Im Laserschweißprozess wird das zu schweißende Material
durch die hohe Intensität des fokussierten Laserstrahls verdampft.
Aufgrund dieses hochdynamischen Vorgangs treten häufig Nahtfehler
auf. Durch Veränderung von Prozessparametern wie beispielsweise
Vorschubgeschwindigkeit, Laserleistung oder Fokuslage, kann gezielt
Einfluss auf viele dieser Nahtfehler genommen werden.
Für eine 100%-Qualitätskontrolle bei laserbasierten
Schweißprozessen ist langfristig eine Prozessregelung
unumgänglich. Aufgrund der komplexen und hochdynamischen Prozesse
muss eine solche Regelung auf einer sehr schnellen optischen
Bildverarbeitung basieren. Die erforderliche Rate liegt bei mehreren
Kilohertz. Das ist bisher mit konventioneller Bildverarbeitung nicht
möglich. Aus diesem Grund wird an einer neuartigen
Kameraarchitektur in der Laserschweißtechnologie gearbeitet, bei
der die Intensitätswerte benachbarter Pixel zu so genannten
"Cellular Neural/Nonlinear Networks" (CNN) gekoppelt werden.
CNN-Kamerasysteme erreichen durch intelligente neuronale Vernetzung
eine starke Datenreduktion und ermöglichen so eine
Bildverarbeitung im multi-Kilohertz Bereich.
Rechen- und Speicherelemente werden zu diesem Zweck in die
elektronische Beschaltung der Pixel integriert. Das ermöglicht
eine schnelle, pixelparallele Bildverarbeitung. Durch die Verlagerung
von Bildverarbeitungsschritten auf den Kamerachip wird die Erfassung
und Auswertung von bis zu 10.000 Bildern pro Sekunde erreicht. Zur
Beobachtung des Schweißprozesses wird die Kamera über einen
Strahlteiler koaxial in die Bearbeitungsoptik des Schweißroboters
integriert. Dadurch kann die Wechselwirkungszone von der Oberseite aus
beobachtet werden. Als Qualitätsmerkmal für die Festigkeit
der Schweißnaht hat sich das "Durchschweißen" etabliert,
das als Maß sowohl für eine unzureichende als auch für
eine zu starke Durchschweißung geeignet ist. Erste Ergebnisse
zeigen, dass für dieses Kriterium Bilder mit einer Bildrate von 10
kHz ausgewertet und entsprechende Regelsignale erzeugt werden
können. Erst seit Ende 2007 ist diese Technologie verfügbar.
und gestattet erstmals eine Regelung von Laserschweißprozessen
aufgrund von Qualitätsmerkmalen.
Das neue Messsystem ist eine Entwicklung des Fraunhofer IPM, der
Universität Frankfurt und der Forschungsgesellschaft für
Strahlwerkzeuge FGSW, Stuttgart. Basierend auf den Messungen am
Schweißprozess aus dem Diagnostikzentrum der
Forschungsgesellschaft für Strahlwerkzeuge mbH (FGSW) und dem
CNN-know-how des Fraunhofer IPM und der Universität Frankfurt soll
in diesem Projekt eine Prozessregelung für
Laserschweißprozesse erarbeitet und getestet werden. Das Projekt
wird von der Landesstiftung Baden-Württemberg finanziert.
I-Naht-Überlapp-Schweißprozess mit einem koaxial durch
die Bearbeitungsoptik aufgenommenen Bild der Wechselwirkungszone
zwischen Laser und Werkstück
(Quelle: Fraunhofer IPM)