Mit dem Innovationspreis der Berthold Leibinger Stiftung werden
seit dem Jahr 2000 alle zwei Jahre Wissenschaftler und Entwickler
gewürdigt und gefördert, die bei der Anwendung des
Laserlichtes neue Wege gehen. In diesem Jahr wurden am 15. September
2008 vier Preise mit insgesamt 40 000 Euro zu den Themen
Ultrakurzpuls-Lasertechnologie, Excimerlaser, neuer Laser Sensor und
Silizium-Photonik verliehen.
Die Forschergruppe der Robert Bosch GmbH und ihres Tochterunternehmens
Bosch Rexroth AG mit Jens König, Thorsten Bauer, Markus Willert
und Ulrich Graf gewann mit ihrer Arbeit "Ultrakurzpuls-Lasertechnologie
– Zukunft der hochpräzisen Mikrobearbeitung in der
Großserie" den mit 20000 Euro dotierten 1. Platz unter 33
Bewerbungen aus Universitäten, Institutionen und Industrie. Mit
der Preisverleihung würdigte die Jury aus namhaften Experten die
Umsetzung wissenschaftlicher Grundlagen der Anwendung der
Ultrakurzpuls-Lasertechnologie in die industrielle Serienproduktion.
Die Ultrakurzpuls-Technologie wird die industrielle Mikrobearbeitung
revolutionieren.
Mit kurzen Laserpulsen können sehr schnell und höchst
präzise in nahezu alle Materialien Strukturen im Mikrometerbereich
eingearbeitet werden. Erste Anwendungen findet die neue Technik bei
Bosch insbesondere bei der Fertigung von Sensoren und
Diesel-Einspritzsystemen. Grundlegende Arbeiten dazu wurden in den
Verbundprojekten PRIMUS und PROMTUS in enger Zusammenarbeit von Bosch
mit dem Institut für Strahlwerkzeuge (IfSW) der Universität
Stuttgart und der Forschungsgesellschaft für Strahlwerkzeuge
(FGSW) durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung
gefördert. Die Prozesseffizienz konnte im Rahmen der Projektarbeit
so entscheidend gesteigert werden, dass diese Prozesse nun
wirtschaftlich einsetzbar sind.
Das Besondere an der Ultrakurzpuls-Lasertechnologie im Vergleich zur
kontinuierlichen Lasermaterialbearbeitung ist die Komprimierung der
Laserenergie in kleinste Zeitsegmente von 5 bis 100 Pikosekunden
(ps). Eine Pikosekunde ist der Millionste Teil einer Sekunde. In dieser
kurzen Zeit wird die Laserleistung in einen Puls von mehreren hundert
Megawatt verdichtet und auf das Werkstück gebracht. Das ist
vergleichsweise eine Leistung, wie sie ein mittleres Kraftwerk erzeugen
kann. Die Zeit ist so kurz, dass das Material des Werkstücks
verdampft, ohne vorher heiß zu werden oder gar zu schmelzen, weil
thermische Prozesse wesentlich langsamer sind. Deshalb spricht man von
„kalter“ Lasermaterialbearbeitung. Eine hochpräzise
Bearbeitung ohne unerwünschte Schmelzgrate oder thermische
Nebenwirkungen ist möglich.
Bild 1a zeigt vergleichsweise den Querschnitt einer V-förmigen
Struktur mit 10 000 mal längeren Pulsen (150 ns) mit
unvermeidlichem Schmelzgrat und damit verbundener Nachbearbeitung
hergestellt, in Bild 1b präzise mit 10 Pikosekunden bearbeitet.
Diese neue Technologie mit ultrakurzen Laserpulsen wird weltweit
erstmalig seit 2007 im Bosch-Werk Bamberg in der
Abgassensoren-Produktion eingesetzt. Die Sensoren bestehen aus einer
speziellen Keramik und messen Abgaswerte noch genauer und schneller.
Über die Motorsteuerung können somit Schadstoffemissionen der
Automobile noch weiter reduziert werden. Gegenwärtig wird die
Bearbeitungstechnik mit ultrakurzen Laserpulsen bei Bosch in der
Fertigung von Common-Rail-Injektoren für moderne
Dieseleinspritzsysteme eingeführt. Somit können kleinste
Mikrokanäle hergestellt werden, die trotz Einspritzdrücken
von bis zu 2000 bar dafür sorgen, dass das Gesamtsystem dicht
bleibt (Bild 2 oben). Dank dieser Technik werden die Einspritzsysteme
noch zuverlässiger, leistungsfähiger und umweltschonender als
bisher.
Das Marktvolumen für Ultrakurzpulslaser im Jahr 2008 wird von
Experten auf ungefähr 260 Mio. Dollar geschätzt. Die
Verringerung der Kosten von Kurzpulslasern und eine weitere Steigerung
ihrer Leistungsfähigkeit sind wesentliche Voraussetzungen für
die Erschließung neuer Anwendungsfelder. Nicht zuletzt dank einer
weitsichtigen Forschungspolitik steht Deutschland in diesem Bereich der
optischen Technologien international mit an der Spitze.
Bild 1a: Querschliff von Strukturen mit ns-Pulsen
Quelle FGSW mbHBild 1b: Querschliff mit ps-Pulsen
Quelle FGSW mbHBild 2: Dieseleinspritzsystem mit Mikrokanal
Quelle Bosch