Eine Photovoltaikzelle, Baustein des Solarkraftwerkes gehört
streng genommen zu den Halbleitern und ist deshalb schon mit der
Computerherstellung mehr als artverwandt. Diese Verwandschaft wurde
zuerst genutzt, als man hochreines Silizium quasi aus den Abfalleimern
der Chiphersteller bezog. Dann wurde sie zum Problem, da
Silizium-Kapazitäten nicht in ausreichendem Maße
verfügbar waren. Heute produziert die Siliziumindustrie mehr
für Solarzellen, als für Computerchips, sie ist integraler
Bestandteil der Solarindustrie geworden.
Erfolgsgeschichte Computerindustrie - Leistungszuwachs bei
Kostenreduktion Bill Gates hat kürzlich auf der Computermesse
Comdex Parallelen zwischen den Entwicklungsgeschwindigkeiten der
Automobil- und der Computerindustrie gezogen:
"Wenn die Autoindustrie mit der Technologie so mitgehalten hätte,
wie die Computerindustrie, dann würden Autos heute 25 Dollar
kosten und ein 0,04 l-Auto sein."
Klar ist, das die Computerindustrie heutzutage einen nie gekannten
Zuwachs an Rechenleistung präsentiert und dies bei niedrigsten
Produktionskosten tut. Die Automobilindustrie dagegen gerät immer
mehr ins Visier der Kritiker eines der Ineffizientesten Industriezweige
überhaupt zu sein.
Kostenreduktion ist sehr weit gekommen - gewinnt aber jetzt erst
richtig an Fahrt Die Solarindustrie ist jedoch auch historisch gesehen
sehr erfolgreich, was die Kostenreduktion anbelangt. Auf der Bonner
Konferenz für erneuerbare Energien im Jahre 2004 hat der damalige
ISES Präsident Yogi Goswani verkündet: "Eine Solarzelle war
im Jahre 1974 für 30 US$ pro Watt zu kaufen. Heute liegt sie bei
3US$ pro Watt." Dies war bereits im Jahre 2004 beeindruckend. Heute
beeindrucken diese 3US$ pro Watt keinen der führenden Hersteller
mehr, sie liegen schon heute weit drunter.
First Solar: Produktionskosten von 0,7 €/Watt schon erreicht Diese
Art von Produktionskosten werden bereits heute unterschritten. First
Solar publizierte für das 4. Quartal 2007: Produktionskosten von
1,12 USD/Watt (= 0,70 Euro/Watt).Dies gilt aber nicht nur für den
Marktführer bei Dünnschichtmodulen: Der nach
Marktkapitalisierung weltgrößte Solarkonzern, die
norwegische REC Group, berichtete auf der Investorenkonferenz des
Magazins Photon in München: Im Jahr 2007 könnten große
Anlagen mit Produkten des Hauses REC in sonnigen Ländern
Solarstrom zu Kosten von 15 Eurocent produzieren. 2010 will REC bereits
bei 7 Cent Stromproduktionskosten liegen und im Jahre 2012 bei 5 Cent
je Kilowattstunde. Klar sind diese Zahlen nicht auf Deutschland
übertragbar, da wir über 50% weniger Strahlungsangebot haben,
aber der hieraus ablesbare Kostentrend wird sich auch in Deutschland
umsetzen. Wir lägen lediglich 50% höher und damit schon unter
den aktuellen Endverbraucherpreisen für Strom.
Q-Cells: Wir wissen schon jetzt wie wir die Kosten um weitere 50%
senken Der erfolgsverwöhnte und gerade zum Weltmarktführer
aufgestiegene Q-Cells Vorstandschef Anton Miller hat in der aktuellen
Ausgabe des Renewable Energy Focus faszinierendes erklärt:
"Kosten sind die wichtigste Herausforderung für die heutige
Solarindustrie. Als Industrie wissen wir schon heute wie wir weitere
40-50% an Kostensenkungen realisieren können."
Für Q-cells stellt sich die Lage wie folgt dar: 50% des
Kostensenkungspotenzials wird aus der weiteren Technologieentwicklung
gehoben, 25% kommen aus dem Gesetz der Massenproduktion und die letzten
25% aus einfachen konventionellen Produktivitätsfortschritten.
