Tipp 4 bei schwierigen Verhandlungen: Isolieren Sie einzelne VorteileManchmal ist es nicht ganz einfach, eine "große" Idee, ein
Gesamtprodukt oder eine Globalthese bei Kunden oder Vorgesetzten
durchzusetzen. Sie werden mit skeptischen Augen angesehen, und Ihre
Kollegen machen Ihnen das Leben schwer. Autoverkäufer, die
technisch völlig veraltete und zudem noch reparaturanfällige
Droschken verkaufen müssen, können hier ein böses Lied
anstimmen. Aber sie verdienen nun einmal Geld mit diesen klapprigen
Fahrzeugen.
Die Empfehlung lautet: Auf keinen Fall das Gesamtprodukt anpreisen, das
wäre völlig aussichtslos. Vielmehr bringen Sie Einzelheiten
vor. Sie betonen, um im Beispiel zu bleiben, die "hervorragende
Verarbeitung der Lenkradaufhängung", das "exquisite Design" der
Stoßstangenkonstruktion oder die "wirklich bestmögliche
Servicequalität" der Reparaturwerkstätten dieses
Automobilherstellers. Durch diese Einzelheiten-Strategie wird der
Verstand des Kaufinteressenten langsam aber sicher außer Kraft
gesetzt. Abschließend sagen Sie nur noch, dass es nun
natürlich auf der Hand liegt, dieses Auto zu kaufen. Wichtig ist
es während des Gesprächs, sich immer wieder die Richtigkeit
dieser Einzelheiten vom Kaufinteressenten bestätigen zu lassen. Er
hat es dann sehr schwer, das Gesamtprodukt abzulehnen.
Tipp 5 bei schwierigen Verhandlungen: Bleiben Sie ruhig und gelassenDie Art und Weise, mit dieser Technik Recht zu behalten, ist nicht
für jeden geeignet. Sie benötigen schon ein ziemlich dickes
Fell und eine gehörige Portion positiver Aggressivität. Es
ist nämlich in den meisten Fällen üblich, dass bei
Beginn eines Streits die Teilnehmer zurückstecken und "klein
beigeben". Man will eben keine Eskalation. Nicht so bei dieser Technik.
Sie formulieren in aller Ruhe Ihre These. Sie merken, dass Ihr
Gegenüber unruhig und fast schon zornig wird. Bei der
detaillierten Erläuterung Ihrer These bricht es dann bei Ihrem
Gegenüber heraus. Genau dann dürfen Sie nicht
zurückstecken, sondern präzise das Detail als entscheidend
herausstellen.
Wiederholen Sie Ihre Argumentation noch einmal. Und zwar in aller Ruhe.
Ihre Unerschütterlichkeit wird sich durchsetzen, und Ihr
aufgeregter Gegenüber hat das Nachsehen. Ihre Zuhörer werden
noch Wochen und Monate nach dieser Situation anerkennend über Sie
sprechen.
Tipp 6 bei schwierigen Verhandlungen: Bejahen Sie zunächst die Schlussfolgerungen
Auch dann Recht zu bekommen, wenn Ihr Widerpart absolut korrekte
Schlussfolgerungen gezogen hat, ist ein nicht einfaches Geschäft.
Beispiel:Frau Sögel erläuterte überzeugend, dass erstens die
Geschäfte schlecht liefen und selbstverständlich daraus der
Schluss gezogen werden müsse, umgehend im Unternehmen
Sparmaßnahmen einzuleiten. Alle Teilnehmer in der Runde nickten
zustimmend. Herr Breit sah bereits seine Felle davonschwimmen. Aber er
konterte kühl:
"Wissen Sie, liebe Frau Sögel, Sie haben völlig recht, dass
wir Sparmaßnahmen einleiten müssen, wenn die Geschäfte
schlecht laufen. Ich stimme Ihnen dabei zu. Nur, und das ist mein
entscheidender Unterschied zu Ihnen, meine Prämissen und
Grundsätze in der jetzigen Situation sind ganz andere. Die
Marktverhältnisse, das könnte ich Ihnen übrigens auch
genauer erläutern, zwingen dazu, sich in neuen
Geschäftsfeldern zu bewegen. Ich ziehe daraus den Schluss,
umgehend eine Unternehmensberatungsgesellschaft zu beauftragen, hier
Terrain zu sondieren. Wir müssen also investieren und nicht in
aller erster Linie sparen."
Das Prinzip ist letztlich sehr einfach. Andere Grundsätze oder
Fundamente und dann auch andere Schlussfolgerungen. Mit ein wenig
Glück gewinnen Sie das Duell. Psychologisch wichtig ist es nur,
die gegnerische Position scheinbar zu unterstützen. Dann aber
müssen Sie mit Ihren anderen Fundamenten den Gegenzug führen.
Tipp 7 bei schwierigen Verhandlungen: Blockieren Sie durch bewusstes IgnorierenDamit Sie weiterhin erfolgreich bleiben, auch gegenüber einem sich
langsam in den Vordergrund spielenden Kontrahenten, müssen Sie
auch einmal zu etwas härteren Maßnahmen greifen.
Schließlich stehen Ihre Interessen auf dem Spiel. Stellen Sie
sich einfach stur. Hören Sie nicht hin, wenn Ihr Gegenüber
spricht, schauen Sie aus dem Fenster, wenn Ihr Kontrahent eine
hervorragende Präsentation vorführt. Er wird nervös
werden. Eventuell können Sie bei Beginn der Rede Ihres Gegners
auch gleich ganz aus dem Raum gehen. Aber bitte langsam, das wirkt
seriöser.
Sollten Sie im Konferenzsaal bleiben wollen, und Ihr Kontrahent fragt
Sie danach, warum Sie so abwertend reagieren, gehen Sie nicht auf seine
Frage ein, sondern sprechen Sie einen völlig anderen Sachverhalt
an. Diese Durchsetzungsstrategie sollte aber nur in sehr seltenen
Situationen benutzt werden. Sie hat bereits destruktive Züge, denn
sie ist zwar situativ wirkungsvoll, langfristig aber
beziehungszerstörend.
Quelle
Fachverlag für Recht und Führung
Theodor-Heuss-Str. 4
53095 Bonn
Telefon 0228/9 55 01 30
Telefax 0228/35 97 10
www.vorgesetzter.de