Mit dem Ziel, neue Parameter in die Krebsdiagnostik
einzubringen ist der Forschungsverbund „Exprimage“
angetreten. Durch die Kombination unterschiedlicher innovativer
Methoden wie digitale Mikroskopie, automatische Bildanalyse,
Raman-Spektroskopie und optische Elastizitätsmessung von Zellen
wollen die Forscher verschiedenste Daten gewinnen, die idealerweise
einen Krebsherd so genau beschreiben, dass sich seine weitere
Entwicklung vorhersagen lässt. An dem Projekt, das im August letzten Jahres mit einer Laufzeit von
drei Jahren startete, sind unter anderem das Institut für
Physikalische Chemie der Universität Jena, das
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, die Firmen Definiens AG,
Quagen GmbH und die Firma Zeiss AG beteiligt. „Exprimage“
versteht sich somit als ein Musterbeispiel für eine enge
Zusammenarbeit von Ärzten, Naturwissenschaftlern und Ingenieuren.
In das Projekt sollen insgesamt zehn Millionen Euro an
öffentlichen und privaten Mitteln investiert werden.
Dabei besteht die Idee, die der Arbeit des Forschungsverbundes
zugrundeliegt, darin, möglichst viele unterschiedliche
physikalische und chemische Parameter zu erfasssen, um ein multimodales
Bild des jeweiligen Krebsherdes zu bekommen. Diese diagnostischen Daten
sollen dazu dienen, therapeutische Konzepte zukünftig stärker
personalisieren zu können.
Was die methodische Seite anbelangt, soll zum einen die klassische
Gewebepathologie durch die digitale Mikroskopie und die automatische
Bildanalyse weiterentwickelt werden. Krankes Gewebe wird hierbei
zunächst mit einer Fluoreszenzfärbung markiert. Während
man früher nur in der Lage gewesen ist, kleine Ausschnitte dieses
Gewebes im Mikroskop zu beobachten, können die Forscher jetzt mit
Hilfe der neuen Verfahren etwa zwei bis drei Zentimeter große
Schnitte einscannen und als 2-D-Bilder betrachten. Ziel der
Wissenschaftler ist es hierbei herauszufinden, wie sich Krebsgewebe
fortpflanzt.
Um darüber hinaus morphologische und molekulare Informationen zu
erhalten, werden unter anderem die optische Elastizitätsmessung
von Zellen und die Raman-Spektroskopie eingesetzt. Dabei dient die
Messung der Elastizität von Zellen dazu festzustellen, in welchem
Stadium sich der Krebsherd befindet. Mit Hilfe der Raman-Spektroskopie
lassen sich Veränderungen der Morphologie einer Probe beobachten,
chemisch verstehen und interpretieren.
Während das Universitätsklinikum Eppendorf die anonymisierten
Proben zur Verfügung stellt, ist die Universität Jena an den
auf der Raman-Spektroskopie basierenden Verfahren beteiligt. Der Anteil
der Firmen Zeiss und Definiens besteht in der Markierung und
Auszählung von Zellkernen. Neue Marker, durch die mehr
Informationen über die Biochemie der Proben gewonnen werden
können, stellt die Firma Quagen her.
Was den derzeitigen Entwicklungsstand des Projekts anbelangt, so sind
die Forscher momentan damit befasst, geeignete Technologien zu
entwickeln, um eine möglichst große Anzahl von
Gewebeschnitten zu erfassen. Ziel ist es, insgesamt 80.000
Präparate zu analysieren und auszuwerten. Von dem integrativen
Forschungsansatz von „Exprimage“ versprechen sich sowohl
die beteiligten Experten als auch die darin involvierten Unternehmen
einen beträchtlichen Wissenszuwachs.
Die Chemikerin Dr. Petra Rösch vom Institut für
Physikalische Chemie der Universität Jena bereitet eine Probe
für die Messung mittels Raman-Spektroskopie vor. Foto: Copyright: Universität Jena