Physiker der Universität Tübingen haben einen neuartigen
Laser aus kaltem Gas entwickelt: Mit so genannten „Optischen
Gittern“ aus ultrakalten Atomen könnte es künftig
gelingen, Materialien zu entwickeln, in denen sich Licht
einschließen lässt. Über die Forschung von Dr. William
Guerin und Alexander Schilke wird aktuell im Fachmagazin nature
photonics’ berichtet. (
http://dx.doi.org/10.1038/NPHOTON.2011.320).
Ein normaler Laser besteht aus einem Lichtverstärker und einem
Satz Spiegel, der das verstärkte Licht zurück zum
Verstärkereingang führt. Bei genügend effizienter
Rückkopplung bildet sich spontan ein Laserstrahl aus, analog etwa
zum akustischen Pfeifton, der entsteht wenn man ein Mikrofon zu nahe an
einen Lautsprecher hält. In so genannten DFB-Lasern (distributed
feedback) können die Spiegel auch durch ein Gitter ersetzt werden,
das das Licht durch Beugung in sich zurückführt.
Den Forschern des Physikalischen Instituts der Universität
Tübingen ist es nun gelungen, solche Reflektionsgitter komplett
aus einem extrem dünnen Rubidiumgas herzustellen, das durch
Laserlicht zu einem Stapel aus 10.000 extrem dünnen Scheiben
geformt wird. Um solche „Optischen Gitter“ zu erzeugen,
muss man das Gas auf Temperaturen von weniger als ein Tausendstel Grad
über dem absoluten Nullpunkt abkühlen, was aber mit einer
Kombination von weiteren Laserstrahlen möglich ist. Dasselbe
Rubidiumgas, aus dem das Gitter geformt wird, kann man gleichzeitig
auch als optischen Verstärker verwenden. Man erhält so einen
DFB-Laser, der nur aus Licht und einem Gas besteht, das eine Milliarde
mal dünner ist als Luft.
Dr. William Guerin und sein Mitarbeiter Alexander Schilke befassen sich
seit zwei Jahren in der Arbeitsgruppe „Quantenoptik“ mit
der Reflektion von Licht an optischen Gittern. Ziel war die Entwicklung
von Materialien mit sogenannter „photonischer
Bandlücke“: Aus solchen periodisch strukturierten
Materialien sollte Licht nicht mehr entweichen können, da es, egal
in welche Richtung es sich bewegt, immer in sich zurückgebeugt
wird. Auf diese Weise könnte man Licht in einem Material
einschließen ? optische Gitter mit ultrakalten Atomen sind
mögliche Kandidaten für die Realisierung derartiger optischer
Designermaterialien.
Guerin und Schilke wollten eigentlich nur den Reflektionsgrad ihres
Gitters weiter verbessern und über die bereits von ihnen
erreichten 80 Prozent steigern. Dass dabei ein neuartiger Laser
herauskam, war für die Forscher selber eine Überraschung.
„Auf einmal waren unsere Photodetektoren gesättigt und wir
haben unerwartete Lichtblitze gesehen, wo keine sein sollten“,
sagt William Guerin, der aus Paris kommt, und seit zwei Jahren in
Tübingen als Postdoc in der Arbeitsgruppe von Professor Claus
Zimmermann arbeitet.
Anwendungen des neuen Lasers könnten in der Erzeugung
kegelförmiger Zwillingsstrahlen mit besonderen Rauscheigenschaften
liegen oder auch in der Entwicklung von ultravioletten Lasern für
die konventionelle Spiegel nicht verwendet werden können. Dr.
Guerin hat sich inzwischen für ein Stipendium beworben, das es ihm
erlaubt, weitere zwei Jahre in Tübingen an seinem Ziel zu
forschen, Licht mit ultrakalten und ultradünnen Gasen zu fangen.
Weitere Inforamtionen unter
http://www.uni-tuebingen.de/