Entlassungen können vermieden werden, auch wenn Umstrukturierungen
und Personalabbau anstehen. Die Chancen stehen gut, wenn innerhalb des
Unternehmens ein System organisierter interner Versetzungsprozesse
aufgebaut wurde. Erfolgsfaktoren für die Gestaltung interner
Arbeitsmärkte untersuchte das Institut Arbeit und Qualifikation
(IAQ) der Universität Duisburg-Essen im Forschungsprojekt "WEGA"
(Wirksamkeit von Einrichtungen zur Gestaltung interner
Arbeitsmärkte), das von der Hans-Böckler-Stiftung
gefördert wurde.
Personalchefs benötigen allerdings ausgereifte Konzepte und eine
starke Rückendeckung durch die Leitungsebene, damit das Ziel
erreicht wird. Denn die interne Arbeitsvermittlung stößt
immer wieder auf Interessenkonflikte zwischen den Abteilungen und
verursacht (nicht nur) "gefühlte Härten" bei den
Beschäftigten.
Die IAQ-Arbeitsforscher Johannes Kirsch und Gernot Mühge haben
bundesweit mehr als 50 interne Personalvermittlungsstellen bzw.
Mobilitätsbüros in Unternehmen und Verwaltungen analysiert.
In Fallstudien haben sie untersucht, wie die
Beschäftigungssicherheit der betroffenen Menschen und die
personelle Flexibilität der Unternehmen und Verwaltungen
gewährleistet werden können.
Erste Ergebnisse weisen deutlich auf ein "Basisdilemma" der internen
Arbeitsvermittlung hin: Abteilungen, die Personal abbauen müssen,
geben in erster Linie solche Arbeitskräfte an den internen
Arbeitsmarkt ab, die als wenig qualifiziert und motiviert, als
gesundheitlich belastet oder als "Querulanten" eingeschätzt werden
- eine Personalauswahl, an der die Personal aufnehmenden Abteilungen
wenig interessiert sind. Der interne Arbeitsmarkt droht so zum
Abschiebebahnhof zu werden.
Abteilungen mit Personalbedarf wünschen sich in der Regel die
"Besten" vom externen Arbeitsmarkt; in Unternehmen mit organisierter
interner Personalvermittlung gelten aber meist Einstellungsstopps, die
ihre Auswahl auf den Personalpool des internen Arbeitsmarktes
beschränken. In den aufnehmenden Abteilungen stört der
zentral vorgegebene Personaltransfer außerdem geregelte
Aufstiegsketten und Karriereplanungen; sie werden unsicher, wenn freie
Stellen aus dem Personalpool besetzt werden müssen - und nicht wie
gewohnt aus der eigenen Abteilung.
"Neben den Sachfragen der Personalauswahl können auch handfeste
Machtinteressen und kulturelle Gegebenheiten das Funktionieren des
internen Arbeitsmarktes behindern. Zwangsläufig verlieren die
Abteilungsleiter Entscheidungsspielräume", wissen die
IAQ-Arbeitsmarktforscher.
Für den Erfolg ist ein
- 1. ausgewogenes System von Regeln und Anreizen notwendig, aber
nicht ausreichend, denn interne Arbeitsmärkte benötigen
interne Macht!"
- 2. Die internen Personalvermittler sind auf
die Rückendeckung der Verwaltungs- bzw. Unternehmensspitze
angewiesen, um den Vorrang der internen Stellenbesetzung effektiv
durchsetzen zu können.
Weitere Infos:
Kirsch, Johannes / Mühge, Gernot, 2008:
Unternehmensinterne Arbeitsvermittlung als Alternative zur Entlassung:
Erste Fallstudien zur Wirksamkeit interner Arbeitsmärkte