Leuchtdioden liefern sehr energieeffizientes Licht. Könnte man sie
zur Beleuchtung einsetzen, würde das eine Menge Energie sparen.
Bisher gelingt es zwar, rote und blaue LEDs herzustellen, doch fehlen
derzeit noch grüne LEDs, um das Spektrum des Tageslichts
nachzuempfinden und damit weißes Licht zu erzeugen. Zinkoxid
könnte diese Lücke schließen.
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Frisch
aus der Schmelze erstarrte Zinkoxid-Kristalle schimmern rot, weil sie
noch atomare Defekte enthalten. Ein nachfolgendes Tempern - Erhitzen
auf ca. 1000°C - bringt die Defekte zum Verschwinden und liefert
ein blassgelbes Material, das zu Halbleiter-Wafern verarbeitet wird. Foto: IKZ |
Die Zeiten, in denen Fahrradfahrer nachts mit ihrem schwachen
dynamobetriebenen Licht leicht zu übersehen waren, sind vorbei.
Heutzutage blinkt und leuchtet es einem schon von weitem entgegen. Das
weiße Vorderlicht ist dabei besonders grell, es erscheint eher
blau als weiß. Das Wohnzimmer möchte sich mit diesem Licht
wohl niemand beleuchten.
Das Licht der Sonne setzt sich aus rotem, grünem und blauem Licht
zusammen - mit sämtlichen Zwischentönen. Grün ist in dem
Spektrum am meisten vertreten. Bisher wird zur Herstellung von
Leuchtdioden Galliumarsenid (GaAs) für rotes Licht und
Galliumnitrid (GaN) für blaues Licht verwendet. Diese beiden
Halbleitermaterialien bilden auch die Grundlage für Fahrradlampen.
Da das grüne Lichtspektrum fehlt, empfinden wir das Licht als kalt
und unnatürlich. Dr. Detlef Klimm und seine Mitarbeiter vom IKZ
entwickeln derzeit ein Material, das für Leuchtdioden mit allen
sichtbaren Wellenlängen geeignet ist. Die Physiker nennen solche
Materialien breitbandige Halbleiter.
Ein solch breitbandiger Halbleiter ist das Zinkoxid (ZnO). Es hat eine
relativ einfache Kristallstruktur und eignet sich daher gut für
den Bau von Leuchtdioden. Die Schwierigkeit besteht darin, einen reinen
Zinkoxid-Kristall herzustellen. Zinkoxid liegt gewöhnlich als
weißes Pulver vor, es ist zum Beispiel in Salben zur Wundheilung
enthalten. Normalerweise gehen die Wissenschaftler zur Herstellung
eines Kristalls so vor: In einem Tiegel schmelzen sie das Material.
Damit sich während des Abkühlens beim Übergang von der
flüssigen zur festen Phase die gewünschte Kristallstruktur
bildet, befindet sich am Boden des Topfes schon ein kleiner fertiger
Kristall, der "Keim", an dessen Gitterstruktur die Moleküle beim
Abkühlen andocken. So setzt sich die Struktur immer weiter fort.
Beim Zinkoxid funktioniert das nicht so einfach, da es beim Erhitzen
direkt verdampft, ohne vorher flüssig zu werden. Doch Detlef Klimm
weiß dafür eine Lösung: "Ein leichter Überdruck
reicht, damit es beim Erhitzen von Zinkoxid einen flüssigen
Zustand gibt." Der Schmelzpunkt liegt bei fast 2000 Grad Celsius.
Daraus ergibt sich ein weiteres, etwas kniffligeres Problem: Der
Schmelztiegel darf auch bei großer Hitze nicht selber schmelzen,
und er darf nicht mit dem Material reagieren, denn sonst ist der
Kristall nicht rein. Ein gutes Tiegelmaterial ist Iridium. Es ist
hitzebeständig und chemisch stabil. Allerdings reagiert Iridium
leicht mit Sauerstoff. Sauerstoff liegt zwar eigentlich gar nicht vor,
doch zerfällt das Zinkoxid beim Erhitzen leicht in Zink und
Sauerstoff, und reagiert wieder zu Zinkoxid.
Ein solches Hin- und Herschaukeln nennen die Chemiker
Gleichgewichtsreaktion. "Bei hohen Temperaturen macht das nichts aus",
erläutert Klimm. "Das Iridium oxidiert nur bei niedrigen
Temperaturen. Doch da müssen wir eben durch." Klimms Idee zur
Lösung des Problems ist so genial wie einfach: Wenn die Umgebung
bei hohen Temperaturen mit Sauerstoff übersättigt wäre,
würde das Zinkoxid nicht mehr so leicht zerfallen. Bei tieferen
Temperaturen darf hingegen kein Sauerstoff vorhanden sein, denn sonst
würde er den Iridium-Tiegel verbrennen. Also hat Klimm als
Atmosphäre Kohlendioxid in den Tiegel gegeben, das dieselbe
Gleichgewichtsreaktion wie das Zinkoxid aufweist. Im Laufe der
Erhitzung zerfällt das Kohlendioxid in CO und Sauerstoff, in der
Atmosphäre ist dann viel Sauerstoff enthalten, und der Zerfall des
Zinkoxids wird gehemmt. Beim Abkühlen wird
überschüssiger Sauerstoff wieder durch das CO gebunden und
somit das Verbrennen des Iridiums verhindert. So kann ein reiner
Kristall entstehen, den kein Iridium "verschmutzt".
Klimm hat in Versuchen gezeigt, dass das Prinzip funktioniert und hat
ein Patent darauf. Nun geht es darum, noch weiter zu tüfteln und
das Verfahren zu optimieren. Derzeit wird eine neue Anlage in Betrieb
genommen, in der es nur minimale Temperaturschwankungen gibt, so dass
keine Risse im Kristall entstehen.
Das Verfahren ist aber schon so weit entwickelt, dass Klimm und seine
Mitarbeiter mit der Berliner Firma CrysTec einen Industriepartner
gefunden haben, der aus den im IKZ hergestellten Zinkoxid-Kristallen
Wafer herstellt und kommerziell vertreibt. Nun wird noch ein Partner
für den übernächsten Schritt gesucht, nämlich die
Herstellung von Leuchtdioden aus Zinkoxid.
| Mehr Informationen |
Dr. habil. Detlef Klimm Leibniz-Institut für Kristallzüchtung (IKZ) Max-Born-Straße 2 12489 Berlin Telefon: (030) 6392-3024 E-Mail: klimm@ikz-berlin.de
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