Bei vielen wichtigen Wettbewerbsmerkmalen nimmt der Standort
Deutschland nach wie vor eine führende Position ein. Gerade
hinsichtlich der besonders wichtigen Faktoren, wie dem Zugang zu neuer
(Hoch-) Technologie, dem Serviceniveau sowie kundennahen, individuellen
Entwicklungspartnerschaften weist Deutschland im Vergleich zu Osteuropa
und China, beziehungsweise Indien einen erheblichen Vorsprung auf. Dies
ist ein Kernergebnis der aktuellen Kienbaum-Studie „Wege aus der
Standortfalle“, zu der mehr als 100 Top-Manager aus den
klassischen Industriebranchen (Maschinen- & Anlagenbau, Stahl- und
Prozessindustrie, Automobilwirtschaft, Chemie & Pharma) befragt
wurden.
„Der entscheidende Wettbewerbsvorteil Deutschlands liegt jedoch
auf Seite des Mitarbeiterpotentials“, sagt Kienbaum-Direktor
Stefan Falckenberg, Projektleiter der Studie. Bei Kriterien wie
Erfahrung, Qualitätsverständnis, Verfügbarkeit und
Produktivität von hochqualifizierten Mitarbeitern liege
Deutschland im internationalen Vergleich teilweise deutlich vorn. Nur
bei Flexibilität und der Motivation gibt es hierzulande deutlichen
Nachholbedarf. Dagegen stellen nach wie vor die hohe Produktivität
sowie die hohe Fertigungsqualität aus deutscher Sicht zunehmend
wichtigere Standortvorteile dar. Auch bei Prozesssicherheit,
Liefertreue und Innovationskraft haben deutsche Unternehmen im
Vergleich mit ihren Wettbewerbern aus Osteuropa, China und Indien
deutlich die Nase vorn. Weniger deutlich als in den Vorjahren
fällt der Vorsprung jedoch beim Thema kurze Entwicklungszeiten
(„Time to Market“) aus.
Internationalisierung schreitet fort
Immer wieder findet sich in Diskussionen um den Standort Deutschland
der Hinweis, deutsche Unternehmen würden aus reinen Kostenmotiven
Produktion ins Ausland verlagern. Tatsächlich ergibt auch die
Kienbaum-Studie, dass mehr als die Hälfte der befragten
Unternehmen den Auf- oder Ausbau von Standorten im Ausland plant. Vor
allem der Maschinen- und Anlagenbau tut sich hier hervor, zudem nimmt
mit der Größe eines Unternehmens auch dessen Bereitschaft
zu, Auslandsstandorte zu gründen. Die Personalkosten bilden dabei
noch das mit Abstand wichtigste Motiv für eine
Standortverlagerung. Durchschnittlich müssen die Kostenvorteile im
Durchschnitt laut Studie mindestens 23,3 Prozent betragen, damit die
Unternehmen nach eigener Auskunft noch eine Verlagerung von
Produktionskapazität erwägen.
Allerdings gibt es je nach Unternehmen relativ große
Unterschiede: „Bei großen und auslandserfahrenen
Unternehmen liegt der entsprechende Schwellenwert um rund zehn
Prozentpunkte niedriger“, sagt Kienbaum-Berater Falckenberg.
Tatsächlich ist zu beobachten, dass gerade die
Personalkostenvorteile im Ausland immer geringer werden. Die
Lohnkosten¬zuwächse etwa in Osteuropa sind momentan 10 bis 25
Mal größer als in Deutschland. Immerhin elf Prozent der
Befragten gaben sogar an, Verlagerungen ins Ausland auch ohne
Kostenvorteile zu tätigen. In der Zukunft sind denn auch für
einen zunehmenden Anteil (gut 60 Prozent) der Befragten
„Markterschließung“ und „Kundennähe“
das wichtigste Motiv bei der Beantwortung der Standortfrage.
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