Chirurgen können dank moderner Endoskope immer häufiger auf
große Schnitte verzichten. Für manche Eingriffe sind
Instrumente mit einer 3D-Optik unerlässlich. Forscher haben einen
speziellen Bildsensor entwickelt, der den Ärzten den perfekten
Tiefeneindruck im Körperinneren dank Mikrolinsen ermöglicht.
Vorsichtig führt der Arzt das Endoskop durch die Nase an die zu
operierende Region. Es ist ein kniffliger Eingriff. Bevor er mit der
Arbeit beginnen kann, muss sich der Chirurg einen genauen
Überblick verschaffen. Wie verlaufen die Blutgefäße, wo
genau liegt das Tumorgewebe, wie tief muss der Chirurg in bestimmte
Hirnareale vordringen? Dank der Kamera, die in das millimeterdünne
Rohr eingebaut ist, sieht der Arzt alle Details gestochen scharf,
Tiefeneindruck inklusive – als säße er selbst im
Gehirn des Patienten. Medizinern wie etwa Neurochirurgen erleichtert
das stereoskopische Sehen mit Hilfe von 3D-Endoskopen ihre Arbeit
enorm. Viel zielsicherer navigieren sie durch das Gewebe. Bei
Eingriffen unterlaufen weniger Fehler, die Arbeit geht schneller
vonstatten.
Den perfekten 3D-Blick ins Innere des Körpers verdanken
zukünftig Ärzte den Forschern vom Fraunhofer-Institut
für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS in Duisburg und
den Projektpartnern im EU-Projekt »Minisurg«. Während
bisher nur CCD-Bildsensoren mit einer geringen Auflösung zur
Verfügung standen, ist es jetzt den Wissenschaftlern gelungen,
CMOS-Bildsensoren, die beispielsweise auch in Spiegelreflexkameras
verbaut sind, für diese Spezialanwendung tauglich zu machen.
»Dafür haben wir spezielle Mikrolinsen entwickelt«,
erklärt Dr. Sascha Weyers, Projektleiter am IMS. Der Clou liegt im
Strukturaufbau der CMOS-Sensoren: Über jeweils zwei Spalten des
Sensors, auf denen die Pixel angeordnet sind, ist eine zylindrische
Mikrolinse angebracht. Über ein davorliegendes Objektiv fällt
das Licht auf die Linsen, die es auf die Pixel bündeln. Die
Besonderheit dabei ist, dass das Objektiv zwei Blendenöffnungen
hat. »Das ist quasi wie das rechte und das linke Auge«,
sagt Weyers. Mit anderen Worten: Zwei Lichtstrahlen fallen auf die
Linsen – das Licht des »linken Auges« fällt von
links ein und wird auf die rechte Sensorspalte gebündelt, und
umgekehrt. Unterhalb der Linsen kreuzen sich die beiden Lichtstrahlen.
Das Ergebnis: Wie das Gehirn die Daten vom linken und rechten Auge
verarbeitet, erhält der CMOS-Sensor zwei verschiedene
Bildinformationen. Eine Software rechnet diese auseinander und
verarbeitet sie getrennt. Je nach System bekommt der Arzt dann den
dreidimensionalen Eindruck direkt auf dem Bildschirm zu sehen, oder
aber er nutzt eine Polarisationsbrille.
Damit die Lichtstrahlen präzise auf den Sensor gebündelt
werden, sind spezielle Mikrolinsen notwendig. Vor deren Herstellung
berechneten die Fraunhofer-Ingenieure zunächst die optimale Form
mit Hilfe von Simulationen. Das war notwendig, um Störfaktoren zu
eliminieren. So muss die Linse etwa garantieren, dass rechter und
linker Kanal scharf voneinander getrennt sind. Das heißt, dass
nicht mehr als fünf Prozent vom einen Lichtstrahl auf den
Sensorspalt des anderen Kanals einfallen – die Experten nennen
das »Übersprechen«.
Anschließend passten die Forscher die üblichen
Herstellungsverfahren für Mikrolinsen an die errechnete Linsenform
an. Zudem mussten sie bei der Fertigung der Miniaturkameras bestimmte
Anforderungen erfüllen. Mit Erfolg: Der Chip ist so winzig, dass
er in ein Rohr von gerade mal 7,5 Millimeter Durchmesser passt.
Zusammen mit dem Glasfaserbündel, das als Lichtquelle dient, misst
das Endoskop 10 Millimeter im Durchmesser – die perfekte
Größe für minimalinvasive Anwendungen in der Chirurgie.
Weitere Informationen unter
http://www.fraunhofer.de/