Mit dem hoch innovativen Laser-Direct-Write-Verfahren zur
3D-Nanostrukturierung des jungen Unternehmens Nanoscribe GmbH
können nahezu beliebige drei-dimensionale Strukturen aus
unterschiedlichen photosensitiven Materialien hergestellt werden. Dem
Oberkochener Optikkonzern Carl Zeiss AG war das den Erwerb von knapp 40
Prozent am Karlsruher Start-up Nanoscribe wert.Das neue Laser-Direct-Write-Verfahren zur 3D-Nanostrukturierung wurde
ursprünglich für die Nanophotonik entwickelt. Die noch junge
Disziplin 3D-Laserlithographie findet Anwendung in der Mikro- und
Nanophotonik, den Lebenswissenschaften und der Biotechnologie sowie der
Mikrofluidik. Gegenwärtig wird dieses Verfahren beispielsweise
für die Herstellung dreidimensionaler Photonischer Kristalle oder
auch für Zellwachstumsstudien in speziell maßgeschneiderten
räumlichen Umgebungen in der Biologie verwendet.
Nanoscribe entwickelt und produziert kompakte
Rapid-Prototyping-Laserlithographiesysteme zur Herstellung
dreidimensionaler Mikro- und Nanostrukturen in Fotolacken (Bild 1).
Darüber hinaus bietet das Unternehmen Design und Herstellung von
speziell auf den Kunden ausgerichteten Strukturen in unterschiedlichen
fotosensitiven Materialien, z. B. chalcogeniden Gläsern, SU-8 oder
Ormoceren als Dienstleistung an.
Die 3D-Laserlithografie nutzt Mehrphotonen-Absorption zur lokalen hoch
aufgelösten Belichtung von photosensitivem Material. Die
belichteten Bereiche weisen eine andere chemische Löslichkeit auf
als ihre Umgebung, so dass sich komplexe dreidimensionale Strukturen im
Sub-Mikrometerbereich erzeugen lassen. Das Verfahren benutzt ultrakurze
Laserimpulse, deren Ein-Photonen-Energie unterhalb der
Absorptionsschwelle des zu belichtenden photosensitiven Mediums liegt.
Daher ist das Material transparent für das Laserlicht. Wird jedoch
dieser Laserstrahl stark fokussiert, so nehmen im fokalen Volumen
Mehrphotonen-Absorptionsprozesse zu. Das Material wird an dieser
Stelle chemisch und/oder physikalisch modifiziert und dadurch
gegenüber dem umgebenden Material selektiv chemisch löslich.
Da die photoempfindlichen Materialien erst ab einer bestimmten
Belichtungsdosis reagieren, erlaubt das Verfahren die Herstellung von
Strukturgrößen, die deutlich unter der Beugungsbegrenzung
der verwendeten Optiken liegen. Linienbreiten von mehreren Mikrometern
bis herunter zu 150 nm werden mit 5 nm Reproduzierbarkeit erreicht. Das
Bearbeitungsvolumen hängt von der Optik und der
Scanner-Konfiguration ab. Standard sind 300 x 300 x 80 µm3 .
Durch Aneinanderfügen mehrerer Bearbeitungsvolumina können
Flächen bis zu 10 x 13 cm2 strukturiert werden. Dabei werden
Schreibgeschwindigkeiten bis zu 2 mm/s erreicht.
Die Laserlithographen (Bild 2) sind als kompakte und gekapselte Systeme
aufgebaut, die auch in einer Reinraumumgebung mit vielen
Arbeitsplätzen eingesetzt werden können. Die verwendeten
Laser müssen sehr stabil in ihrer Leistung sein. Faserlaser bieten
die beste Voraussetzung dafür. Mit dem Erwerb von knapp 40 Prozent
am Karlsruher Start-up Nanoscribe GmbH hat sich der Oberkochener
Optikkonzern Carl Zeiss zugleich auch die Mitwirkung an einer
zukunftsweisenden Technologie gesichert.
Carl Zeiss kooperiert seit 2007 mit dem Unternehmen, das Ende Juni 2008
sein erstes System ausgeliefert hat. Professor Martin Wegener, einer
der Gründer und wissenschaftlicher Berater des Start-ups, wurde im
Jahr 2006 mit dem Carl-Zeiss-Forschungspreis ausgezeichnet. Neben dem
Investment fördert Carl Zeiss das junge Unternehmen auch mit
Know-how. Nanoscribe hat das Potenzial, neue Anwendungsfelder in den
optischen Technologien zu erschließen. Die Partnerschaft mit Carl
Zeiss ist ein Meilenstein auf diesem Weg.
Bucky Ball - Ein Sinnbild für die Dreidimensionalität
des neuartigen, erstmals kommerziell erhältlichen
laserlithografischen Verfahrens.
Foto: Nanoscribe.