Welcher Laserstrahlquelle die Zukunft in der Materialbearbeitung
gehört, ist derzeit Gegenstand kontroverser Diskussionen. Bei fast
allen Debatten wird eines deutlich: Es gibt nicht „die“
ideale Strahlquelle für den industriellen Lasereinsatz. Die
Anwender werden auch in Zukunft unterschiedliche Strahlquellen
benötigen. Die Branchen sind viel zu unterschiedlich und die
Applikationen, in denen die verschiedenen Laserstrahltechnologien
eingesetzt werden, viel zu komplex. Daher setzt Trumpf auf alle
Technologieplattformen. „Wir denken konsequent
anwendungsorientiert und bieten unseren Kunden für jede
Applikation den passenden Laser“, betont Jens Bleher,
Geschäftsführer Trumpf Geschäftsfeld Lasertechnik.
Immer dann, wenn neue Technologien auf den Markt drängen, stellen
sich Anwender und Experten die Frage, ob die neuen Plattformen die alt
bewährten Konzepte substituieren. So prophezeiten Experten bei
Einführung der ersten Hochleistungsfestkörperlaser das Ende
des CO2-Lasers. Der erste Diodenlaser im Kilowattbereich mit seinem
hohen Wirkungsgrad und seiner Kompaktheit galt ebenfalls lange Zeit als
die Laserstrahlquelle der Zukunft. Doch retrospektiv wird deutlich: So
gut wie kein neues Strahlquellenkonzept hat je bestehende und
bewährte Technologien vollständig abgelöst. Vielmehr
haben neue Technologien ihre Nische beim Anwender gefunden und dabei
meist zusätzlich das Potenzial des Lasers bei der
Materialbearbeitung erweitert.
Auch die derzeitige Diskussion, welche Strahlquelle die Beste ist,
befasst sich häufig nur mit Entweder-Oder-Entscheidungen. Dabei
zeigt die differenzierte Betrachtung der vielfältigen
Applikationen des Lasers in der Materialbearbeitung, dass es den einen
optimalen Laser nicht gibt. „Jede Technologie hat ihre Vorteile,
die wir entsprechend den Anforderungen des Kunden gezielt einsetzen
müssen“, sagt Bleher. Daher setzt TRUMPF auf alle
Technologien und entwickelt diese kontinuierlich weiter. Mit dieser
Strategie ist das Ditzinger Unternehmen weltweit der Anbieter mit dem
breitesten Sortiment an Laserstrahlquellen – angefangen beim
CO2-Laser, über Stab- und Scheibenlaser bis hin zum Faserlaser. So
ist TRUMPF in der Lage, seinen Kunden für jede Applikation den
geeigneten Laser anbieten zu können. Das Produktportfolio reicht
von Lasern für die Mikrobearbeitung (TruMicro), zum
Schweißen und Schneiden filigraner Bauteile (TruPulse, TruFiber)
über Beschriftungslaser (TruMark) bis hin zu Scheibenlasern
(TruDisk) für anspruchsvolle Schweißaufgaben und CO2-Lasern
(TruFlow, TruCoax), die aus dem Fertigungsalltag nicht mehr wegzudenken
sind.
Faserlaser bei filigranen Anwendungen, Scheibenlaser für den Multikilowatt-Bereich
Die verschiedenen Lasertechnologien basieren auf unterschiedlichen
Konzepten. Jede Strahlquelle hat somit ihre Stärken – und
auch ihre Schwächen. Sowohl der Scheibenlaser als auch der
Faserlaser verfügen über eine hohe Strahlqualität und
einen hohen Wirkungsgrad. „Während jedoch der Faserlaser
seine Stärken im niedrigen Leistungsbereich hat, ist der
Scheibenlaser im Hochleistungsbereich das praktikablere Konzept“,
fasst Bleher die Anwendungsgebiete der beiden Festkörperlaser
zusammen.
