Branchenthemen LASER World of PHOTONICS World of Photonics Congress LASER World of PHOTONICS China
HOME
FACHTHEMEN
BUSINESS LIFE
Suche in...
 VOLLTEXTSUCHE 
go
 AUSSTELLERDATENBANK 
go
Volltextsuche
Firma
PLZ / Ort / Land
/
Land
Halle
 TERMINDATENBANK 
go
Stichwortsuche
in/im
in/im
 nur Highlights
an/am
von - bis
 - 
 KONFERENZPROGRAMM 
go
Suche über Themengebiet
Suche über Konferenz
 
Partners  
 Newsletter abonnieren  Newsletter abonnieren
:-) my.world-of-photonics.net
Username 
Passwort 
Passwort vergessen? 
Jetzt registrieren!
i Alles über my.world-of-photonics.net

Mercateo - der Megahändler für Geschäftskunden im Internet


Seite drucken Seite weiterempfehlen  |   English
PHOTONICS INTERVIEW
Professor Dr. Dr. Christoph Cremer
Das hochauflösendste und schnellste Superresolution Mikroskop der Welt

cremertlb160Professor Dr. Dr. Christoph Cremer vom Kirchhoff-Institut für Physik der Universität Heidelberg erfüllt mit seinem weltweit schnellsten Superresolution Mikroskop Vertico-SMI die eigentliche Anforderung der Anwender im Bereich der Molekularbiologie und Medizin: Die Möglichkeit herkömmliche Fluoreszenzfarbstoffe wie GFP für lebende Zellverbünde zu verwenden. Die Methoden stoßen in Europa und den USA auf großes Interesse, aber auch in vielen anderen Ländern, bis hin zu China und Japan. Für die Verwertung seiner Nanoimaging-Verfahren arbeitet Prof. Cremer mit der Innovationsmanagerin Dr. Andrea Nestl von der Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH in Karlsruhe zusammen (beide im Bild).
 
1. Forscherverbünde in der ganzen Welt ringen um den besten Blick in die molekulare Welt der Zelle. Womit setzten Sie als Pionier auf dem Gebiet der Superresolution Mikroskopie neue Maßstäbe?
 
Professor Dr. Dr. Christoph Cremer: Wir realisieren die Super Resolution Mikroskopie durch die Verbindung von Lokalisationsmikroskopie SPDM und Strukturierter Beleuchtung SMI, wobei wir nur mit den üblichen, jahrzehntelang etablierten Fluoreszenzfarbstoffen arbeiten. Die wichtigsten sind natürliche Fluoreszenzproteine wie GFP, synthetische wie Alexa-Fluoreszenzfarbstoffe 488, 568, 647 und dem in der Augenheilkunde zur Diagnose von Hornhauterkrankungen eingesetzten Fluorescein.

Mit unserem Weitfeldmikroskop Vertico SMI gelingt es uns sogar mehrere, sogar  lebende Zellen gleichzeitig im molekularen Detail zu untersuchen. Wir erreichen hierbei eine Auflösung von 10 nm in 2D und 40 nm in 3D unter Verwendung sichtbaren Laserlichts. Für die schnelle Aufnahme- und Prozessierungsgeschwindigkeit der Bilder haben wir eine spezielle Software patentrechtlich geschützt, mit der wir wenige Minuten nach der Aufnahme schon das druckfähige Bild erhalten.
 
2. Für Forschungsexperimente in der Zelle spielt das Nobelpreis-prämierte Leuchtmolekül GFP eine herausragende Rolle. Was bedeutet es für einen Forscher genau, dass Ihr Nanoskop mit dem gleichen Leuchtmolekül arbeitet, um Bilder in der derzeit bestmöglichen Auflösung zu erzielen?
 
Professor Dr. Dr. Christoph Cremer: Diese Markierungstechniken sind für zellbiologische Analysen weltweit in tausenden biomedizinischer Labors eingeführt und Unmengen solcher Präparate sind vorhanden. Für Nanoskopaufnahmen mit kommerziellen Super Resolution Mikroskopen sind diese allerdings nicht geeignet. Dafür muss man alle Präparate mit teuren schaltbaren Spezialfarbstoffen noch einmal zeitaufwändig neu herstellen.

