Forschern des Max-Planck-Instituts für biophysikalische
Chemie und des Exzellenzclusters "Mikroskopie im Nanometerbereich" ist
es mit Hilfe der STED-Mikroskopie gelungen, das erste Video auf der
Nanoskala aus dem Inneren einer lebenden Zelle zu filmen. Mit bis zu 28
Bildern pro Sekunde und einer 4-mal höheren Auflösung als die
herkömmlicher Lichtmikroskope konnten sie schnelle Bewegungen
winziger Zellbausteine live mitverfolgen. Diese Innovation
ermöglicht es, die Prozesse bei der Signalübertragung
zwischen Nervenzellen genauer zu verstehen und weitere Fragen der
biologischen und medizinischen Forschung besser zu beantworten.Um Lebensvorgänge im Inneren einer Zelle detailliert beobachten zu
können, bedarf es eines Mikroskops, das eine besonders scharfe
Sicht bietet. Elektronen- und Rastermikroskope leisten dies zwar. Sie
ermöglichen jedoch keinen Blick ins Innenleben von Zellen.
Herkömmliche Lichtmikroskope wiederum verfügen nicht
über eine genügend hohe Auflösung. Mit seinem bereits
1994 entworfenen, aber erst seit dem Jahr 2000 eingesetzten
Stimulated Emission Depletion (STED)-Mikroskop konnte Stefan Hell,
Direktor am Max-Plack-Institut für biophysikalische Chemie in
Göttingen, erstmals die Auflösung der Fluoreszenz-Mikroskopie
drastisch steigern und legte so den Grundstein für eine
Lichtmikroskopie mit einer Auflösung auf der Nanometerskala.
Hells Innovation besteht darin, dass es ihm gelungen ist, die 130 Jahre
alte Abbesche Grenze im Fluoreszenzmikroskop zu überwinden. Das
Neue an seinem Verfahren ist, dass die Schärfe nicht mehr durch
die Lichtwellenlänge begrenzt ist. Dazu ergänzte Hell die
Abbesche Formel um einen entscheidenden Wurzelterm, der nun auch
molekulare Auflösungen zulässt. Das erste kommerzielle
STED-Mikroskop brachte die Firma Leica im November 2007 auf den Markt.
In der Vergangenheit ist es den Göttinger Wissenschaftlern mit
Hilfe des STED-Mikroskops bereits gelungen, einzelne
Eiweiß-Komplexe im Abstand von 20 bis 50 Nanometern voneinander
getrennt zu sehen. Hierbei handelt es sich um Strukturen, die 1000-mal
kleiner sind als ein menschliches Haar. In diesen Momentaufnahmen waren
die Zellen jedoch chemisch fixiert und somit in ihren natürlichen
Lebensbedingungen eingefroren. Die lange Belichtungszeit für ein
einzelnes Bild erlaubte es noch nicht, Bewegungen aufzuzeichnen.
Auf Grund schnellerer Aufnahmetechniken, die die Göttinger
Forscher für die STED-Mikroskopie dann entwickelt haben,
können sie nunmehr Bewegungsvorgänge innerhalb einer Zelle
direkt auf einen Film bannen. Eine verkürzte Belichtungszeit
ermöglicht es jetzt, diese Bewegungsabläufe mit einer
Auflösung von 65 bis 70 Nanometern aufzuzeichnen.
Das Untersuchungsobjekt der Forscher sind dabei lebende Nervenzellen,
oder genauer Vesikel. Das sind kleine Bläschen, die Botenstoffe
enthalten, welche für das Zusammenspiel von Nervenzellen von
Bedeutung sind: Zwischen den Nervenzellen werden Signale über
Botenstoffe übertragen, die von der Senderzelle abgegeben und von
der Empfängerzelle erkannt werden. Unter dem Mikroskop konnten die
Wissenschaftler mitverfolgen, wie sich die schnellen Vesikel über
die gesamte Länge der Nervenendigungen bewegen.
Für die Zukunft planen die Göttinger Forscher, das
STED-Mikroskop dahingehend zu optimieren, dass es noch mehr Bilder pro
Sekunde liefert, schärfer und sensitiver wird. Außerdem
wollen sie die STED-Mikroskopie dazu benutzen, um weitere neurologische
Fragestellungen zu lösen und ein detaillierteres Verständnis
von physiologischen Abläufen in Zellen zu erwerben.
Auflösungsgewinn durch STED-Mikroskopie anhand synaptischer Vesikel. Herkömmliche, so genannte konfokale Mikroskope sind nicht in der Lage, Proteine, die zu einzelnen Vesikeln gehören, in der Synapse einer Nervenzelle aufzulösen. Im Gegensatz dazu macht die STED-Mikroskopie diese Moleküle sichtbar - wie hier in der Abbildung rechts das Protein Synaptotagmin. (Foto: S.W. Hell, MPI für biophysikalische Chemie)Der fokale Fleck des isoSTED-Mikroskops (unten links) ist nahezu
kugelförmig, anders als bei herkömmlicher Mikroskopie (oben
links). Mit einer Zwei-Farben-Aufnahme (rechts) lassen sich zwei
mitochondriale Proteine, TOM20 (rot) und HSP70 (grün),
gleichzeitig in der Zelle betrachten. (Bild: Schmidt & Egner /MPI für biophysikalische Chemie)Im STED-Mikroskop (rechts) lassen sich Vesikel, die mit Botenstoffen gefüllt sind, bei einer 3-4 fach höheren Auflösung
getrennt voneinander beobachten - anders als im Konfokalmikroskop
(links). Der Pfeil zeigt die Vesikelbewegung innerhalb von 35
Millisekunden.(Foto: S. W. Hell, MPI für biophysikalische Chemie)