beiträge aus der
gesamten Branche wie Foto- und Videomaterial, Berichte und Hinweise über
Veranstaltungen etc. sollen dabei immer dem jeweiligen Initiator zugeordnet
erkennbar bleiben. Sie werden jedoch durch die Mitarbeit und Zulieferung aus
der gesamten Branche in ihrer Wirkung deutlich verstärkt, eine
Win-Win-Situation für alle Mitwirkenden - und für den Nachwuchs.
5. Welches Angebot bietet der „Photonik Campus Deutschland“
genau?Dr. Eckhard Heybrock: Der „Photonik Campus Deutschland“
- bietet Materialien und Fortbildungen für die Aus- und Weiterbildung von Grundschullehrern und -lehrerinnen an,
- regt den Aufbau von Partnerschaften von Schulen, Unternehmen und Instituten an,
- motiviert Oberstufenschüler und Studierende, auch europäischer Nachbarländer, z. B. mit „Photonik-Campus-life“-Videos
(Videoberichte von Studierenden) und
„Photonik-talks“-Videoaufzeichnungen (Videomitschnitte von
Lehrveranstaltungen und Vorträgen) für ein Photonik-Studium
in Deutschland,
- stellt die Studienangebote zur Photonik in Deutschland übersichtlich zusammen und hält hierzu Informationen bereit,
- motiviert junge Studierende der Naturwissenschaften und Technik in der Photonik-Akademie
- das ist ein Wettbewerb für eine jährlich angebotene
Praxis-Woche - für eine „Photonik-Karriere“ in
Deutschland,
- gibt Anstöße zur Erneuerung der Berufsbilder in der Photonik-Branche,
- berichtet über Chancen, „Leben“ und Werdegänge in der Photonik, beantwortet Fragen zum Berufseinstieg,
- und kommuniziert letztendlich die Informationen über das Internet-Portal, auf zielgruppenspezifischen Fachmessen, Abimessen und Tagungen in ganz Deutschland.
Damit ein
solches Angebot wirklich lebendig und authentisch aufgebaut, kontinuierlich
erweitert, aktualisiert und kommuniziert werden kann, bitte ich jedes
Unternehmen und jeden Lehrstuhl um seine Unterstützung. Insbesondere sind
Fotos, Fotodokumentationen, Videos, Interviews, Vorlesungen, Präsentationen und
Berichte beziehungsweise Ankündigungen von Nachwuchs-Veranstaltungen zur
Präsentation im Internet-Portal herzlich willkommen:
heybrock@vdi.de