Mit unserem Vertico-SMI hingegen ist es nun erstmals möglich bei der gewohnten GFP-Fluoreszenzfarbstoffgruppe zu bleiben. Das klappt auch mit anderen unveränderten Fluoreszenzfarbstoffen aus dieser Gruppe wie RFP und YFP. Besonders spannend ist die Co-Lokalisation 2CLM (2Colour Localisation Microscopy), die wir ebenfalls auf Einzelmolekülebene durchführen.
 
3. Um im Zellinneren kleinste Strukturen erkennen zu können, muss mit Leuchtmolekülen „das Licht eingeschaltet“ werden.  Was macht Ihr Verfahren, welches  mit GFP arbeitet, so clever und spektakulär?
 
Professor Dr. Dr. Christoph Cremer: Der Clou ist, dass wir uns eine Eigenart der fluoreszierenden GFP-Moleküle zunutze machen, die bisher als lästiger Störfaktor eingestuft wurde. Werden GFP-Moleküle mit einer Laserwellenlänge angeregt, reagiert jedes mit einem einmaligen kurzen Aufblinken innerhalb von zwei Minuten – aber nicht alle gleichzeitig sondern zeitlich gestreut.
Mit unserer Lokalisationsmikroskopie SPDMphymod machen wir Tausende von Aufnahmen von immer neuen Lichterkonstellationen innerhalb der besagten zwei Minuten, woraus sich dann ein exakt aufgelöstes „kartografisches“ Bild ergibt.

Praktisch auch, dass wir durch dieses Blinking-Phänomen im Gegensatz zu dem Einsatz von schaltbaren oder photoaktvierbaren Fluoreszenzfarbstoffen mit nur einer einzigen Laserwellenlänge auskommen.
 
4. In Zellen Moleküle auf einfache Weise einzeln zählen zu können, hat das Potenzial, die gesamte molekularbiologische, medizinische und pharmazeutische Forschung zu revolutionieren. Welche neuen Erkenntnisse darf die Forschung durch die Cremersche Nanoskopie erhoffen?
 

Professor Dr. Dr. Christoph Cremer: In verschiedenen Arbeitskooperationen untersuchen wir ganz neue Strategien zur Vorbeugung, Risikosenkung und Therapie von Krankheiten. Mit Kardiologen zusammen forschen wir nanoskopisch auf der Ebene einzelner für die Steuerung des Herzrhythmus wichtiger Ionenkanäle und können so zur Verbesserung von Arzneimitteln gegen Herzinfarkt beitragen. In anderen Arbeitskooperationen möchten wir die Mechanismen der Blut-Hirn-Schranke besser verstehen und beeinflussen lernen, um so Medikamente zu entwickeln, die diese optimaler passieren können - ein Lebensgewinn für viele Menschen mit Hirntumoren oder schweren psychischen Problemen. Bei unseren virologischen Kooperationen können wir den Andockungsprozess der Viren an die Zellmembran, mit dem das Unheil seinen Lauf nimmt, häufig sehr viel schneller und einfacher analysieren als mit herkömmlichen elektronenmikroskopischen Methoden. Für die Entwicklung neuer Arzneimittel gegen Virusinfektionen wie Grippe oder AIDS ist das ein erheblicher Vorteil. Derzeit überlegen wir unsere Nanoskopie ebenfalls im materialwissenschaftlichen Bereich einzusetzen.
 
5. Entwicklungen von High Tech Mikroskopen sind sehr teuer. Unter welchen Forschungsbedingungen konnten Sie Ihr Super Resolution Mikroskop entwickeln?
 
