Das Wachstum in der Solarbranche wird derzeit unter anderem
dadurch gebremst, dass die Herstellung von Silizium-basierten
Solarmodulen recht teuer und energieaufwendig ist. Eine Alternative
wären hier deutlich preisgünstigere Solar- und Photozellen
aus organischen Materialien, die den Bau neuartiger Displays,
Solarplanen und Solarfenster erlauben würden. Zur Zeit
existieren eine Reihe von Projekten, in denen es darum geht, neue
Materialien, Produktionsverfahren und Installationstechnologien in
diesem Bereich zu erforschen. Das Helmholtz-Zentrum Berlin, ehemals
Hahn-Meitner-Institut, befasst sich bereits seit dem Jahr 2001 mit dem
Thema.
Organische Solarzellen gelten als gute Lichtabsorber, haben jedoch den
Nachteil, dass sie schlechte Stromleiter sind. Sie bestehen nicht aus
klassischen Halbleitermaterialien, sondern aus Farbstoffen und anderen
Kohlenstoffverbindungen – aufgebracht auf einem
Trägermaterial wie Glas oder Folien. Diese Materialien lassen sich
in Massenproduktion herstellen und man braucht nur wenige Gramm, um
mehrere Quadratmeter einer Folie zu beschichten. Materialkosten spielen
demnach keine Rolle. Die abgeschiedenen Schichten sind nur wenige
Nanometer dick und damit um ein Vielfaches dünner als die bisher
gängigen Dünnschichtsolarzellen auf Basis anorganischer
Materialien (CIS-Zellen).
Dieses Potenzial hat das Helmholtz-Zentrum Berlin, ehemals
Hahn-Meitner-Institut, schon relativ früh erkannt. Bereits 2001
entstanden im Zuge des BMBF-Verbundprojektes „Organische
Solarzellen“ die ersten funktionstüchtigen Zellen. Anhand
dieser Machbarkeitsstudie, an der neben dem Helmholtz-Zentrum auch das
Fraunhofer Institut für Solare Energie (ISE) in Freiburg beteiligt
gewesen ist, wollten die Wissenschaftler herausfinden, ob sich eine
Verstärkung der Aktivitäten auf diesem Gebiet rentieren
würde. Zwischen 2003 und 2007 erarbeiteten die Berliner
anschließend innerhalb des Projektes „Organische
Solarzellen mit OVPD“ (Organic Vapor Phase Deposition) ein
neuartiges Beschichtungsverfahren, durch das es möglich ist, einen
größeren Durchsatz bei der Herstellung von organischen
Solarzellen zu erzielen. Während in der organischen Photovoltaik
die Licht absorbierenden Schichten üblicherweise aus einer
Lösung durch Tauchen, Sprühen oder Rotationsbeschichtung
aufgebracht werden, ist es den Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums
gelungen, die Stoffe mit Hilfe eines Trägergases zur
Substrat-Oberfläche zu transportieren, wo sie schnell abgeschieden
werden. Außerdem konnten die Forscher auch die Verschaltungen in
den Produktionsprozess integrieren und dafür sorgen, dass
aufwendige Kontaktierungen überflüssig werden. Dies reduziert
die Fertigungskosten erheblich. Auf diese Weise entstand ein
funktionsfähiges Minimodul mit einer Fläche von etwa 25
cm². Das zugrunde liegende Solarzellenkonzept aus einer Fulleren-
Phthalozyanin-Mischung erreicht zur Zeit einen Wirkungsgrad von 3
Prozent.
Derzeit steht die Forschung in Sachen „organische
Solarzellen“ noch vor zwei gravierenden Problemen. Zum einen gilt
es, die Lebensdauer der Zellen von gegenwärtig etwa wenigen
Monaten auf drei Jahre zu erhöhen. Eine weitere Herausforderung
besteht darin, den Wirkungsgrad auf mindestens 8 Prozent zu steigern.
Das Ziel einer Wirkungsgradsteigerung verfolgen die Forscher des
Helmholtz-Zentrums in ihrem Projekt „Selbstorganisation in
organischen Hybridsolarzellen“, das mit einer Laufzeit von
dreieinhalb Jahren noch in diesem Jahr starten soll. Es ist eines von
insgesamt 15 Projekten, die im Rahmen der vom Bundesministerium
für Forschung und Bildung (BMBF) in Kooperation mit der Industrie
im vergangenen Jahr ins Leben gerufenen Initiative „Organische
Photovoltaik“ mit insgesamt 360 Millionen Euro
gefördert werden. Dabei geht es den Berliner Wissenschaftlern
darum, mit Hilfe nanotechnologischer Methoden eine
Wirkungsgradsteigerung der Zellen zu erzielen.
Als mögliche Einsatzgebiete von organischen Solarzellen kommen
gegenwärtig Displays von Handys, Glasfassaden, Zeltdächer und
Solarfenster in Frage.