Der Senat der Max-Planck-Gesellschaft hat am 20. Juni 2008 im Rahmen
der diesjährigen Jahresversammlung beschlossen, zum 1. Januar 2009
ein neues Max-Planck-Institut für die „Physik des
Lichts“ zu gründen. Das Institut baut auf die
Max-Planck-Forschungsgruppe "Optik, Information und Photonik" an der
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) auf,
die seit 2004 eine exzellente Optik-Forschung in Erlangen
durchführt. Aus der Forschungsgruppe stammen auch die zwei
Gründungsdirektoren des Instituts, Prof. Gerd Leuchs und Prof.
Philip St. John Russell. Ein vom Präsidenten der
Max-Planck-Gesellschaft und dem Rektor der FAU eingesetztes
Gutachterkomitee bewertete die Ergebnisse der Gruppe als hervorragend.
Nach einer Aufbauphase von vier Jahren soll das Institut insgesamt vier
Abteilungen umfassen. Der Abteilung "Optik und Information" wird Prof.
Gerd Leuchs als Direktor vorstehen. Sie beschäftigt sich mit
modernen Methoden der klassischen Optik vom Makro- bis zum
Nanomaßstab, aber auch mit optischer Quanteninformationstheorie
und -verarbeitung. Hier kann beispielsweise ein Laser dreimal besser
fokussiert werden als es bislang möglich war - ein Beitrag, um
kompaktere optische Datenspeicher zu bauen oder feinere lithografische
Strukturen zu erzeugen. Dazu wird ein spezieller Polarisator benutzt,
der das elektromagnetische Lichtfeld nach seiner Schwingungsrichtung
senkrecht zum Laserstrahl so filtert, nur ein Lichtring ähnlich
einem Rad zurückbleibt, in dem das Licht entlang der Speichen
schwingt. Wird der Lichtring des Laserstrahls fokussiert, so entsteht
ein sehr kleiner Brennfleck (Bild). In dieser Abteilung wird auch an
der Unterdrückung des durch die quantenmechanischen Unschärfe
verursachten Photonenrauschens gearbeitet. Mit den Techniken, die das
sogenannte gequetschte Licht liefern, wollen die Erlanger
Wissenschaftler unter anderem auch den Datentransport im Glasfasernetz
vereinfachen.
Die Abteilung „Photonik und neue Materialien“, die von
Prof. Philip Russell geleitet wird, befasst sich mit dem zentralen
Thema „Licht in hohlen Fasern aus photonischen Kristallen“.
Hohle Faser bedeutet, dass Fasern mit einem Durchmesser etwa eines
Haares im Inneren noch zahlreiche spezielle Hohlfasern haben –
eine aufwendige Technik. Jedoch sind diese neuartige Fasern im
Vergleich zu gewöhnlichen optischen Glasfasern besser zu
manipulieren und ermöglichen viele neue Anwendungen. So leiten sie
Licht extrem verlustfrei und gebündelt und sind deshalb unter
anderem zur Übertragung von Laserstrahlung im Hochleistungsbereich
gut geeignet. Aus den Hohlkern-PCF sollen auch zukünftig
medizinische Sensoren entwickelt werden. Mit einem festen Kern dagegen
eignen sich die PCF besonders gut, um Licht einer Wellenlänge in
andere Farben umzuwandeln.
Forschungsarbeiten zur Wechselwirkung von Licht mit Plasmonen werden in
der neu gegründeten Abteilung "Nanophotonik und Plasmonik"
erforscht. Plasmonen sind Schwankungen der Elektronendichte in
Metallen. Wenn ihre Wechselwirkungen mit Licht besser zu verstehen
sind, könnte dieser Effekt helfen, hochauflösende Mikroskope
zu bauen, die eine Oberfläche gleichzeitig mit Elektronen und mit
Licht abtasten.
Das Arbeitsfeld der neuen vierten Abteilung "Theorie des Lichts" wird
die Untersuchung von nichtlinearen und relativistischen Effekten in der
Optik sein, beispielweise für die Berechnung neuer Modelle
für die Vorgänge in nanostrukturierten Materialien. Die
Wissenschaftler werden aber auch daran arbeiten, nichtlineare
Phänomene zu beschreiben, mit deren Hilfe sich möglicherweise
eine Art optische Tarnkappe entwickeln lässt. In dieser Abteilung
sollen auch relativistische Effekte in der Optik erforscht werden, die
in letzter Zeit aufgrund der hochgenauen Navigationssysteme wesentlich
an Bedeutung gewonnen haben. Insgesamt sind für das Institut 111
Planstellen vorgesehen, darunter rund 44 Positionen für
wissenschaftliche Mitarbeiter. Das Institut wird weiterhin eng mit der
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
zusammenarbeiten. Es fügt sich auch gut in das bestehende Netz von
Max-Planck-Instituten ein, deren Forschungsgebiete es berühren und
ergänzen wird.
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Laserrad im Fokus: Laserlicht wird durch Polarisatoren so
geleitet, dass es bildlich gesprochen nur noch entlang der Speichen
eines Rades schwingt und sich besonders scharf fokussieren lässt.
Quelle Peter Banzer