Kaum etwas anderes ist für die Gesundheit des Menschen so wichtig,
wie saubere Luft und unbelastetes Wasser. Verunreinigungen schnell
aufzuspüren und deren Ursachen zu klären ist deshalb
entscheidend für die Sicherung der Umweltqualität. Hier
bieten die optischen Technologien neue Möglichkeiten, die die
Sicherheit erhöhen und gleichzeitig Zeit und Kosten sparen.
Aktuelle Forschungsergebnisse zur Luft- und Wasseranalytik wird der
Forschungsschwerpunkt Biophotonik vom 22. - 25.9. auf der Veranstaltung
"Photonics meets Life Sciences" in Jena der Öffentlichkeit
präsentieren.
Bei der Identifizierung von Bakterien, sei es in Luft-, Wasser oder
Bodenproben, kommt es darauf an, möglichst schnell über
zuverlässige Ergebnisse zu verfügen. Die klassische
Mikrobiologie, die mit einer mehrtägigen Kultivierung von Proben
in Petrischalen arbeitet, kann hier nicht mithalten. Neuere genetische
Methoden, die zum Beispiel auf einer Vervielfältigung von
spezifischen vorher ausgewählten Erbgut-Fragmenten beruhen, machen
es erforderlich, dass die Forscher im Vorfeld der Analyse wissen, nach
welchen Bakterien sie suchen.
Im Rahmen des BMBF-Verbundprojekts "OMIB" haben Forscher in den
vergangenen fünf Jahren die Grundlagen für einen schnellen
Vor-Ort-Monitor erforscht, der sich gegenüber den genannten
Verfahren dadurch auszeichnet, dass er innerhalb einer Sekunde ein
einzelnes, auch bisher unbekanntes Bakterium auf Stammebene
charakterisieren kann, ohne dass irgendwelche Vorannahmen erforderlich
wären.
Das Gerät basiert auf einer Kombination der Raman-Spektroskopie
mit einem Bildanalyse-Verfahren. Dabei macht man sich die Tatsache
zunutze, dass jedes Molekül einfallendes Laserlicht in ganz
spezifischer Weise streut. Somit erhält man einen
unverwechselbaren "molekularen Fingerabdruck" für jede Mikrobe,
die per Mustererkennung ausgewertet wird. Nach Angaben der an dem
Verbund beteiligten Berliner Firma rap ID wird der Monitor noch in
diesem Jahr auf den Markt kommen.
Auch ein anderes Verbundprojekt kann in diesem Jahr bereits ein
fertiges Produkt vorweisen, das für viele Menschen eine
große Erleichterung bringen wird. Der Bioaerosolmonitor MICROBUS
ist aus dem BMBF-Verbund "Omnibuss" hervorgegangen und liefert den rund
12 Millionen Pollenallergikern in Deutschland zuverlässigere und
effiziente Pollenflugvorhersagen, so dass sie rechtzeitig
Gegenmaßnahmen ergreifen können. "Omnibuss" war im Jahr 2003
gestartet und bringt nun mit MICROBUS einen automatischen Pollenmonitor
auf den Markt, der die mikroskopische Auswertung der gesammelten Pollen
mit einem komplexen Bilderkennungsverfahren kombiniert und so nicht nur
die Art der Pollen oder Sporen erkennt, sondern auch
Rückschlüsse auf deren Konzentration in der Luft zulässt.
Doch nicht nur biogene Verunreinigungen der Luft wie Bakterien oder
Pollen stellen ein Problem dar, sondern auch die Belastung durch
Feinstaub. Im ebenfalls im Rahmen des BMBF-Forschungsschwerpunktes
Biophotonik geförderten Projektes "Monet" soll deshalb ein
Vor-Ort-Detektor entstehen, der die Feinstaubbelastung schnell erfasst
und typischen Emissionsklassen zuordnet. Diese Klassifizierung wird
deutlich bessere Luftreinhaltungsmaßnahmen erlauben.
Das Projekt "OptoZell" wiederum beschäftigt sich mit
mikrobiologischen Verunreinigungen in Rein- und Trinkwasser. Mit Hilfe
des in diesem Rahmen erforschten opto-sensorischen Schnelltestsystems
werden Betreiber von Wasserverteilungs- und -aufbereitungsanlagen sowie
von Wasserspeichern umgehend auf Verschmutzungen reagieren und
Ausfallzeiten vermeiden können..
Die genannten Projekte präsentieren neben vielen anderen ihre
aktuellen Forschungsergebnisse in Vorträgen und im Rahmen einer
Ausstellung auf dem Symposium "Photonics meets Life Sciences" vom 22.
bis 25.September 2008 in Jena. Die Veranstaltung, die gemeinsam vom
Forschungsschwerpunkt Biophotonik und dem Jenaer Institut für
Photonische Technologien organisiert wird und unter der
Schirmherrschaft von Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan
steht, zeigt am Beispiel der Biophotonik, wie durch eine sinnvolle
interdisziplinäre Vernetzung von Forschungsaktivitäten
Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen
profitieren können. Thematische Schwerpunkte sind neben der
Überwachung der Luft- und Wasserqualität die
Krebsfrüherkennung, neue Ansätze in der Untersuchung von
Hautkrankheiten sowie ein besseres Verständnis von Lebensprozessen
auf zellulärer und molekularer Ebene.
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Jürgen Popp
Sprecher des Forschungsschwerpunktes Biophotonik
Direktor des Institutes für Physikalische Chemie der Universität Jena
Wissenschaftlicher Direktor des Institutes für Photonische Technologien
Tel 03641/ 206 300
Fax 03641/ 206 399
E-Mail juergen.popp@ipht.-jena.de
Dr. Marion Jürgens
Forschungsschwerpunkt Biophotonik
Öffentlichkeitsarbeit
E-Mail marion.juergens@uni-jena.de