Die Organisation Unternehmen unterliegt
– wie jeder andere natürliche Organismus – den
Gesetzen von Wachstum und Niedergang:
geboren werden, wachsen, reifen, altern und schließlich sterben.
Nur gibt es
hier einen besonderen Unterschied: In einer Organisation kann die
Blütezeit,
also die optimale Zusammensetzung der Organisation, auch auf Dauer
bewahrt werden,
weil die Organe, also u. a. die Mitarbeiter, dies durch ihren Denk- und
Verhaltensstil
prägen. Sie sind es, natürlich neben der ausschlaggebenden
Kraft des
Unternehmers selbst, die eine gesunde oder kranke Organisation
kennzeichnen und
somit zum Aufstieg oder zum Niedergang des Unternehmens direkt
beitragen. Welche Phasen kennen wir im natürlichen Wachstum einer
Organisation? Und welche Veränderungen im Unternehmen
sind gut oder sogar gefährlich und führen möglicherweise
zu einer schlechten
Auftragslage oder im schlimmsten Fall zum Tod des Unternehmens? Jede
der
folgenden 9 natürlichen Wachstumsphasen birgt Chancen und Risiken:
1.
Das Unternehmen wird geboren Am Anfang stehen die Idee und der Glaube
an den Erfolg. In dieser Phase ist eine Organisation, bzw. der Gründer selbst,
getrieben von der Vision und von dem, was zu erreichen möglich wäre… Die
Marktpräsenz ist fast null, die Erträge sind eher gering und alles ist im Aufbruch.
Hier stellt sich das Unternehmen wichtige Fragen wie z. B.: „Was genau wollen wir?“,
„Was ist unser Kerngeschäft?“, „Wer übernimmt welche Aufgaben?“
2.
Das Unternehmen als Kind Noch immer ist die Kraft der großen
Vision des Gründers zu spüren. An dieser Stelle wachsen die Ergebnisse also
Erträge im Unternehmen – und doch sind die liquiden Mittel eines Unternehmens
an dieser Stelle noch knapp, was jedoch völlig normal ist. Langsam wird hier bereits
der Wunsch nach einer Organisation laut. Der Gründer ist in diesem Wachstumszyklus
noch immer stark engagiert und im Geschehen voll integriert. Übrigens: So manch
ein Gründer fällt hier in die Gründerfalle: Er gibt nämlich Geld aus, das ihm eigentlich
nicht gehört. Die VBG-Beiträge und/oder Steuernach- und -vorauszahlungen können
dann zu einem vorzeitigen Ende führen.
3.
Das Unternehmen als Teenager Die Erträge wachsen kontinuierlich und
man schlüpft vielleicht auch schon mal in ein neues Kleid: Neue Ausstattungen werden
angeschafft oder sogar neue Räume bezogen. Wie ein Teenager verhält sich die
Organisation dann auch nach außen: Besonders der Gründer tanzt auf vielen
Hochzeiten und geht frech und frisch an alle Herausforderungen heran. Dies kann
oftmals zu Übermut und somit schnell in den Niedergang führen. Hier ist es
wichtig, alle Bereiche und Mitarbeiter (Organe) eines Unternehmens nicht nur
impulsiv, sondern vor allem strategisch weiterzuentwickeln.
4.
Die Jugendzeit des Unternehmens Jetzt bilden sich eigenständige
Abteilungen (Organe), die sich – unabhängig vom Gründer – erfolgreich in
der Organisation darstellen. Dies hat zur Folge, dass Verantwortungsbereiche noch
genauer definiert, die Selbstverantwortung der Mitarbeiter gefördert und die
Qualität der Arbeit erhöht wird. An dieser Stelle sind meist die Erträge des Unternehmens
gut bis sehr gut und die Marktpräsenz ist deutlich gewachsen. Die Organisation
wird begehrt, also kommen gute Mitarbeiter von selbst zum Unternehmen und
bewerben sich.
5.
