Sie suchen nach einem neuen Lieferanten für Dichtringe und
haben per Online-Recherche eine Trefferliste mit 50 Unternehmen erstellt. Über
die Serienfunktion Ihres E-Mail-Programms senden Sie nun eine erste Anfrage
plus Fragebogen zur Selbstauskunft, um herauszubekommen, wer als neuer
Lieferant in Frage kommen könnte. Schon in dieser Erst-Anfrage müssen Sie ganz
kurz auf Ihre Firma eingehen und zusätzlich auf Ihre Firmen- und Einkaufs-Homepage
hinweisen.
Beispiel:
Sehr geehrte Damen und Herren, wir sind seit 23 Jahren Hersteller von Getrieben
und suchen weitere leistungsstarke Lieferpartner für Elastomer- und
PTFE-Radialdichtringe. Weitere Informationen über unser Unternehmen und unseren
Qualitätsanspruch finden Sie unter www.firma.com
Lieferantenmanagement Tipp 1: Stellen Sie Fragen aus Sicht
des Lieferanten
Ein Lieferant mit hohem Qualitätsstandard ist nicht an einem
kurzfristigen, schnellen Geschäft interessiert. Aus diesem Grund wird er ebenso
an Informationen über Ihren Betrieb interessiert sein wie umgekehrt. Versetzen
Sie sich in die Lage des Anbieters, der von einer wildfremden Firma eine
Anfrage erhält. Dabei schießen Ihnen zahlreiche Fragen durch den Kopf:
- Woher kommt diese Firma?
- Was genau macht der Betrieb?
- Wem oder wozu gehört das Unternehmen?
- Werden die Rechnungen schnell und pünktlich bezahlt?
- Gewinne ich durch die Zusammenarbeit weitere Kunden?
- Was und wie viel kann der neue Kunde bei uns kaufen?
- Was ist der genaue Grund für die Anfrage?
- Ist der neue Kunde eine gute Referenz für unser Unternehmen?
Je schneller ein Lieferant hierauf klare Antworten erhält,
desto eher kann er sich ein genaueres Bild machen. Die Reaktion und das
Verhalten eines neuen Lieferanten werden also maßgeblich davon beeinflusst, wie
schnell er diese ungestellten Fragen von Ihnen beantwortet bekommt.
Praxis-Tipp:
Zeichnen Sie kein falsches Bild von Ihrer Firma, Ihren Bedarfsmengen und der
wirtschaftlichen Kraft.
Lieferantenmanagement Tipp 2: Erstellen Sie ein Kurzprofil
Ihres Betriebs
Der kurze „Wir über uns“-Leitfaden muss daher folgende
Angaben enthalten:
- Firmenrahmendaten
- Branchenzugehörigkeit
- Produktspektrum
- Firmenphilosophie
- Angaben zum Qualitätsanspruch
Lieferantenmanagement Tipp 3: Stellen Sie den persönlichen
Kontakt her
Denken Sie insbesondere vor der Kontaktaufnahme mit neuen
Lieferanten daran: Geschäfte werden immer zwischen Menschen gemacht! Ein
Telefonat und/oder ein persönliches Gespräch bewirken immer mehr als das
unpersönlichere Fax oder die E-Mail. Wenn es sich einrichten lässt, besuchen
Sie den zukünftigen Lieferanten persönlich. So können Sie sich ein viel
besseres Bild vom tatsächlichen Standard machen.
Viele Unternehmen spielen
gegenüber einem neuen Lieferanten ihre scheinbare Machtposition aus. Diese
Rolle ist bei einem guten Lieferanten absolut nicht angemessen, denn es handelt
sich um ein partnerschaftliches Verhältnis. Verzichten Sie also darauf, den
Anbieter „antanzen“ zu lassen, denn damit geben Sie einige Trümpfe aus der
Hand.
Lieferantenmanagement Tipp 4: Stellen Sie sich einen
Fragenkatalog zusammen
Diesen Fragenkatalog können Sie beim Besuch des
potenziellen Zulieferers systematisch abarbeiten.
- Wie ist der äußere Eindruck des Betriebs? Gibt es
Zertifizierungen (z. B. ISO 9000)?
- Sind die Produktionsstätten sauber und aufgeräumt?
- Wie lange gibt es das Unternehmen? Existieren
Referenzkunden?
- Besteht die Bereitschaft, zusätzliche Qualitätsmaßnahmen in
den Betrieb zu integrieren?
- Verfügt das Unternehmen über ein Qualitätsmanagementsystem
(QMS)?
- Wie hoch ist die Fertigungskapazität des neuen Lieferanten?
Wie hoch ist die Auslastung?
- Wie will der Anbieter die zusätzlichen Kapazitäten, die Sie
benötigen, produzieren?
- Welche Maßnahmen hat das Unternehmen gegen mögliche Engpässe
bei seinen eigenen Lieferanten getroffen?
- Gibt es einen Großabnehmer, von dem das Unternehmen
wirtschaftlich abhängig ist?
Quelle
DIV Deutscher Ingenieur Verlag
http://www.ingenieur-verlag.de