Die in Deutschlands Kommunen häufig in der
Straßenbeleuchtung noch verwendeten Quecksilberdampflampen sind
technisch und energetisch völlig veraltet. Schon der Einsatz
moderner Lampen auf dem derzeitigen Stand der Technik bietet den
Kommunen schon heute Einsparpotentiale in dreistelliger
Millionenhöhe. Wissenschaftler der TU Darmstadt arbeiten bereits
an der Lichttechnik der Zukunft, die in Form von energetisch und
lichttechnisch optimalen LED-Lampen auch in der
Straßenbeleuchtung ab etwa 2012 zur Verfügung stehen soll.
Die Europäer entdecken das Licht als Quelle für
Energiesparmaßnahmen. Nach dem Verbot der althergebrachten
Glühbirnen, das ab kommendem Frühjahr in Kraft treten wird,
sind nun auch alte, ineffiziente Straßenlampen ins Visier der
Politiker geraten. Eine neue Regelung soll spätestens ab dem Jahr
2011 den Verkauf von Quecksilberdampflampen in Europa untersagen. In
der Praxis bedeutet das, dass fast jede zweite Lampe ausgetauscht
werden muss.
"Es wird zwar eine Übergangsphase geben, in der die alten
Quecksilberdampflampen weiter in Betrieb sein dürfen, aber
spätestens ab 2012 wird der Bedarf an Ersatz nicht mehr gedeckt
werden können", warnt Prof. Tran Quoc Khanh vom Fachgebiet
Lichttechnik der TU Darmstadt. "Es kommt eine riesige Herausforderung
auf die Kommunen zu, doch die meisten wissen bislang noch nicht einmal
etwas davon." Khanh ist einer der führenden Lichtforscher in
Deutschland, sein Fachgebiet international bekannt.
Gigantisches EinsparpotenzialDie Beleuchtung von Straßen, Plätzen und Brücken macht
zehn Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland aus, was den
Staat Jahr für Jahr 760 Millionen Euro kostet. Der Bestand an
Straßenleuchten ist insgesamt völlig überholt, jede
dritte deutsche Straßenleuchte ist älter als zwanzig Jahre.
Die veralteten Lampen haben eine niedrige Lichtausbeute, viele
enthalten noch Quecksilber. Umweltschädigend sind sie darüber
hinaus wegen ihres hohen Stromverbrauchs und des damit verbundenen
CO2-Ausstoßes.
"Das Einsparpotenzial ist gigantisch", ist sich der Darmstädter
Lichttechniker Khan denn auch sicher. "Schon mit der heute
verfügbaren Technologie könnte Deutschland den
CO2-Ausstoß um 1,6 Millionen Tonnen pro Jahr reduzieren." Nach
Ansicht des Frankfurter Zentralverbandes der Elektrotechnik- und
Elektronikindustrie e.V. (ZVEI) könnten die öffentlichen
Haushalte jährlich bis zu 400 Millionen Euro einsparen.
Wo alte Straßenlampen ausgewechselt werden müssen, werden
vor allem in Deutschland meist die gelb leuchtenden
Natriumhochdrucklampen installiert. "Die allerdings sind aus Sicht der
Lichtplaner wegen der schlechten Farbwiedergabe nicht
wünschenswert", erläutert Khanh. Österreich und andere
Länder setzen denn auch lieber auf die weiße
Halogenmetalldampflampe. Diese gibt die Farben sehr gut wieder, ist
allerdings teurer in der Anschaffung als die Natriumhochdrucklampe.
Mit weniger als vier Jahren hat Halogenmetalldampflampe zudem eine
kurze durchschnittliche Lebensdauer. Mit Blick auf das anstehende
europäische Verbot von Quecksilberdampflampen stellen
Natriumdampf- und Halogenmetalldampflampen bei allen Nachteilen jedoch
die derzeit einzigen verfügbaren und wirtschaftlich tragbaren
Alternativen dar.
Zukunftstechnologie LED"Die Straßenlampe der Zukunft ist eine LED-Lampe", prophezeit
Khanh, der für die Automobilbranche bereits Scheinwerfer auf Basis
von Licht emittierenden Dioden (LED) entwickelt. Die Darmstädter
Forscher kooperieren mit den führenden Lampenherstellern bei der
Entwicklung einer solchen Leuchte, die auf deutschen Straßen
allerdings noch nicht zu finden ist. "Die neue Technologie ist noch
vergleichsweise teuer, doch die Vorteile der LED sind so groß,
dass sich dieser Typ auch bei der Straßenbeleuchtung durchsetzen
wird", betont Khanh.
Die neuartigen LED-Leuchten zeichnen sich nicht nur durch sehr gute
Farbwiedergabe und Umweltverträglichkeit aus. Auch die Lebensdauer
ist mit durchschnittlich 14 Jahren sehr hoch - bei entsprechend
niedrigen Wartungskosten. Sie lassen sich zudem als einzige stufenlos
von null auf 100 Prozent dimmen. Nicht zuletzt sind die Leuchtdioden
extrem klein, wodurch die Form der Straßenlampen sehr variabel
wird.
Doch noch sind nicht alle Probleme gelöst. Die Effizienz der
LED-Straßenleuchten ist noch nicht mit der von Natriumdampflampen
vergleichbar. Die Forschungen laufen jedoch auf Hochtouren und die
Lichtausbeute steigt enorm schnell an, versichern die Darmstädter
Lichtexperten.
Auch ist noch nicht geklärt, wie die Bewohner die weiße
Farbe der LED-Lampen wahrnehmen. Befragungen zu gelbem beziehungsweise
weißem Licht gab es bislang nur in Nordamerika. Die
Darmstädter haben nun als erste in Europa eine Umfrage zum
Empfinden unterschiedlicher Farben bei der Straßenbeleuchtung
durchgeführt. Die befragten Anwohner in Hofheim im Taunus zeigten
eine deutliche Tendenz hin zu weißen Lampen. "Die Ergebnisse sind
jedoch nicht repräsentativ, wir werden hierzu noch weitere
Untersuchungen durchführen müssen", betont Khanh. Doch auch
darin liegt ein Vorteil der LED-Lampen: Die Farbtemperatur kann
zwischen "kaltem" und "warmem" Licht variiert werden.
Selbst wenn noch einiges zu tun bleibt, bis die alten
Quecksilberdampflampen ausgemustert werden: "Bis zum Jahr 2012 werden
wir in unserer Forschung so weit fortgeschritten sein, dass
LED-Leuchten die energetisch, licht- und umwelttechnisch sinnvollste
Lösung darstellen", bringt es Khanh auf den Punkt.
Messung der Leuchtdichte in einer beleuchteten Straße in
einem Darmstädter Vorort. Leuchtende Flächen erscheinen
weiß bis gelb, hell beleuchtete rot, schwach beleuchtete blau.
Qeulle: Lichttechnik/TU Darmstadt