Professor Dr. Dr. Christoph Cremer: Hinter unserer Entwicklung stecken jahrzehntelange Investitionen. Die erste Patentanmeldung von 1971, die das Konzept der 4Pi-Mikroskopie betraf, geht auf die Zeit meiner Diplomarbeit zurück und wurde von meiner Familie finanziert. Für die weitere Entwicklung haben wir seit 1970 eine kontinuierliche Forschungsförderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft erhalten. Hinzu kamen Zuwendungen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der Europäischen Union im Rahmen eines Konsortiums zum Molecular Imaging und von zwei baden-württembergischen Landesforschungsschwerpunktprogrammen sowie Doktorandenstipendien des Landes Baden-Württemberg und der DFG. Die Universität Heidelberg hat über Jahrzehnte hinweg die Infrastruktur, wie Labore und Geräte und Personalmittel zur Verfügung gestellt.
 
6. Das Gebiet der lichtoptischen Nanoskopie ist mit derzeit 4 auf dem Markt kommenden oder befindlichen Super Resolution Mikroskopen nicht einfach zu durchschauen. Wie hebt sich Ihre Technologie hierbei hervor und wie sehen Sie die Chancen am Markt?
 
Professor Dr. Dr. Christoph Cremer: Andere Super Resolution Mikroskope wie ELYRA oder N-STORM können keine Standardfluorochrome sondern nur photoaktivierbare Fluoreszenzmoleküle einsetzen. Damit verbunden ist auch der Nachteil einer erheblich kleineren Aufnahmegeschwindigkeit, so dass keine Aufnahmen von lebenden Zellen mit hohen Moleküldichten möglich sind. Andere Nanoskope wie STED basieren auf der Mikroskopie mit fokussiertem Licht und können nur kleine Bereiche schnell erfassen. Ein Unterschied zur Mehrfarben 3D-SIM Mikroskopie wie OMX ist die mehr als doppelt so hohe Auflösung, die wir derzeit mit zwei Farben in 3D erreichen können. Mehr sind geplant.

Unser Vertico-SMI übertrifft die vergleichbaren Nanoskope dadurch, dass es alle relevanten Features anbietet; darüber hinaus haben wir auch noch für die komplexe Bildverarbeitung mit unserer schnellen Software eine Lösung gefunden, die eine on-line Nanobildgebung ermöglichen.

Unsere Marktchancen sehen wir äußerst positiv. Da unser Vertico-SMI auf die speziellen zu lösenden Aufgaben anpassbar, also skalierbar, ist, wird auch sein Preis variieren. Er kann so deutlich geringer sein als die rund eine Million Euro, die superauflösende Nanoskope derzeit kosten.
 
7. Sie haben gleich mehrmals in ihrer Forscherkarriere die Grenzen dessen, was in der optischen Mikrokopie möglich war, durchbrochen. Was waren die Meilensteine und wo liegt ihr nächstes Ziel?
 
Professor Dr. Dr. Christoph Cremer: Auf die bereits erwähnte Patentanmeldung zur Konzeption der 4Pi Laserscanning-Mikroskopie von 1971 folgte die erste Laser-UV-Mikrobestrahlungstechnik, um gezielt DNA-Schäden in überlebenden Zellen auszulösen und damit Untersuchungen zur funktionellen Genomstruktur zu ermöglichen. Die nächste Stufe war 1978 das Konzept des Konfokalen Laser Scanning Mikroskops (CLSM) zur Untersuchung fluoreszierender Objekte, das heute in nahezu jedem molekularbiologischen Institut zu finden ist. Ein Verfahren, das wir, mein Bruder Thomas und ich, leider nicht patentiert haben und das dann von verschiedenen Forschergruppen und Firmen realisiert worden ist. Anfang der 1990er Jahre habe ich mit den Basistechnologien für meine derzeitige Superresolution Mikroskopie begonnen. Gerade haben wir ein Manuskript eingereicht, in welchem wir einen weiteren Durchbruch vorstellen.
 
Seit dem Gewinn des Bwcon-Business-Awards beim Heidelberger Innovationsforum treibe ich die Vermarktung voran. Dabei erhalte ich professionelle Unterstützung vom Technologie-Lizenz-Büro der Baden-Württembergischen Hochschulen, die auch meine Patentfamilien im Auftrag der Universität Heidelberg betreuen.
 