Herstellungskosten werden von 6 Seiten in die Zange genommen:Maß der Dinge in der Photovoltaikindustrie ist, anders als bei
Ihrem Vetter der Computerindustrie wo nur Rechenleistung zählt,
eine der Menschheit im Zeitalter steigender Energiekosten sehr
nützliche Einheit: minimale Stromgestehungskosten, also minimale
Investitionskosten pro Watt Leistung einer Solarzelle.
Dieser Betrag schwindet permanent, er wird mit vereinten Kräften
vieler Beteiligter aus 6 Richtungen eingekreist und laufen drastisch
reduziert:
- sinkender Materialeinsatz
Seit 2004 ist es dem
Marktführer Q-Cells in nur 4 Jahren gelungen die Materialdicke bei
der Serienproduktion der Zellen um fast 50% zu senken. Dies bedeutet
aus 1 macht 2 und damit doppelt so viele Zellen pro Kilogramm Silizium.
Dies senkt die Kosten der Zellen naturgemäß erheblich, da
die Verfügbarkeit des Siliziums und dessen Kosten bei der
Herstellung maßgeblich sind. - steigende Wirkungsgrade
Jede Technologieentwicklung durchläuft Stufen. Zunächst wird
im Labor ein Prozess entwickelt, der bessere Wirkungsgrade verspricht.
Dann wird dieser Prozess in der Pilotproduktion stabil gemacht und
schließlich vom Band produziert als neuer Industriestandard
eingeführt. In der Photovoltaikindustrie gelangen gerade in der
letzten Zeit immer mehr Wirkungsgrad steigernde Prozesse in die
industrielle Anwendungen. Jeder Prozentpunkt Zellwirkungsgrad schiebt
die Kosten weiter drastisch nach unten, da er einer Reduktion des
Materialeinsatz um etwa 5% entspricht. - Massenfertigung und Automatisierung
Die
Photovoltaikindustrie besitzt durch die große Nachfrage nun
Volumina, die den Einsatz einer Automatisierungstechnik möglich
machen. Roboter und schnelle Maschinen bringen kürzere
Bearbeitungszeiten, geringere Lohnkosten und weniger Bruch und damit
eine höhere Kosteneffektivität. In der letzten Zeit hat sich
gezeigt, dass hier seitens der Hersteller mit großem Erfolg
investiert wurde. Die Früchte der industriellen Produktionsweise
werden gerade reif für die Ernte. - Handbremse Siliziumengpass bald gelöst
Der
Motor der Solarbranche lief seit dem EEG auf Hochtouren. Man war bereit
eine große Beschleunigung des ohnehin faszinierenden
Marktwachstums hinzulegen. Dennoch wurde die Marktenwicklung durch die
Handbremse des Siliziummangels eingebremst. Stellenweise so sehr, dass
einige Großkonzerne wie Shell angesichts der geringen Auslastung
ihrer Werke entnervt aufgaben und an Marktteilnehmer wie Solarworld
verkauften, die genügend Silizumvorräte angelegt hatten. Es
wird angesichts der Tatsache, dass über 100 Siliziumfabriken
gebaut werden und sich bereits in der ersten Produktionsphase befinden,
immer klarer, dass diese Handbremse Siliziummangel bald gelöst
wird und die Kraft des Wachstums nun auf die Strasse gebracht werden
kann. - Metallurgisches Silizium
Mit einem von Prof.
Eike Weber vom Fraunhofer Institut für Solare Energieversorgung
(ISE) in Freiburg entwickelten Verfahren lassen sich seit neuestem auch
Siliziumvorräte erschließen, die bisher in der
Photovoltaikindustrie keinen Einsatz gefunden haben. Das so genannte
metallurgische Silizium muss nicht mit hohem Energieaufwand auf
höchste Reinheit geschmolzen werden, sondern kann relativ
schmutzig verarbeitet werden. Es ist bereits klar, das die Zellen aus
diesem Prozess funktionieren. In der Folge werden die
Beschaffungskosten für Silizium weiter sinken. Q-cells will schon
2009 die erstaunliche Menge von 40-50% ihrer Gesamtproduktion mit
diesem billigeren Ausgangsmaterial bestreiten. - Technologische Fortschritte
Der
letzte Aspekt der zu drastischen Kostensenkungen führt, sind
derzeit an der Schwelle der Massenfertigung befindliche Fortschritte
bei der Modulproduktion und der Zellherstellung. Neue
Verbundmaterialien, das kleben leitender Folien statt des Lötens
von Leiterbahnen, Solarzellen im Druckverfahren sind nur einige der
vielen Stichworte für den Technologischen Fortschritt. Derzeit
werden viele technologische Pfade zur Kostenreduktion beschritten. Wer
das Rennen macht ist unklar, aber die Richtung ist eindeutig. billiger
Strom aus Photovoltaik kommt dadurch zum Greifen nahe.
