Satelliten kommunizieren derzeit mit Hilfe von Mikrowellentechnik.
Diese Technologie könnte jedoch bald an ihre Grenzen stoßen,
sagt Stefan Spießberger vom Ferdinand-Braun-Institut. Er hat ein
Kommunikationsmodul entwickelt, das mit Halbleiterlasern arbeitet und
die heutige Technik ersetzen kann.
Mikrowellen als Informationsträger im Weltraum haben mehrere
Nachteile. Wegen ihrer großen Wellenlänge können die
Kommunikationsmodule nicht endlos verkleinert werden und haben Grenzen
in der Übertragungsrate. Für diese Probleme könnten
optische Kommunikationsmodule mit Laserlicht die Lösung sein.
„Sie arbeiten mit Wellenlängen um 1000 Nanometer,
können dadurch deutlich kleiner gebaut werden und lassen
wesentlich höhere Datenübertragungsraten zu“,
erklärt Stefan Spießberger vom Ferdinand-Braun-Institut,
Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH). Die
Strahlen eines Lasers lassen sich darüber hinaus so eng
bündeln, dass Reflektionen und Störungen kein Problem mehr
darstellen. Die optische Kommunikationstechnik im Weltraum steckt
jedoch noch in den Kinderschuhen, erst wenige Initiativen gab es
weltweit für den Bau solcher Module. Das nun am FBH entwickelte
und getestete Bauelement bringt die Technologie einen großen
Schritt voran und ist weltweit einzigartig.
Das Funktionsprinzip ist einfach: Ein Sender erzeugt einen Laserstrahl
von genau definierter Wellenlänge und schickt ihn zielgerichtet in
den Weltraum. Der Empfänger mischt diesen Strahl mit einem zweiten
Strahl, dem lokalen Oszillator. Verändert man den gesendeten
Strahl in kleinen Details, lassen sich diese von der Referenz im
Empfänger präzise unterscheiden. Das Differenzsignal kann
anschließend in einem komplexen Prozess analysiert werden.
„Es wurde bereits gezeigt, dass man auf diese Art und Weise 32
und mehr verschiedene Signalstellungen codieren kann“, so
Spießberger. Damit ist eine sehr schnelle Datenübertragung
möglich. Des Weiteren können dadurch Signale mit sehr
geringer Leistung nachgewiesen und ausgewertet werden.
Tesat-Spacecom hat bislang Festkörperlaser-basierte Module im
Weltraumeinsatz. Das deutsche Technologieunternehmen konnte damit
zeigen, dass die optische Kommunikation auch in der Praxis gut
funktioniert. Der eingesetzte, vergleichsweise großformatige
Festkörperlaser wird von halbleiterbasierten Lasermodulen optisch
gepumpt. Die dafür genutzten Pumpmodule wurden am FBH im Rahmen
mehrerer DLR-geförderter Projekte entwickelt und realisiert. Durch
diesen Aufbau ist die Gesamtkonstruktion größer,
unhandlicher und ineffizienter als das rein halbleiterbasierte,
kompakte Lasermodul des FBH. Einem Team des Instituts ist es gelungen,
das Modul so zu gestalten, dass es sowohl eine hohe Ausgangsleistung
als auch eine geringe Linienbreite aufweist. Unter Linienbreite
versteht man die Abweichung von der eingestellten Wellenlänge. Je
kleiner sie ist, desto präziser lässt sich das
Differenzsignal berechnen. „Wir konnten die Linienbreite auf
circa 0,4 Femtometer drücken, das ist enorm wenig bei der
Ausgangsleistung des Moduls von einem Watt“, so
Spießberger. Die Wellenlänge lässt sich im Gegensatz
zum Festkörperlaser über einen weiten Bereich frei
wählen. Im Ernstfall könnte daher die ideale Wellenlänge
für die Kommunikation ermittelt und das Modul entsprechend
angepasst werden. Für die Tests ist der Halbleiterlaser jedoch auf
die bereits durch Tesat-Spacecom genutzten 1064 Nanometer eingestellt.
Bis die optische Datenübertragung die gängige
Mikrowellentechnik in den Satelliten verdrängt hat, ist es jedoch
noch ein weiter Weg, ist Spießberger überzeugt. Zum einen
halten die Satellitenbetreiber gerne an etablierten Technologien fest,
solange es geht. Zum anderen müsste sein
Halbleiterlaser-Bauelement noch für den Weltraumeinsatz
qualifiziert werden. Dazu gehören entsprechende Vibrations- und
Temperaturtests sowie eine hermetisch versiegelte Hülle.
„Das Besondere an dem Prototyp ist aber, dass wir bewiesen haben,
dass halbleiterbasierte Lasermodule die Anforderungen der
kohärenten optischen Datenübertragung im Weltraum
erfüllen“, resümiert Spießberger und ist sich
sicher: In 15 Jahren kommen die Betreiber der Satelliten an der
optischen Datenübertragung nicht mehr vorbei.
Weitere Informationen unter
http://www.fbh-berlin.de/