Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat mit 6,7
% elektrischem Wirkungsgrad einen Weltrekord für
Fluoreszenzkollektoren aufgestellt. Farbige Platten filtern aus dem
Sonnenlicht einen Teil heraus und lenken ihn auf spezielle Solarzellen
am Plattenrand. Bereits in den achtziger Jahren hatten die Freiburger
Forscher den Fluoreszenzkollektor entwickelt. Mit neuen Materialien und
Techniken erhoffen sie sich jetzt eine Verbesserung der
Wirtschaftlichkeit.
"Erst jetzt gibt es die Solarzellen, die man für hohe
Wirkungsgrade braucht", sagt Jan Christoph Goldschmidt, Projektleiter
am Fraunhofer ISE. "Wir haben die Untersuchungen an
Fluoreszenzkollektoren schon seit einiger Zeit wieder aufgenommen. Nun
konnten wir experimentell zeigen, dass unsere Berechnungen stimmen."
Die Fraunhofer Wissenschaftler nahmen für ihren Versuch über
20 Jahre alte Fluoreszenzkollektoren auf PMMA Basis. Sie ließen
die Sonne auf einen 2 x 2 Quadratzentimeter großen Stapel aus
einer gelben und einer roten Platte fallen. An den Kanten wandeln 4,8
Quadratzentimeter Gallium Indium Phosphid Solarzellen das austretende
Licht in Strom um. 6,7 % der auf den Stapel fallenden Solarenergie
wurde so zu elektrischer Energie. Für den praktischen Einsatz muss
die Fläche des Fluoreszenzkollektors deutlich gesteigert werden,
damit sie größer als die Solarzellenfläche ist. Erst
dann kann das System wirtschaftliche Vorteile bringen.
Die Weiterentwicklung ist schon im Gange: "Der größte
Verlustfaktor war bisher der Verlustkegel", erklärt Goldschmidt.
"Über 25 % des vom Farbstoff ausgesandten Lichts ging durch die
Oberflächen der Platten verloren. Bei größeren Systemen
noch mehr. Mit neuartigen Filterschichten, den photonischen Strukturen,
haben wir in einem anderen Experiment mit deutlich größerer
Kollektorfläche bereits eine Verbesserung des Wirkungsgrades um 20
% erwirkt. Mit nur einer Platte erreichen wir so einen Wirkungsgrad von
über 3 %. Und das obwohl die Solarzellenfläche nur noch einem
Zwanzigstel der Kollektorfläche entspricht. Als Nächstes
werden wir die beiden Ansätze - Stapel mit mehreren Farben und
photonische Strukturen - miteinander kombinieren."
Das Fraunhofer ISE dämpft Hoffnungen auf einen kurzfristigen
Einsatz ihrer Technologie, um im großen Stil Strom zu
produzieren. Die Forscher sind allerdings zuversichtlich, dass die neue
Technik z. B. für Fassaden oder für Fenster, die gleichzeitig
Strom produzieren, genutzt werden kann. Für eine praktische
Anwendung ist aber noch umfangreiche Entwicklungsarbeit nötig.
Die Grundidee des Fluoreszenzkollektors hat der Gründer des
Fraunhofer ISE, Prof. Adolf Goetzberger schon 1976 formuliert:
Sonnenlicht wird von großflächigen Platten gesammelt, in der
Platte von einem fluoreszierenden Farbstoff umgewandelt und durch
Totalreflexion zu Solarzellen an der Kante geführt. Wenn die
Kantenfläche kleiner als die Oberfläche der Platte ist, kann
das Licht konzentriert werden. In diesem Fall braucht man weniger der
teuren Solarzellen, als wenn man die gesamte Fläche belegen
würde.
Prinzipskizze des Systems
Quelle: Fraunhofer ISEAnsprechpartner für weitere Informationen
Projektleiter
Dipl. Phys. Jan Christoph Goldschmidt, Fraunhofer ISE
Tel.: +49 (0) 7 61/45 88-54 75
Fax: +49 (0) 7 61/45 88-92 50
E-Mail: jan.christoph.goldschmidt@ise.fraunhofer.de