Licht kann um ein Vielfaches mehr Informationen in der gleichen
Zeit transportieren als elektrische Signale. Dreidimensionale
photonische Kristalle werden die Telekommunikation revolutionieren.
Aber: an den Netzknotenpunkten gibt es noch keinen
wettbewerbsfähigen kompakten rein optischen Steuerungsprozessor
dafür - daran wird gearbeitet.Natürliche Kristalle faszinieren Menschen von alters her durch
ihre Schönheit und ihr strenges Ordnungsprinzip. Die
räumliche Anordnung der Atome eines Kristalls folgt ihren Gesetzen
der Bindungskräfte, die eine Grundzelle formen, die periodisch
fortgesetzt wird und ein „Kristallgitter“ bildet. Dieses
definiert die äußere Form und die Eigenschaften des
Kristalls. Für photonische Anwendungen sind dabei die Transparenz,
der Brechungsindex und die Gitterkonstante wichtig. Transparente
optische Materialien mit verschiedenen Brechungsindizes sind für
hochwertige Optiken unerlässlich. Das erkannte 1883 schon Ernst
Abbe, als er die Korrektion von Objektiven auf drei Farben ausdehnte.
Selbst mit der Kombination von Gläsern unterschiedlicher
Brechzahlen von Schott benötigte er zur endgültigen Korrektur
Flussspat. Er barg selbst in Oltschiburg, südöstlich des
Brienzer Sees aus einem Steinbruch klare Flussspatkristalle (Fluorit)
(Bild 1). In der weiteren Entwicklung wurden damit im Unternehmen Carl
Zeiss Jena hochauflösende Objektive gefertigt und die
Optikentwicklung bis heute revolutioniert. Heutzutage wird Flussspat
mit seinen speziellen brechenden Eigenschaften für die Optik
hochrein synthetisch hergestellt.
Synthetische Kristalle sind auch die Basis der Laserentwicklung. Sie
werden wie der Nd:YAG Kristall als das meist gebräuchlichste
Lasermedium der Festkörperlaser in immer neuen Kombinationen
für Anwendungen in der Lasertechnologie gezüchtet. Eine
große Palette von synthetischen Kristallen hoher Reinheit, die
durch Einbau von Atomen meist Seltener Erden gezielt für spezielle
Laseranwendungen optimiert wurden, wird kommerziell angeboten.
Die für Kristalle typische periodische Modulation des
Brechungsindexes tritt auch in anderen optischen Materialien auf.
Wellenausbreitung ist hier in Form von Moden in erlaubten Bändern
möglich, die jeweils durch Bandlücken voneinander getrennt
sind. Für sie hat sich der Name Photonische Kristalle etabliert.
Sie könnten die Schlüsselkomponente für kompakte
optische Halbleiter sein. In ihrem Inneren kann beispielsweise durch
Lasereinstrahlung als nichtlinearer Effekt eine Selbstfokussierung
erzeugt werden, die einen Kanal erzeugt, der wieder als Wellenleiter
wirkt und Licht transportieren kann. Auf diese Weise entstehen optische
Elemente, die Licht direkt schalten und parallel verarbeiten
können – ohne zusätzliche Lichtleitfasern,
physikalische Führungen oder Umwandlungen in elektronische Signale
zu benötigen.
Der Vorteil in der Anwendung dieser Kristalle liegt in der
Möglichkeit der Frequenzselektion durch sowohl elektrische und als
auch rein optische Ansteuerung: Ein kompakter rein optischer
Steuerungsprozessor kann damit entwickelt werden. Das ist auch die
Zielstellung eines dreijährigen Projekts 'NewTon' der BASF, die
gemeinsam mit Partnern wie dem Laser Zentrum Hannover e.V., Thales
Aerospace Division, Photon Design Ltd., der Technical University of
Denmark und der Ecole Nationale Superieure des Telecommunications de
Bretagne an der Entwicklung von photonischen Kristallen forscht.
Ausgangsstoffe für die Herstellung solcher Kristalle können
wässrige Dispersionen mit etwa 200 Nanometer großen
Polymerkügelchen sein, die beim Verdunsten der Flüssigkeit zu
einem homogenen schützenden Film zusammenfließen. Diese
können sich in einem regelmäßigen Gitter anordnen und
einen Kristall bilden (Bild 2). Daraus lässt sich ein stabiler
dreidimensionaler Kristall entwickeln, in den anschließend eine
bestimmte Struktur eingeschrieben wird.
Ende 2008 werden erste funktionstüchtige Komponenten dieser neuen
Technologie erwartet. Langfristiges Ziel ist der Einsatz von
dreidimensionalen photonischen Kristallen als Bauelemente in der
Telekommunikation. Das Projekt wird zur Hälfte von der
Europäischen Union gefördert. Das Projekt 'NewTon' wurde hier
als Beispiel für die vielerorts laufenden Grundlagenuntersuchungen
vorgestellt. Weltweit forschen namhafte Institute auf diesem Gebiet.
Hersteller von Bauteilen für die Telekommunikation würden vom
kommerziellen Einsatz der photonischen Kristalle profitieren. Sie sind
kleiner als elektronische Bauteile und so würden auch die
Geräte immer kleiner und kostengünstiger werden - bei
gleichzeitig höherer Leistung. Ein photonischer Prozessor und
damit ein Lichtcomputer ist aber noch "leuchtende" Zukunft. Jedoch ist
zu erwarten, dass mit einer wirtschaftlichen Technologie photonischer
Kristalle die Telekommunikation weltweit revolutioniert wird.
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Natürlicher Fluoritkristall Quelle Messe München |
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Beispiel eines photonischen Kristalls, hergestellt durch Two Photon Polymerization Quelle: J. Serbin, A. Ovsianikov, B. Chichkov, Projekt 'NewTon' |