Gestochen scharfe Projektionen, ein Licht, das weißer ist als
weiß, Lacke, die klingen, wenn sich die Temperatur ändert -
auf der nano tech 2010 in Tokyo präsentieren Fraunhofer-Forscher
Nanotechnik als Fest für die Sinne.
Die Vitrine leuchtet mystisch; das weiße Licht scheint aus dem
Nichts zu kommen; eine Lichtquelle ist - zumindest auf den ersten Blick
- nicht zu sehen. Erst beim genauen Hinsehen wird die Ursache der
scheinbar übersinnlichen Erscheinung sichtbar: Eine Leuchtdiode,
kleiner als ein Stecknadelkopf, emittiert durch tausende von
Linsenstrukturen, die nur einige hundert Nanometer klein sind,
strahlendweißes Licht.
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Tandem-Mikrolinsenarrays können Licht bündeln und homogenisieren. © Fraunhofer IOF | |
"Das Erzeugen von weißem Licht ohne Farbeffekte am Rand war lange
Zeit ein kaum lösbares technisches Problem", erklärt Dr.
Michael Popall vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in
Würzburg. "Weißes Licht entsteht, indem man die
Komplementärfarben Rot, Grün und Blau mischt. Bei der
klassischen Beamer-Technik traten dabei unerwünschte Brechungen
auf, das Ergebnis waren bunte Schlieren am Rand der Projektion." Die
Technik, die der Forscher vom 17. bis 19. Februar auf der nano tech
2010 in Tokyo (Halle. 3.03 Stand F-14-1) präsentiert, liefert
nicht nur brillante Farben, sondern auch reines Weiß: "Kleinste
rote, blaue und grüne Leuchtdioden auf engstem Raum erzeugen das
Licht, das mittels einer Konzentratoroptik gebündelt und
anschließend durch eine nanostrukturierte ORMOCER®-Optik
homogenisiert wird", erläutert Popall, der an der Entwicklung des
Werkstoffs maßgeblich beteiligt war.
ORMOCER®e seien ein ideales Material für die Herstellung von
Mikrooptiken, resümiert der Forscher: "Sie sind nicht nur
ausgezeichnete Lichtleiter, sondern auch leicht zu verarbeiten - nicht
so spröde wie Glas und nicht so weich wie Polymer."
Tatsächlich sind ORMOCER®e ein Hybrid aus anorganischen und
organischen Bestandteilen, die auf molekularer Ebene vernetzt sind. Mit
diesem Material lassen sich Dinge realisieren, die noch vor ein paar
Jahren undenkbar waren: ultraflache und ultrakleine Optiken für
Mikrokameras oder Beamer, die in die Hosentasche passen. Das Design der
neuen ORMOCER®-Optiken haben Experten vom Fraunhofer-Institut
für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena entwickelt.
Popall: "Dank der enge Zusammenarbeit zwischen den Chemikern am ISC und
den Physikern und Ingenieuren am IOF ist es uns gelungen,
ORMOCER®-Tandem-Arrays mit beidseitig und symmetrisch zueinander
angeordneten Mikrolinsenanordungen zu entwickeln, mit denen sich das
Licht von Leuchtdioden punktgenau und ohne Brechungsfehler projizieren
lässt." Die neue Technik steht mittlerweile kurz vor der
Markteinführung.
Nanotechnik eröffnet dabei nicht nur dem Auge eine neue Dimension,
sie macht auch Dinge hörbar, die bisher niemand wahrnehmen konnte:
Temperaturänderungen beispielsweise. Ein neuer Lack, den Forscher
vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung
IPA entwickelt haben, sorgt dafür, dass Oberflächen klingen,
wenn sie wärmer werden oder abkühlen. Der Trick: Im Lack
befinden sich Carbon-Nanotubes, die elektrisch leitfähig sind. Ist
eine Oberfläche mit diesem Lack beschichtet, so lässt sie
sich durch Anlegen einer elektrischen Spannung aufheizen. Diese
Temperaturveränderung ist hörbar, weil beim Erwärmen der
Oberfläche daran angrenzende Luft zu schwingen beginnt. "Und dies
ist nur eine von vielen denkbaren innovativen Anwendungen. Die
Beschichtung eignet sich ebenso zum Beheizen kompliziert geformter
Oberflächen und großer Flächen. In Zukunft ist ein
Einsatz als multifunktionale Schicht zum Heizen, als Widerstandssensor
oder als transparente Schicht für Farbdisplays denkbar", sagt
Ivica Kolaric, Abteilungsleiter am IPA.
"Die Interdisziplinarität ist die Stärke von Fraunhofer",
resümiert Popall: "In der Fraunhofer-Gesellschaft arbeiten 59
Institute zusammen. Das Know-how reicht vom Material über
Technologie und Design bis zum Produktionsprozess." Auf der nano tech
2010 In Tokyo präsentiert das ISC ein Spektrum optischer
Materialien - von Gläsern über ORMOCER®e und deren
Nanotechnologie bis zu Kunststoffen. Das IOF steuert hochpräzises
optisches Design und Mikrotechnologie bei, das Fraunhofer-Institut
für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP physikalische
Beschichtungstechnik. Das Fraunhofer-Institut für Keramische
Technologien und Systeme IKTS in Dresden zeigt Bearbeitungsverfahren,
beispielsweise das Pressen von Glasoptiken oder das Beschichten mit
Hilfe von Nanolithographie. Das IPA präsentiert den techischen
Einsatz von Carbon-Nano-Tubes.