Ein Messer muss scharf sein, damit es seine Funktion erfüllt und
schneidet. Gleichzeitig erhöht der Schärfegrad die Gefahr,
sich an der Klinge zu verletzen. Nicht anders verhält es sich bei
den „Werkzeugen“ zur Führung von Menschen. Sie zu
beherrschen, ist für Unternehmer und Führungskräfte eine
permanente Herausforderung.
Der richtige Umgang mit „Werkzeugen“ ist es, was den
idealen Chef charakterisiert. Es gehört zur Kunst des
Führens, dabei menschlich zu bleiben und den Mitarbeiter ernst zu
nehmen, also die „Werkzeuge“ nicht über den Menschen
zu stellen. Die wichtigsten dieser Chefwerkzeuge sollen im Folgenden
etwas näher beleuchtet werden:
1. UnternehmenskulturDie Unternehmenskultur ist ein Teil der Identität eines
Unternehmens. In ihr dokumentiert sich das Verhalten von Mitarbeitern
und Führungskräften untereinander sowie gegenüber
Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern. Motivation,
Fluktuation, Kundentreue sind ein Spiegelbild der Unternehmenskultur.
Sie entsteht durch die tägliche und praktische Erfahrung der
Menschen. Großen Einfluss hat die Qualität der Führung.
Unternehmensführung und Unternehmenskultur beeinflussen sich
gegenseitig. Die Entwicklung einer Unternehmenskultur vollzieht sich in
drei Phasen.
- Erstellungsphase
Die zentralen Werte eines
Unternehmens werden geklärt. Wie sollen die Geschäfte
vollzogen werden? Zur Beantwortung dieser Frage helfen Begriffe
aus der Werteliste, z. B. Anstand, Offenheit, Nachhaltigkeit. Wichtig
ist es, in diesen Prozess die Mitarbeiter einzubeziehen. Nur dann
lässt sich eine allgemeine Akzeptanz erreichen. Unternehmenskultur
per Verordnung ist zum Scheitern verurteilt. - Einführungsphase
Die
Vorstellungen von der Unternehmenskultur müssen im zweiten Schritt
bekannt und verbindlich gemacht werden. Die Inhalte müssen
jedem Mitarbeiter jederzeit verfügbar und gegenwärtig
sein. Vorträge, Drucke, Präsentationen und Workshops sind
Mittel für den Transport einer Unternehmenskultur. - Erfahrungsphase
Die
schriftliche Fixierung und die Bekanntmachung genügen nicht. Die
Grundsätze müssen täglich gelebt werden. Das ist der
schwierigste Teil des Ganzen.
2. DialogWie die Unternehmenskultur zählt die Fähigkeit zum Dialog zur
ethischen Kompetenz der Führung. Den Dialog charakterisiert der
Austausch von Gedanken zwischen den Menschen. Viele
Führungskräfte verwechseln leider einen Gedankenaustausch mit
der Sendung der eigenen Botschaften. Der Dialog ist nicht nur ein
wesentliches Werkzeug der Führung, sondern eine Grundhaltung. Aus
einem Gespräch anders herauszukommen, als man hineingegangen ist,
ist ein gutes Kriterium für den Dialog. Das sich Einlassen auf die
Gedankenwelt des anderen muss nicht zwangsläufig zum Kompromiss
führen, sondern kann genauso gut die eigene Position stärken.
3. ZielvereinbarungNeben der ethischen Kompetenz beeinflusst die kreative Kompetenz den
Führungsstil eines Unternehmens entschieden. Ein Werkzeug ist die
Zielvereinbarung, die hilft, etwas aufzubauen oder Neues entstehen zu
lassen. Auf der Grundlage von strategischen Zielen werden
Zielvereinbarungen im gemeinsamen Gespräch zwischen
Unternehmensführung und Mitarbeiter getroffen. Um konkrete
Ergebnisse zu erreichen, müssen diese spezifisch, messbar,
aktionsorientiert, realistisch und terminiert in schriftlicher Form
getroffen werden. Es ist verblüffend, welche Konsequenz das
geschriebene Wort hat. Führungskraft und Mitarbeiter müssen
sich der Verantwortung bewusst sein, die eine Zielvereinbarung mit sich
bringt. Doch wie jedes Werkzeug hat auch dieses deutliche Grenzen und
birgt Gefahren. Der Mensch darf nicht zum berechenbaren Teil des Ganzen
degradiert werden. Berücksichtung müssen auch sich
verändernde Einflussfaktoren während der Umsetzungsphase
finden. Richtig eingesetzt motiviert die Zielvereinbarung jedoch alle
Beteiligten.
4. Workshop und BesprechungEine wesentliche Aufgabe der Führung ist es, Menschen in
Organisation und Ziele eines Unternehmens einzubinden. Das Werkzeug
dafür ist der Workshop, in dem sich die Teilnehmer gemeinsam
Resultate erarbeiten. Werden Mitarbeitern Fakten nur präsentiert,
sind sie wenig involviert. Der Grad der Beteiligung erhöht sich,
wenn sie sich selbst einbringen und Ergebnisse erzielen können.
Der Einsatz von Visualisierungs- und Moderationstechniken machen die
Grenzen zwischen Workshop und Besprechung zunehmend fließend.
Wichtig für den Einsatz beider Formen ist der strukturierte
Ablauf, der sich in drei Schritte aufteilt.
- Vorbereitung
Hier gilt der Grundsatz:
Vorbereitungszeit verdoppeln, heißt Ausführungszeit
halbieren. Neben der Notwendigkeit sind die konkreten Ziele zu
klären und die Teilnehmer einzuladen. Agenda und Zeitplan sind zu
erstellen. - Durchführung
Hier hilft die
Dreiteilung: Eröffnung – Hauptteil – Schluss.
Häufig wird nicht ordentlich eingeführt und es fehlt die Zeit
für einen guten Abschluss. Beginnen Sie pünktlich und machen
Sie die Ziele der Zusammenkunft deutlich. Verfolgen Sie einen
zielorientierten Ablauf und behalten Sie die Tagesordnungspunkte im
Blick. Jeder Punkt sollte mit einer klaren Aussage abgeschlossen
werden. Die Möglichkeit zu einer kurzen Feedbackrunde sorgt
für einen positiven Schluss, der genauso pünktlich wie der
Anfang erfolgen sollte. - Nachbereitung
Unerlässlich
ist ein Protokoll, das alle relevanten Informationen enthält.
Zeitnah verteilt, unterstreicht es die Verbindlichkeit.
5. EinstellungsfilterDas nächste Werkzeug dient dazu, Leistung zu fordern und ist der
fachlichen Kompetenz zuzuordnen. Der konsequenten und durchgängig
praktizierten Vorgehensweise bei der Auswahl der Mitarbeiter dient der
Einstellungsfilter und kommt beim Vorstellungsgespräch zum
Einsatz. Ist der Prozess der Personalgewinnung bereits ein teurer Weg,
fällt eine Fehlentscheidung noch viel stärker ins
Gewicht. Im Umgang mit potenziellen Mitarbeitern hilft der
Einstellungsfilter zur systematischen Informationsgewinnung.
Lesen Sie auf der nächsten Seite unter anderem über Einarbeitung, Delegation und Kontrolle!