„Die Schlüsselqualifikation des 21. Jahrhunderts ist das
Selbst-Management“, machte der renommierte
‚Managementguru’ Peter F. Drucker bereits vor Jahren
deutlich. Denn schließlich hängt von der Kunst, sich selbst
zu führen, ab, wie erfolgreich einer Führungskraft
beispielsweise die Balance zwischen Berufs- und Privatleben gelingt,
wie glaubwürdig sie nach außen wirkt und wie erfüllt
das Leben verläuft.
In sehr vielen Situationen passiert es aber, dass wir innerlich hin und
her gerissen sind, dass wir in uns Konflikte und Widersprüche
spüren. Dies kann etwa dann sein, wenn unser Pflichtgefühl im
krassen Widerspruch zu dem steht, was wir eigentlich wollen. So
möchte eine Führungskraft möglicherweise mehr Zeit mit
der Familie verbringen, ein angestrebter Aufstieg auf der
Karriereleiter lässt dies aber definitiv nicht zu.
Bei wichtigen Entscheidungen meldet sich in der Regel gleich ein ganzer
Chor aus unterschiedlichen inneren Stimmen. Deutschlands
Kommunikationspapst Friedemann Schulz von Thun bezeichnet diese Stimmen
als „inneres Team“. Am besten stellt man sich die inneren
Stimmen bildhaft vor, als eigene Persönlichkeiten oder tierische
Charaktere, etwa als den Alligator, den Angsthasen oder den inneren
Schweinehund.
Auch die inneren Antreiber und Kritiker, die uns ins Ohr flüstern:
„Sei perfekt!“, „Mache keine Fehler, sonst wirst du
nicht akzeptiert!“ usw., gehören dazu. Jede dieser inneren
Stimmen hat eine wichtige Funktion: Sie sind Mahner und
Aufrüttler. Aber sie können auch blockieren. Insbesondere bei
starkem Stress übernehmen diese Teilpersönlichkeiten gern die
Kontrolle über unser Verhalten und lassen uns Dinge sagen oder
tun, die nicht angemessen sind. Gerhard Schröders zweifelhaftes
Verhalten nach der verlorenen Bundestagswahl ist dafür ein
schönes Beispiel.
Innere Achtsamkeit entwickeln
Die beste Strategie, mit den inneren Stimmen umzugehen, ist es, sie
sich bewusst zu machen und sich mit ihnen angemessen
auseinanderzusetzen. Das kann mithilfe der Technik der inneren
Achtsamkeit geschehen. Oder, wenn das innere Team im Konflikt
miteinander steht, man beruft eine Teamkonferenz ein, wie bei
„normalen“ Teams auch.
Die Teamkonferenz kann mittels einer Fantasiereise geschehen. Stellen
Sie sich dazu einen schönen Besprechungsraum vor, mit viel Licht
und einem runden Besprechungstisch. Nun laden Sie alle ihre inneren
Teamanteile zu dieser Konferenz ein, geben das Thema und Ziel vor,
moderieren und hören jeden Beitrag Ihrer unterschiedlichen
Teamanteile an, um dann zu entscheiden.
Alternativ können Sie die Teamkonferenz auch ganz praktisch in
einem Raum durchführen. Gehen Sie dabei folgendermaßen vor:
- Die Kontrahenten identifizieren: Welche Stimmen, innere Anteile
sind am Konflikt beteiligt (zum Beispiel Erfolgsmensch, Familienmensch
…)? Schreiben Sie die Anteile auf Kärtchen, legen Sie sie
im Raum aus und schreiben Sie eine Karte für den Mind-Manager, der
das Ganze von außen betrachtet und darauf achtet, dass alle
Beteiligten zu Wort kommen.
- Die einzelnen inneren Anteile zu
Wort kommen lassen: Was haben sie zu sagen, wofür stehen sie (zum
Beispiel beruflicher Erfolg, Sicherheit, Anerkennung versus Bindungen,
Freundschaft, Privatleben)? Stellen Sie sich auf die Kärtchen und
lassen Sie die jeweiligen Anteile sprechen.
- Miteinander reden
lassen: Die inneren Anteile setzen sich miteinander auseinander und
vertreten ihre Positionen. Der Mind-Manager sorgt dafür, dass alle
Argumente gehört und gewürdigt werden, zum Beispiel:
„So ein Angebot kriege ich nie mehr“, „Was hilft dir
der tolle Aufstieg, wenn du dann keine Freunde mehr hast?“
- Alle
beteiligte Anteile würdigen: Wozu ist es gut, dass die jeweiligen
Teile da sind? Was brauchen die einzelnen Anteile, um zufrieden zu sein?
- Konkrete Entscheidung: Wer soll in der konkreten Situation Vorrang haben? Welche Zusage bekommen dafür die anderen Teile?
Gleich, welche Methode Sie wählen: Wenn Sie sich bewusst machen,
dass in Ihnen ein ganzes Team zugange ist und Sie Ihre inneren Anteile
identifizieren, so bringt Ihnen dies einen entscheidenden Vorteil. Sie
gehen bewusster mit unterschiedlichen inneren Perspektiven um und das
„Es“ – das sind Ihre unbewussten Anteile –
können nicht die Oberhand gewinnen. Die Auseinandersetzung mit
Ihrem inneren Team versetzt Sie somit in die Lage, Ihre
Entscheidungsprozesse konstruktiv zu gestalten - nicht nach dem Prinzip
entweder / oder, sondern nach dem Grundsatz „sowohl / als
auch“.
Verlässliche Indikatoren dafür, dass das eigene Handeln nicht
stimmig ist, sind Körpersignale wie etwa Schlafstörungen,
Kopfschmerz oder Müdigkeit. Solche „Warnlampen“ sind
ernst zunehmen. Sie helfen Ihnen, rechtzeitig wieder die erforderliche
Balance zu finden.
Damit die Kommunikation mit dem inneren Team klappt, nutzen Sie
folgende Instrumente: Wertschätzen Sie jede innere Stimme.
Entwickeln Sie eine grundsätzliche Akzeptanz für die
unterschiedlichen Teamanteile, und akzeptieren Sie, dass es immer
widerstreitende Anteile in Ihnen geben wird. Den Sinn dieser oft
widerstreitenden Anteile erkennen Sie, indem Sie einen Sachverhalt aus
unterschiedlichen Perspektiven betrachten.
Wichtig ist es auch, dass Sie inneren Antreibern so genannte
„Erlauber“ entgegen setzen. Menschen etwa, die bislang
einen hohen Perfektionsanspruch an sich haben, benötigen Erlauber
wie „Ich darf Fehler machen und aus ihnen lernen“. Durch
die mentale Umstrukturierung gelingt es, freier zu handeln.
Fazit: Werden Sie sich bewusst, dass Sie Ihr tatsächliches
Selbstmanagement-Potenzial erst dann richtig ausschöpfen, wenn Sie
Ihre inneren Teammitglieder kennen lernen, mit ihnen bewusster umgehen
und Ihre inneren Entscheidungsgewohnheiten hinterfragen. Mit etwas
Übung wird Ihnen leicht gelingen.
Autorinnen
Christine Lehner
Sabine Weihe
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