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PHOTONICS INTERVIEW
Dr.-Ing. Gerhard Holst, Leiter der Forschungsabteilung der PCO AG
Ein erfolgreiches Jahr für die Bildverarbeitung

Gerhard_Holst 100
Dr.-Ing. Gerhard Holst ist Leiter der Forschungsabteilung der PCO AG, einem Hersteller von digitalen Kameras und digitalen Kamerasystemen mit hohen Dynamikwerten und hohen Auflösungen, die im wissenschaftlichen und industriellen Markt auf der ganzen Erde eingesetzt werden.

1. Für 2008 erwartet die Bildverarbeitungsindustrie ein kräftigeres Wachstum als 2007. Insbesondere die Hersteller von Bildverarbeitungskameras hatten aber 2007 schon ein äußerst erfolgreiches Jahr. Mit einem deutlichen Wachstum für 2008 kann also gerechnet werden?

Gerhard Holst: So wie es derzeit aussieht, können wir tatsächlich trotz der weltwirtschaftlichen Entwicklung im letzten Quartal des Jahres auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken, was bei uns sicherlich auch durch die gesunde Mischung von Endkunden, OEM Partnern und industriellen Kunden zurückzuführen ist.

2. Wie viel Prozent der möglichen Anwendungsfelder sind denn für die Bildverarbeitung schon erschlossen. Auch was die Zukunftsthemen Photovoltaikproduktion, Umweltschutz und Ressourcenschonung angeht.

Gerhard Holst: Das ist schwer zu schätzen, weil wir ja auch nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Gesamt-Kamerabedarf sehen. Gerade was die Photovoltaikproduktion anbelangt scheinen sich dort neue Märkte aufgrund neuerer Methoden bei der Qualitätskontrolle zu entwickeln. Hier ist die Abdeckung sicherlich kleiner 2 % bisher. Aus den beiden anderen Bereichen haben wir zu wenig Anwendungen für unsere Produkte, als dass ich da eine sinnvolle Schätzung abgeben könnte.

3. Über 85% des Branchenumsatzes wurden 2007 mit industrieller Bildverarbeitung erwirtschaftet. Die wichtigste Kundenbranche dabei war wieder die Automobilindustrie einschließlich Zulieferer mit einem Anteil von fast 30 %. Wie ist die Gewichtung bei PCO zwischen wissenschaftlichen und industriellen Systemen?

Gerhard Holst: Für PCO liegt traditionell ein Schwerpunkt bei wissenschaftlichen Systemen, was bedeutet sehr hochwertige Systeme mit hohem Preis und moderaten Stückzahlen. Allerdings haben die industriellen Kunden zugenommen, die Kameras für anspruchsvolle Anwendungen suchen, d.h. moderater Preis und hohe Stückzahlen. Für PCO würde ich sagen 65% wissenschaftliche System und 35% industrielle Systeme im Bezug auf Umsatz, wenn es um Stückzahlen geht, dann ist das Verhältnis eher 10% zu 90%.

4. Seit einiger Zeit findet ein Generationswechsel von CCD- zu CMOS-Sensoren statt. Alle Anforderungen der professionellen Bilderfassung lassen sich mit klassischer CCD-Bildwandlertechnik nicht mehr erfüllen. Wird CCD ganz verschwinden? Oder gibt es Bereiche, in denen CCD-Sensoren Vorteile haben werden.

Gerhard Holst: Das erinnert sehr an die wenig sinnvolle Frage welcher der Bildsensoren besser ist. Es hängt nur von der Anwendung und dem Einsatzgebiet ab, bis jetzt ist es noch so, dass sehr rauscharme Kameraanwendungen mit wenig Licht den CCD-Bildsensoren vorbehalten sind und Anwendungen mit sehr hoher Bildrate, sogenannte Hochgeschwindigkeits-Kameras eben nur mit CMOS Bildsensoren zur realisieren sind. Neuere Entwicklungen auf dem CMOS Sektor deuten daraufhin, dass die CMOS Sensoren aber in punkto Rauschen um Größenordnungen sich verbessern und in angestammte CCD Bereiche vorstoßen. Nur werden beide Sensor-Arten je mehr sie die ursprüngliche Auslesestruktur der jeweils anderen anpassen, ihre Vorzüge verlieren. Möchte man z.B. die Bildrate von CCDs erhöhen und spendiert mehr Ausgangsverstärker, wird das Bild inhomogener und man bekommt mehr Strukturrauschen. Möchte man Bauteile auf dem CMOS Bildsensor sparen und das Strukturrauschen verringern, fasst deshalb die Pixel zu Spalten und Zeilen zusammen, dann wird das Auslesen CCD ähnlicher und auch langsamer. Es wird wahrscheinlich immer Anwendungen geben, die einen besonders niedrigen Dunkelstrom erfordern (z.B. Astronomie oder Fluoreszenz-Messungen), die werden den CCD Bildsensoren vorbehalten bleiben, ansonsten werden meiner Meinung nach die CMOS-Bildsensoren selbst in unserem Bereich zunehmen.

5. Gibt es grundsätzliche Unterschiede bei Bildverarbeitungssystemen für den wissenschaftlichen und für den industriellen Markt?

Gerhard Holst: Bedingt durch die Anforderungen denke ich, dass es Unterschiede gibt. Bei den wissenschaftlichen Anwendungen sind meistens höhere Anforderungen an Dynamik, Rauschverhalten, Auflösung, Bildrate. Hier werden häufig die Systeme bis zum Rande ihrer Möglichkeiten ausgenutzt. Die Anforderungen im industriellen Sektor steigen da langsamer aber durchaus stetig.

6. Produkte im Hightech-Bereich erfordern in der Regel einen sehr hohen Aufwand bezüglich Forschung und Entwicklung. Wie hoch sind die FuE-Investitionen bei PCO? Und wie stark arbeitet man mit wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen?

Gerhard Holst: Bei PCO hat die Forschung und Entwicklung einen sehr hohen Stellenwert, was man daran ersehen mag, dass 25% der Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung tätig sind. Zusammen mit wissenschaftlichen Einrichtungen und anderen Firmen arbeiten wir regelmäßig in Forschungsprojekten, die vor allem auch unser Know-How und den technologischen Vorsprung verbessern sollen.

7. Wie wichtig ist für Sie als Leiter der Forschungsabteilung von PCO eine Messe wie die LASER World of PHOTONICS?

Gerhard Holst: Auch hier muss ich sagen: traditionell ist die Laser Messe die wichtigste Messe für unser Unternehmen. Dies hat viel damit zu tun, dass eine Vielzahl unserer Kunden aus der Wissenschaft zu unserem Stand kommen, begünstigt durch die zeitgleich stattfindenden wissenschaftlichen Konferenzen, deren Pausen zu einem Besuch der Messe immer genutzt werden. Viele Wissenschaftler nutzen diese Möglichkeit um sich über den jeweiligen Stand der Technik zu informieren und mit uns neuere Anwendungen zu diskutieren. Auch Studenten kommen gerne zu uns, um Kamera-Anwendungen zu besprechen und sich über Technologien beraten zu lassen.

Wir danken für das Interview.


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