Wir danken für das Interview.


Mehr Informationen
Prof. Dr. Dr. Christoph Cremer
Christoph.Cremer@kip.uni-heidelberg.de 
http://www.kip.uni-heidelberg.de/AG_Cremer/index.html
 
Bei Verwertungsfragen:
Dr. Andrea Nestl
Tel. 0721/79004-0
anestl@tlb.de
http://www.tlb.de
 


PRODUKTINNOVATION
weitere Beiträge ( 237 )  weitere Beiträge ( 237 ) 
Hamamatsu Photonics Deutschland
Verbessertes System für In-Vivo Imaging Anwendungen go
Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT
Laserstrahl-Glaslöten für schonendes und langzeitstabiles Packaging elektronischer Bauteile go
IMM Photonics
Laserdiodenkollimator mit 1654 nm go
TECHNOLOGIEN
weitere Beiträge ( 112 )  weitere Beiträge ( 112 ) 
Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT
Lasertechnik at it's best - Zum Jubiläum nach Aachen go
Evonik
Größte Lithium-Keramik-Batterie der Welt für Solar und Wind go
MIT
Erster Laser auf Germanium-Basis go
NEUES VON MESSEN UND CONGRESS
weitere Beiträge ( 15 )  weitere Beiträge ( 15 ) 
Messe München International (MMI)
Deutsche Aussteller zeigen ihr Know-how auf der LASER World of PHOTONICS CHINA 2010 go
LASER World of PHOTONICS 2009
Besucherbefragung – Lieblingsstände und wichtigste Fachthemen go
Memorandum „Photonik 2020“
Zukunftsbranche Photonik - Deutschland muss die Chancen für Wirtschaft und Gesellschaft ergreifen go
KÖPFE
weitere Beiträge ( 20 )  weitere Beiträge ( 20 ) 
Interview: Isabel von Diemar, Business Unit Manager Laser Technology Qioptic
Der Aufschwung kommt aus Asien go
OSA
Prof. Andreas Tünnermann zum Fellow der “Optical Society of America (OSA)” berufen  go
"European Research Council"
Professor Ferencz Krausz erhält EU-Millionenförderung go
MÄRKTE-TRENDS
weitere Beiträge ( 58 )  weitere Beiträge ( 58 ) 
VDMA
Hersteller von Photovoltaik-Produktionsmitteln gründen eigene Verbandsplattform go
Eberhard Karls Universität Tübingen
Nahfeldmikroskop liefert höchstaufgelöste optische Bilder eines organischen Halbleiters go
ElectroniCast Consultants
Der Markt für LEDS mit hoher Leuchtdichte wäscht bis 2015 auf 15,03 Milliarden Dollar an (engl.) go
empty
SCHUNK Laser Technology
Laserschweißen unterschiedlichster Teile go
VERANSTALTUNG
weitere Beiträge ( 6 )  weitere Beiträge ( 6 ) 
Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT
Lasertechnik at it's best - Zum Jubiläum nach Aachen go
productronica 2009
Viel Licht auf der productronica 2009 go
PHOTONICA 2010
Internationale Fachmesse für Laser, Optik und Anwendungen in Moskau bedient hochinteressanten Markt go
PHOTONICS INTERVIEW
weitere Beiträge ( 1 )  weitere Beiträge ( 1 ) 
Prof. Dr. Jürgen Popp
Licht für die Gesundheit go
Prof. Andreas Tünnermann
Die Zukunft unserer Beleuchtung go
Dr.-Ing. Gerhard Holst, Leiter der Forschungsabteilung der PCO AG
Ein erfolgreiches Jahr für die Bildverarbeitung go
GESETZ
Richtlinie RoHS
SPECTARIS sieht weitere Hürde für eine Ausnahmeregel zur Verwendung von Blei im Glas genommen go


wopp2011_190x60_de

 News - 12.03.2010
 zurück    top