Forscher des Max-Born-Instituts für Nichtlineare Optik und
Kurzzeitspektroskopie (MBI) haben eine neuartige optische Faser
entwickelt, die mit noch nie dagewesener Präzision ultrakurze
Lichtimpulse weiterleiten kann. Die Forscher übertrugen Lichtpulse
einer Dauer von 13 fs (1 Femtosekunde = 1 fs = 1 Milliardstel einer
Millionstel Sekunde) über eine Länge von einem Meter, wobei
sich die Dauer der Impulse nur etwa verdoppelte. „Keine andere
Fasertechnologie kann das momentan leisten“, sagt Dr. Günter
Steinmeyer. In den Experimenten der Forscher dehnten andere,
ähnlich gebaute Fasern den gleichen Impuls dagegen auf fast
50-fache Dauer aus. Die neuen Fasern könnten beispielsweise in der
Medizin zur Anwendung kommen, um Femtosekundenimpulse flexibel zum
Patienten zu übertragen. Über ihre Ergebnisse berichten die
Forscher in der aktuellen Online-Ausgabe von Nature Photonics
(doi:10.1038/nphoton.2008.203).
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Querschnitt einer gechirpten Faser im Rasterelektronenmikroskop
Copyright: Institut für Angewandte Photonik e.V. Die Faser aus dem MBI besteht aus vielen einzelnen Glasröhrchen
und führt das Licht auf einem Durchmesser, der etwa der
Hälfte der Dicke eines menschlichen Haares entspricht. Im
Gegensatz zu herkömmlichen optischen Hohlfasern, wo alle
Röhrchen gleich groß sind, ändert sich in der neuen
Faser der Durchmesser der Röhrchen von außen nach innen
(siehe Abbildung). Man kann sich das vorstellen wie Strohhalme, die mit
den Seiten aneinander geklebt werden, immer einer neben den
nächsten. Fügt man den ersten und den letzten Halm
aneinander, entsteht aus diesen Röhrchen selbst wieder ein Rohr.
Dasselbe Gebilde stellt man noch einmal her, jetzt aber mit
Strohhalmen, die einen geringeren Durchmesser haben. Die MBI-Forscher
haben quasi fünf solcher Rohre aus Röhrchen ineinander
geschachtelt. Die Forscher nennen diese Struktur „gechirpt“
und verwenden für ihre neue Faser die Abkürzung CPCF (chirped
photonic crystal fibre). Der Begriff Chirp kommt aus dem Englischen und
bedeutet „Zwitschern“. In der Optik wird er immer dann
verwendet, wenn innerhalb einer periodischen Struktur die Periode
langsam und systematisch in eine Richtung verändert wird, so wie
hier der Durchmesser der Röhrchen. Senden die Forscher nun
ultrakurze Lichtimpulse durch die Faser, führt diese besondere
Struktur dazu, dass störende Resonanzen der Röhrchen sich
über verschiedene Wellenlängen verteilen, also weit weniger
störend wirken, als wenn alle Röhrchen den gleichen
Durchmesser haben. Hergestellt haben die Faser Wissenschaftler der
Universität Saratow in Russland.
Eine spezielle medizinische Anwendung sehen die Forscher in der
photodynamischen Therapie. Hier werden in Tumorzellen lichtempfindliche
Stoffe angereichert, die bei Bestrahlung toxische Substanzen erzeugen,
die den Tumor dann selektiv zerstören. Durch Einsatz ultrakurzer
Impulse ließe sich diese Therapie noch nebenwirkunsgärmer
gestalten, da eine effiziente Absorption nur im unmittelbaren
Fokusbereich erfolgt; unmittelbar darüber- oder darunterliegende
Gewebeschichten bleiben praktisch ohne jedwede Wechselwirkung. Bisher
fehlte jedoch eine Faser, mit welcher man solche Impulse flexibel und
verzerrungsfrei endoskopisch zum Patienten leiten kann. Auch für
diagnostische Zwecke in Biologie und Medizin könnte sich die
gechirpte Faserstruktur eignen, etwa für die
Zweiphotonenmikroskopie, welche eine dreidimensionale Auflösung
kleinster biologischer Strukturen bei effektiver
Streulichtunterdrückung ermöglicht.
Ansprechpartner:
Dr. Günter Steinmeyer, Max-Born-Institut, Email: steinmey@mbi-berlin.de