Für die einen war er der „Heilige Franz Josef“, für die
anderen ein gefährlicher Brachialpolitiker. In einem sind sich aber alle einig:
Franz Josef Strauß war ein brillanter Redner! Jedoch nicht ohne gravierende
Fehler.
- Sich provozieren lassen
Wenn Strauß sich
persönlich angegriffen fühlte, verlor er die Kontrolle über sich. Dann spie er
Gift und Galle. Strauß bei einer Wahlkampfrede in den sechziger Jahren:
"Ach haltens doch den Mund, Sie Trottel. Ich sehe Sie schon seit längerer
Zeit. Wenn Sie schon kein Hirn haben, dann halten Sie wenigstens das Maul.
Dieses dämliche Gequatsche eines politisierenden Beatles, Sie Filzkopf!" Den
Journalisten Bert Engelmann beschimpfte er als „Ratte“ und „Schmeißfliege“. - Polemisieren und beleidigen
Nichts gegen einen
scharfen Meinungsstreit, sofern bestimmte Regeln eingehalten werden. Eine
dieser Regeln heißt: “Hart in der Sache, fair zum Gegner.“ Davon hielt Strauß
wenig. Er war wohl der Meinung: Wenn ich andere klein mache, bin ich selber
groß. Das stimmt überhaupt nicht. Das Gegenteil ist der Fall: Wer andere groß
macht, wächst mit. - Polarisieren statt integrieren
Gute Redner helfen der
anderen Seite, ihr Gesicht zu wahren. Sie zeigen Verständnis, betonen
Gemeinsamkeiten, hören zu. „Mit einer geballten Faust kann man keinen
Händedruck wechseln.“ Das wusste Indira Gandhi schon. Strauß jedoch betonte die
Gegensätze, machte das Trennende noch deutlicher. Dadurch spaltete er die
Zuhörer. Die einen jubelten ihm zu, die anderen hassten ihn. Sein erklärtes
Lebensziel, Bundeskanzler zu werden, hat er dadurch nicht erreicht.
Autor Gerhard
Reichel
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