Treiber des Prozesses: Die Nachfrage Deutschlands50% der weltweiten Installation von Solarmodulen findet in Deutschland
statt. Wir sind der Abnehmer des Weltmarktes. Jeder kann in Deutschland
so viele Module installieren, wie er am Weltmarkt beschaffen kann. Und
insofern hat der deutsche Markt eine wichtige Funktion: Das ist wie ein
Überdruckventil. Hier kommt all das hin, was man nicht auf anderen
lukrativeren weil sonnenreicheren Märkten absetzen kann. Seitdem
das Erneuerbare Energien Gesetz die Möglichkeit geschaffen hat,
mit Solartechnik Geld zu verdienen, übersteigt die Nachfrage das
Angebot und folglich sind die Preise höher, als wenn man sich als
Hersteller bemühen muss, seine Produkte an den Mann zu bringen.
Wenn die Kostenreduktion der Hersteller in nennenswertem Umfang
weitergegeben wird, dann könnten die Module günstiger sein
für das Handwerk und wir könnten mehr Solarmodule haben als
bei den hohen Preisen.
Netzparität kommt - Man kann Solarenergie nicht mehr zurückdrängenAnton Millner, der Vorstandvorsitzende von Q-cells gab sich im
Renewable Energy Focus sehr selbstbewusst.: "Die Netzparität kommt
- Solarstrom lässt sich nicht aufhalten." Er hat angesichts der
Lage auch allen Grund dazu. Wir haben den Zeitplan der
Markteinführung mit doppelter Geschwindigkeit absolviert und um
drei Jahre überholt. Das EEG hat dies in seinem politischen Ansatz
der kostendeckenden Vergütung auch getan und die Lernkurve als
Basis für die Degression genommen. Nun wird von allen beteiligten
Überrascht festgestellt, wir haben ja bereits 6,7 GigaWatt
Produktionsmenge erreicht und sind damit schon im Jahre 2011 unseres
Zeit- und Kostenplans. Fazit des Solarkonzerns REC: »Die
Politiker sollten sich einfach an den Kostensenkungsraten der Industrie
orientieren, andernfalls kann es für ein Land und seine
Volkswirtschaft bei dieser Geschwindigkeit sehr teuer werden, die
besten Förderbedingungen bereitzustellen.«
Warnung der DGS: Deckel würde Handwerk erschlagen - Industrie bliebe unberührtAbschließend ein Wort der Warnung der Deutschen Gesellschaft
für Sonnenenergie e.V. an die CDU, bei der einige Politiker mit
einem Deckel für die Solarförderung liebäugeln.
Betrachtet man die Wertschöpfung in der Photovoltaikindustrie wird
klar, die Wertschöpfung landet am oberen Ende der
Wertschöpfungskette. Das Handwerk arbeitet im wesentlichen nach
Stundenlohn. Deshalb sollte im Sinne einer nachhaltigen Gestaltung des
nachhaltigen Arbeitsmarkteffektes nicht der Markt verboten, sondern die
Förderung auf Basis der Lernkurve gestaltet werden.
Vision der DGS: Sonnenstrom wir BilligstromWer eine nachhaltige, umweltfreundliche und kostengüstige
Stromerzeugung möchte, der setzte konsequent auf die
weiterentwickelte Photovoltaik-Technologie der kommenden Jahrzehnte.
Die DGS hat keine Zweifel, wenn nur das bekannte Potenzial umgesetzt
wird, wird die Konkurrenz dieser Stromerzeugungsart mit fossilen
Brennstoffen im dann herrschenden Marktumfeld uneingeschränkt
möglich sein und von der Photovoltaik gewonnen werden.