
Mit einem Kolloquium zum Thema "35 Years of Research on Defects in
Semiconductors" feierte das Fraunhofer ISE den 60. Geburtstag seines
Institutsleiters Prof. Eicke R. Weber. Zwei Tage nach dem eigentlichen
Wiegenfest - Eicke Weber wurde am 28. Oktober 1949 geboren - fanden
sich über 100 Gratulanten ein, um den Halbleiterforscher zu ehren.
Zum Symposium eingeladen hatte Prof. Roland Schindler, Executive
Director des vom Fraunhofer ISE initiierten und maßgeblich
unterstützten Fraunhofer Center for Sustainable Energy Systems in
Boston, welches eine Allianz mit dem MIT bildet. Selbst ein
langjähriger Weggefährte, war es ihm gelungen
wissenschaftliche Begleiter Eicke Webers aus 35 Jahren seiner
bisherigen Karriere für ein Geburtstagskolloquium zu gewinnen.
Rückblickend auf Eicke Webers Studienzeit und dessen
Forschungsarbeiten in Deutschland sprachen Prof. Hans Queisser,
ehemaliger Leiter des Max-Planck-Instituts für
Festkörperphysik in Stuttgart sowie Prof. Wolfgang Schröter,
Emeritus der Georg-August-Universität in Göttingen. Über
den Fortschritt in der Defektforschung an Halbleitern sowie über
Eicke Webers Einfluss auf ihre eigene wissenschaftliche Karriere
sprachen zahlreiche ehemalige Doktoranden, Mitarbeiter und Kollegen des
Berkeley Laboratory: Dr. Dieter Gilles, Wacker Siltronic AG; Prof.
Tonio Buonassisi, Massachusetts Institute of Technology MIT, Dr. Chris
Kocot, Finisar Corporation, Sunnyvale; Prof. Connie Chang-Hasnain,
University of California, Berkeley; Prof. Maria Kaminska,
Universität Warschau, Polen; Prof. Peter Yu, Lawrence Berkeley
National Laboratory; Dr. Petra Specht, ebenfalls Lawrence Berkeley
National Laboratory. Den Kolloquiumsrednern schloss sich Prof. Hiroshi
Fujioka von der Universität Tokyo, ein ehemaliger Student Eicke
Webers, mit Glückwünschen an.
Zu den Geburtstagsgästen zählten auch der Freiburger
Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon und der
Geschäftsführer der Freiburger
Wirtschaftsförderungs-gesellschaft FWTM Dr. Bernd Dallmann, die
vor allem Prof. Webers Engagement für die Etablierung der
Intersolar North America in San Francisco sowie für die neue
Freiburger Kongressreihe Solar Summits hervorhoben.
Eicke Weber war vor drei Jahren nach über 20jähriger
Lehrtätigkeit an der University of California, Berkeley, nach
Deutschland zurückgekehrt, um die Leitung des Fraunhofer ISE von
seinem Vorgänger Joachim Luther zu übernehmen. Gleichzeitig
mit der Leitung des Fraunhofer-Instituts übernahm er den Lehrstuhl
für Angewandte Physik, Solarenergie an der
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seine wissenschaftliche
Laufbahn hatte Weber mit dem Studium der Physik in Köln begonnen,
wo er sich in seiner Diplomarbeit mit Versetzungen in Silicium
beschäftigte. 1976 promovierte er über "Punktdefekte im
plastisch verformten Silicium". Nach Forschungsaufenthalten an der
State University of New York, Albany, USA und der Universität
Lund, Schweden habilitierte er sich 1983 in Köln mit einer
grundlegenden Arbeit zu Übergangsmetallen in Silicium, die bis
heute in der Literatur häufig zitiert wird. Im selben Jahr nahm er
einen Ruf an das Department of Materials Science and Engineering der
University of California, Berkeley, an, wo er im März 2004 zum
Chair der interdisziplinären Nanoscale Science and Engineering
Graduate Group ernannt wurde.
Weber hat sich weltweit einen Namen gemacht als Materialforscher
für Defekte in Silicium und III-V-Halbleitern wie Galliumarsenid
und Galliumnitrid. Er publizierte mit seiner Arbeitsgruppe mehr als 600
Veröffentlichungen und ist Mitherausgeber der Buchserie
"Semiconductors and Semimetals" von Academic Press. In jüngeren
Jahren beschäftigte er sich zudem mit der Frage, wie sich aus
Silicium mit hohem Metallgehalt ('dirty silicon') gute Solarzellen
herstellen lassen - ein Thema, das auch am Fraunhofer ISE verfolgt
wird. 1997 war Weber Gründungsmitglied des Konsortiums "Silicon
Wafer Engineering and Defect Science", an dem heute weltweit zwölf
Firmen und neun Universitätsgruppen beteiligt sind.
Eicke Webers wissenschaftliche Leistung wurde mit zahlreichen Ehrungen
gewürdigt. So erhielt er 1984 einen IBM Faculty Development Award,
1994 den Alexander von Humboldt-Preis und ist seit 2002 Fellow der
American Physical Society. 1990 wurde er als Visiting Professor an die
Tohoku Universität in Sendai, Japan, eingeladen, 2000 an die Kyoto
Universität und im Dezember 2003 erhielt er die Einladung, den Zhu
KheZhen Vortrag an der Zeijang Universität in Hangzhou, China, zu
halten. Professor Weber war Gründungspräsident des Berkeley
Chapters der Alexander von Humboldt Association of America (Av-HAA) und
2001-2003 Präsident der AvHAA. Im Juni 2006 erhielt er das
Bundesverdienstkreuz am Bande.
Für den Brückenschlag Deutschland - USA setzt sich Eicke
Weber seit Jahren engagiert ein. 2003 war er Mitbegründer der
German Scholars Organisation, deren Präsident er ist. Die GSO ist
eine Vereinigung von im Ausland lebenden deutschen Wissenschaftlern,
die zum Ziel hat, den Kontakt zur alten Heimat zu fördern, um die
Chancen für eine Rückkehr offen zu halten. Im Juli 2008 wurde
Weber als Direktor in das SEMI International Board of Directors
berufen. Die Electrochemical Society ECS, San Francisco zeichnete ihn
im Juni 2009 mit dem Electronics and Photonics Division Award aus.
Die jüngste Ehrung wurde Eicke Weber zwei Wochen vor seinem
Geburtstag zuteil: Das IOFFE Physical-Technical Institute of the
Russian Academy of Sciences in St. Petersburg ernannte ihn zum
Ehrenmitglied.