Scheibenlaser mit höherer Prozesssicherheit
Die Vorteile des Scheibenlasers gegenüber dem Faserlaser bei
Applikationen im Multikilowatt-Bereich liegen auf der Hand. Aufgrund
seiner großen durchstrahlten Fläche arbeitet der
Scheibenlaser auch bei hoher Leistung mit einer unkritischen
Leistungsdichte. Beim Faserlaser hingegen werden enorm hohe
Leistungsdichten erzeugt – mit negativen Auswirkungen auf die
Prozesssicherheit. Ein weiterer Nachteil des Faserlasers ist seine
große Empfindlichkeit gegen Rückreflexionen, die bei der
Materialbearbeitung mit dem Laser häufig auftreten. Kommt es im
Faserlaserresonator zu Reflexionen, ist zumeist eine Abschaltung
erforderlich, um den Laser zu schützen. Da der Resonator des
Scheibenlasers auch bei hochreflektierenden Materialien unempfindlich
gegen Rückreflexionen ist, kann der Anwender beliebige Werkstoffe
ohne das Risiko eines Produktionsstillstands schweißen und
schneiden.
Ein weiterer Nutzen für den Anwender ist der modulare Aufbau des
Scheibenlasers. Da der Kunde die einzelnen Module bei einer
Störung oder Wartung selbst austauschen kann, senkt dies die
Stillstandzeit sowie die Reparaturkosten. Beim Faserlaser ist der Kunde
aufgrund des monolithischen Aufbaus nicht in der Lage, defekte Module
eigenständig auszutauschen. Dies führt zu längeren
Maschinenstillstandzeiten.
Bei Anwendungen im niedrigen Leistungsbereich kann wiederum der
Faserlaser seine Vorteile ausspielen. Dieser Lasertyp ist in der Lage,
problemlos eine Dauerstrichbetrieb-Grundmode-Strahlung zu erzeugen und
damit relativ einfach höchste Strahlqualitäten zu erreichen.
„Daher eignet er sich gut zum Schweißen und Schneiden
dünner Bleche, bei denen sehr feine Konturen gefragt sind“,
fasst Bleher die Einsatzgebiete des Faserlasers zusammen.
CO2-Laser ist und bleibt erste Wahl für die Universalschneidmaschine
Beim 2-D-Laserschneiden ist für TRUMPF nach wie vor der CO2-Laser
der Goldstandard. „Derzeit sehen wir nicht, dass Anwender mit der
1 µm-Wellenlänge des Festkörperlasers einen
entscheidenden Vorteil haben könnten. Das Schneidverhalten des
CO2-Lasers mit seiner Wellenlänge von 10 µm bietet eine hohe
Flexibilität, um Bleche unterschiedlicher Dicken zu
bearbeiten“, betont Bleher. Ganz entscheidend spricht die hohe
Qualität der Schnittkante für den Einsatz des CO2-Lasers in
einer Universalschneidmaschine.
Technik, Anwendung, Service – viele Aspekte spielen eine Rolle
Am Ende entscheidet immer der Kunde, bei welcher Applikation er welchen
Laser einsetzt. Ihn interessiert in erster Linie nicht die
Lasertechnologie. Vielmehr muss für den Kunden das Gesamtpaket aus
Technik, Anwendung und Service stimmen. TRUMPF bietet nicht nur
für jede Applikation den geeigneten Laser, sondern auch ein
weltweites Servicenetz mit etwa 900 Servicetechnikern, auf das der
Kunde jederzeit zurückgreifen kann.
Die Zukunft wird zeigen, wie viele Faserlaser, Scheibenlaser, Stablaser
und CO2-Laser in der Materialbearbeitung eingesetzt werden. Eines ist
für Bleher jedoch sicher: „Vor dem Hintergrund der
Diodentechnologie, der Schlüsseltechnologie für die
Lasermaterialbearbeitung der nahen Zukunft, wird uns die derzeitige
Prinzipiendiskussion über die richtige Strahlquelle in wenigen
Jahren unwichtig vorkommen.“