Das Unternehmen auf dem Höhepunkt Hier im Zenit des Lebenszyklus einer Organisation
sind genug Marktanteile vorhanden. Gute Erträge resultieren aus einer gelebten
Firmenkultur, einer lebendigen Vision, funktionierenden Systemen, tatsächlicher
Kundenorientierung und einer Balance aus Kontrolle und Flexibilität. Und so brillant
wie diese Zeit ist, ist sie auch eine
der Gefährlichsten. Es kann leicht passieren, dass sich alle gemeinsam so im
Erfolg sonnen, dass das Engagement verloren geht. Hier braucht es dringend
neuen Schwung, also die vorhergehenden Elemente, die das Unternehmen letztendlich
genau an diesen Punkt geführt haben. Wird dies vergessen, ist der Niedergang
des Unternehmens eingeleitet.
6.
Das Unternehmen als starres System Die Erträge sind gut aber die Vision
lebt nicht mehr, dies bedeutet Flexibilität und Unternehmertum schwinden in der
Organisation. Was bleibt also von den bis dahin gewonnenen Tugenden? Alte,
meist nicht mehr zeitgemäße Ansichten und starre Systeme, die nur noch verwalten.
Es werden Schuldige gesucht und meist auch gefunden. Diese werden dann mit
großem Aufsehen „vom Hof gejagt“. Selbst wenn die Organisation hier noch
Gewinne vermehrt, ist die Rückkehr in die Blütezeit bedroht, wenn die Kreativität
und der Mut fehlen. Gerade an dieser Stelle stellen sich Unternehmer noch
weniger in Frage und sind oft borniert von den Erfolgen vergangener Zeiten.
Dies führt unweigerlich in den Niedergang.
7.
Die Trägheit im Unternehmen erhöht sich Die Organisation hat Ihre Kreativität
völlig verloren und wagt nichts mehr. Alle Augen sind auf Gewinnmaximierung
gerichtet, aber nicht bei den Wünschen und dem Wohl des Kunden. Somit wirken
sich auch Preiserhöhungen, die durchgeführt wurden, um den Ertrag zu erhöhen,
negativ aus. Spätestens hier springen die ersten guten Leute ab und die, die
bleiben, arbeiten mit verringertem Engagement. Solidarisch mit der Geschäftsleitung
bekundet man laut den Mangel an Loyalität der Gegangenen. Die Sterbephase ist eingeleitet.
Wenn hier nicht sofort neue radikale Ideen und Wagemut ins Unternehmen kommen,
ist der Untergang nicht mehr aufzuhalten.
8.
Das Unternehmen als Verwaltung Die Organisation verwaltet sich nur noch
selbst. Der persönliche und menschliche Aspekt ist an dieser Stelle ausgestorben.
Die Mitarbeiter haben keine gegenseitige Wertschätzung mehr. Alles ist
engstirnig im Denken und Handeln, weil wichtige Informationen über die
Unternehmenspolitik fehlen. Das Unternehmen ist von außen nur noch schwer und
durch einen dünnen Kanal erreichbar. Kundenbeschwerden werden nicht ernst genommen,
weil der Kunde sich nicht „ordnungsgemäß“ beschwert hat. Ein nervender
Schriftwechsel folgt. Jeder im Unternehmen ist mehr oder minder isoliert. Was
passiert mit einem Organismus, in dem die Organe nicht mehr miteinander
arbeiten?
9.
Die Sterbephase des Unternehmens Nachdem sich nun jeder selbst verwaltet hat,
bis die Ressourcen des Unternehmens erschöpft sind, und auch das Management schon
krankt, ist es nun an der Zeit, das letzte Bisschen, das noch bleibt,
zusammenzukehren und dann die Türen zu schließen. Im Todeskampf selbst stehen
für die noch Gebliebenen verschiedene Erkenntnisse, wie z. B.: „Der Staat ist
schuld, die Konjunktur war’s, der böse Wettbewerb.“ Und doch, tief im Inneren,
wissen die meisten: es ist Selbstverantwortung!
Autor
Christoph Döhlemann
Döhlemann
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