Eine lichtmikroskopische Charakterisierung komplexer dynamischer
Prozesse in und zwischen Zellen in einem 3-dimensionalen Kontext ist
derzeit noch eine Domäne relativ teurer konfokaler Laserscanning
Mikroskope. Durch die Entwicklung einer 3-D Reader Plattform, die auf
neuartigen Technologieansätzen basiert, will der Forschungsverbund
„3 D Tissue-Screen“ den Leistungsstand gegenwärtiger
High-end-3-D-Mikroskope übertreffen und zugleich ein deutlich
kostengünstigeres Produkt konzipieren. Mögliche
Anwendungsfelder der technischen Innovation liegen im medizinischen und
ökologischen Bereich.
Sowohl das menschliche Genom als auch die Genome repräsentativer
eukaryotischer Organismen liegen mittlerweile komplett sequenziert vor.
Ziel der molekularbiologischen Forschung ist es nunmehr, auf dieser
Basis ein Verständnis der komplexen zellulären Funktionen zu
erarbeiten, die über Gesundheit oder Krankheit eines Organismus
entscheiden. Hierfür ist es erforderlich, die funktionelle
Organisation der relevanten Moleküle zu untersuchen und sie als
Elemente komplexer Netzwerke und Interaktionen zu begreifen. Eine
solche Charakterisierung ist jedoch nur anhand der Untersuchung
lebender Zellen möglich und erfordert eine dreidimensionale
Betrachtungsweise.
Bisherige Verfahren zur fluoreszenzoptischen 3-D Charakterisierung von
lebenden Zellen basieren entweder auf konfokalen Laserscanning
Technologien oder sie setzen eine Nipkowscheibe ein und benutzen
CCD-Kameras. Beide Systeme sind jedoch nur als Ergänzungen
konventioneller Mikroskope konzipiert und haben den Nachteil, dass sie
sehr aufwendig, teuer und gewöhnlich nicht für einen hohen
Probendurchsatz ausgelegt sind. Zudem eignen sich konfokale
Laserscanning Mikroskope für einen Einsatz in einer
medizinisch-klinischen Umgebung eher schlecht. Und auch im Bereich der
Biotechnologie, wo es gilt, große, nur mittels Automatisierung
zugängliche Datenmengen zu gewinnen und zu verarbeiten, haben sie
sich als wenig tauglich erwiesen.
Vor diesem Hintergrund möchte der Forschungsverbund 3-D-
Tissue-Screen, an dem unter anderem die TILL Photonics GmbH, die
TOPTICA Photonics AG, die Arivis GmbH und die PicoQuant GmbH sowie drei
deutsche Universitäten beteiligt sind, Konzepte für eine auf
einen hohen Durchsatz ausgerichtete 3-D-Reader-Plattform erarbeiten.
Hierfür entwickeln die Forscher neuartige Technologieansätze,
die sie mit bereits etablierten, bisher jedoch extrem aufwendigen
Technologien kombinieren möchten. Ziel ist es, den Leistungsstand
gegenwärtiger High-end 3-D-Mikroskope zu erreichen oder sogar noch
zu übertreffen.
Die Plattform-Technologie, an der die Kooperationspartner des
Forschungsverbundes arbeiten, basiert auf neuartigen Detektor- und
Faserlasertechnologien, mit deren Hilfe sich die
Empfindlichkeit bis in den Bereich der
Einzelmolekül-Detektion verbessern soll. Mittels einer hohen
spektralen Ausflösung gilt es die Selektivität zu steigern.
Durch schnelle Scanverfahren und den gelegentlichen Einsatz einer
Paralleldetektion wollen die Wissenschaftler den Probendurchsatz
erhöhen. Einbezogen werden sollen außerdem
digital-holographische 3D-Messverfahren, die dazu dienen, den Kontrast,
die Auflösung und die Geschwindigkeit zu steigern (high content
high throughput screening).
Von den Forschungsergebnissen des Verbundes sollen eine Vielzahl von
Anwendern im medizinischen und industriellen Bereich profitieren.
Mögliche Anwendungsfelder wären Untersuchungsverfahren im
Bereich von Herzmuskelzellkulturen und der Blasenendoskopie aber
auch 3-D-Gewebeuntersuchungen an Pflanzenwurzelzellen zur
umweltfreundlichen Schädlingsbekämpfung.
Die Kooperationspartner des Verbundes planen eine über das
Projektende im Jahr 2009 hinausgehende Zusammenarbeit, bei der es um
eine permanente Weiterentwicklung und neue Kombination aller im Projekt
erforschten Technologien gehen soll.