Potenzielle Käufer informieren sich zunehmend über
Webseiten und Datenblätter. Was dort verpfuscht wird, kann
später im persönlichen Kontakt nur schwer repariert werden.
Das Internet hat vieles verändert: nicht nur die technischen
Abläufe bei der Lieferung von Informationen, sondern auch das
Benutzerverhalten. So informiert man sich heute über eine Firma
meist erst einmal, indem man ihre Webseiten durchsieht, oft noch vor
einer ersten Kontaktaufnahme. Auch konkrete technische Informationen besorgt man sich gerne dort
– lieber als über einen mühsamen Dialog per Telefon
oder E-Mail, der womöglich noch jahrelange Werbesendungen
auslöst. Und ohne dass die inspizierte Firma dies konkret
verfolgen kann, entsteht ein wichtiger Eindruck über die Firma
allgemein, über ihre Produkte sowie über den dort
vorherrschenden Grad von Kompetenz, Effizienz und
Vertrauenswürdigkeit.
Umso erstaunlicher ist es, wie viel hier schiefläuft. Einige typische Probleme seien hier kurz diskutiert:
- Die Perspektive der Darstellung berücksichtigt die
Informationsbedürfnisse und den wahrscheinlichen Kenntnisstand der
Besucher oft in keiner Weise. Der Besucher soll etwa anhand von
Fantasienamen oder kryptischen Typenkürzeln auswählen,
worüber er mehr Informationen erhält – ohne wissen zu
können, worum es dort überhaupt geht. Dies führt
vorhersehbar zu Frust und Informationslücken.
- Die
Web-Technik funktioniert nicht richtig, oder sie ist nicht
durchschaubar. Es kommt vor, dass eine angebotene Suchfunktion nicht
einmal zu ausdrücklich eingegebenen Produktnamen passende
Resultate liefern kann. Oft wird auch überhaupt nicht klar, welche
Arten von Seiten überhaupt durchsucht werden:
Produktinformationen, Pressemitteilungen, oder etwa alle
verfügbaren Seiten? Links laufen oft ins Leere, obwohl dies mit
automatisierten Methoden leicht erkannt werden könnte. Und der
Seitenaufbau wird extrem langsam, wenn das CMS jede Seite aus
unzähligen Datenbanken zusammenbauen muss, was den Server leicht
überlastet. Übrigens: Die Robots der Suchmaschinen kommen
damit oft auch nicht klar, und entsprechend enttäuschend ist dann
das Suchmaschinen-Ranking der Seiten.
- Die angebotenen
Produktinformationen sind oft mit sehr wenig Sorgfalt aufbereitet.
Viele Spezifikationen sind so unsachgemäß, dass eine
Fachperson daraus leicht auf mangelnde Kompetenz schließen kann
– was auch das Vertrauen in die Qualität der Produkte und
der damit zusammenhängenden Dienstleistungen untergräbt.
Beispielsweise lässt eine Angabe wie
„Strahllagestabilität: < 0,15 mrad“ jede Menge von
Fragen unbeantwortet: Voller Winkel oder Abweichung von der
Referenzlage? Maximalwert oder Mittelwert (etwa r.m.s.)? Enthält
dies kurzfristige (hochfrequente) Fluktuationen und/oder die
Langzeitdrift? Unter welchen Bedingungen gilt die Spezifikation: ohne
Erschütterungen und bei konstanter Temperatur, oder im gesamten
spezifizierten Temperaturbereich? Weiß man dies alles nicht, so
ist die Spezifikation völlig wertlos und verrät mehr
über ihre Quelle als über den betroffenen Laser.
Es liegt auf der Hand, dass die schönsten Anzüge und
Demo-Objekte, die später auf der Messe präsentiert werden,
den auf Webseiten und Datenblättern verdorbenen Eindruck kaum mehr
korrigieren können. Die Schwierigkeit ist, dass die beteiligten
Insider meist entweder Techniker mit zu wenig Verständnis für
potenzielle Kunden oder aber Werbefachleute ohne ein Gespür
für unsachgemäße Fachinformationen sind. Die Rettung
kann dann die Unterstützung durch eine externe Fachperson sein,
die sowohl das nötige technische Wissen als auch einen
firmenübergreifenden Horizont hat.
Autor
Dr. Rüdiger Paschotta, RP Photonics Consulting GmbH
Internet: http://www.rp-photonics.com/
Dr.
Paschotta ist Experte auf den Gebieten Laser und Verstärker,
nichtlineare Optik, Faseroptik und ultrakurze Laserpulse. Über
seine Firma RP Photonics Consulting GmbH unterstützt er Firmen im
Bereich der Lasertechnik und Photonik mit Produktdesigns,
Machbarkeitsstudien, unabhängigen Beurteilungen sowie
maßgeschneiderten Schulungen.