Mit neuen Fertigungstechniken und Produkten revolutionieren die
deutschen Hersteller von Glasmaschinen die Fotovoltaik. Automatisierung
und neue Produkte bieten eine sonnige Perspektive für beide
Branchen. Der erkennbare Vorteil für den Verbraucher ist enorm:
Schon in wenigen Jahren soll Strom aus Dünnschichtmodulen genau so
viel kosten wie Energie aus konventionellen Kraftwerken. Dazu soll die
weitere Automatisierung ebenso beitragen wie die verbesserte Technik
der Solarzellen. ((Teaser Ende))
Deutschland hat sich eine führende Rolle bei der direkten
Erzeugung von Strom aus Sonnenlicht erobert. Beim Absatz für neu
installierte Solaranlagen liegt Deutschland 2007 weltweit an erster
Stelle; bei der Produktion von Solarzellen mit einem Weltmarktanteil
von 20,5 Prozent an dritter Stelle. Einer Studie der Schweizer Bank
Sarasin zufolge wird der Markt für Fotovoltaik, der seit 2001
durchschnittlich um 41 Prozent geklettert ist, noch zulegen und jeweils
um 50 Prozent in den nächsten Jahren wachsen.
Noch dominieren die kristallinen Strukturen. Der Engpass beim Rohstoff
Silizium hat allerdings für einen Investitionsschub in die
Dünnschichttechnik gesorgt, die mit wesentlich weniger Rohmaterial
auskommt. Aktuell beträgt der Anteil der zweiten Generation von
Solarmodulen zehn Prozent, aber der europäische
Photovoltaik-Verband EPIA rechnet mit einem raschen Anstieg dieser
Technologie an der Modulproduktion auf 20 Prozent bis 2010.
Als Trägermaterial und zur Abdeckung dient bei der
Dünnschichttechnologie Glas. Das Modul lässt sich mit einer
Doppelglasscheibe vergleichen, erläutert Siegfried Glaser,
Vorsitzender des Forums Glastechnik im Verband Deutscher Maschinen- und
Anlagenbau (VDMA), allerdings werden Solarzellen anstelle eines Gases
zwischen den beiden Scheiben verwendet. Das Forum Glastechnik ist Teil
des VDMA-Portals Photovoltaik-Produktionsmittel, in dem alle
Fachzweige, die sich im VDMA mit Photovoltaik beschäftigen,
zusammenarbeiten.
„Die Glasindustrie hat sich auf die Fotovoltaik
eingestellt“, berichtet Susanne Schartz-Laux, Referentin des
Forums Glastechnik, über die Dynamik der Branche, wenngleich das
Spezialglas an der Gesamtproduktion von Glas „ein kleiner, aber
wichtiger Teil“ ist. Dazu gehören beispielsweise deutliche
Fortschritte bei der Automation. Die Grenzebach Maschinenbau GmbH,
Asbach-Bäumenheim, bietet neue Anlagen an, um Solarzellen in
Massenproduktion herzustellen. Dabei spiele es keine Rolle, um welche
Art von Dünnschichtmodulen es sich handelt: Roboter
übernehmen die Handhabung der Solarmodule. Egbert Wenninger,
Mitglied der Grenzebach-Geschäftsführung, ist überzeugt,
dass sich mit dieser Anlage die Kosten pro installiertem Watt von
zurzeit drei bis fünf Euro auf weniger als ein Euro drücken
lassen.
Einen Sprung nach vorn macht auch die Herstellung der
Dünnschichtzellen. Die Lenhardt Maschinenbau GmbH,
Neuhausen-Hamberg, hat weltweit das erste Solarmodul entwickelt, das
nicht laminiert werden muss. So entfällt der mehrere Minuten
dauernde Bearbeitungsschritt, bei dem die hauchdünnen Folien der
Solarzellen mit der Glasscheibe verheiratet werden.
Die Flachglas-Veredlung wird für die Glasindustrie immer
wichtiger. Dazu gehört auch die Produktion von genau auf die
Bedürfnisse der Solarindustrie abgestimmten Gläsern.
„Die Produktion von Solarzellen wird effizienter, schneller und
kostengünstiger“, fasst Schartz-Laux die Vorteile neuer
Anlagen zusammen. Den neuen Produkten sind bei Größe, Form
und Farbe kaum Grenzen gesetzt. Zumal die Dünnschichttechnologie
besonders für Länder mit überwiegend indirekter
Sonneneinstrahlung besser geeignet sei.
Die Glasindustrie rechnet damit, dass der Bedarf an Spezialglas
für Solaranlagen stark steigen wird. Einen Mangel an Glas erwartet
die Expertin nicht: „Die richtigen Maschinen und Anlagen sind am
Markt; damit können die benötigten Mengen an Glas sicher
produziert werden.“
Roboter übernehmen die Handhabung bei der Herstellung von Dünnschichtsolarzellen.
Foto: GrenzebachDer Roboter ist das Herzstück in der Anlage zur Herstellung laminatfreier Dünnschichtsolarmodule.
Foto: Lenhardt Maschinenbau