Immer kleiner, immer schneller: Computerchips für Handys,
Digitalkameras und Rechner sind winzige „Powereinheiten“,
die eine ständig wachsende Flut an Daten auf minimalem Raum
verarbeiten. Um die Speicherdichte und Schaltgeschwindigkeit zu
erhöhen, gilt es, immer feinere Strukturen in die Chips zu
ätzen. Dies geschieht derzeit mit Präzisionsmaschinen: Sie
verwenden kurzwellige Laserstrahlen mit 193 Nanometern Wellenlänge
und belichten damit 50 Nanometer kleine Strukturen auf
Siliziumrohlinge. Doch diese Technologie stößt an ihre
physikalischen Grenzen. Um die von der Chipindustrie gewünschte
Leistungskapazität der Rechner- und Speicherchips zu erhöhen,
ist ein radikaler Technologiewechsel bei der Produktion erforderlich,
bei der extrem kurzwelliges Licht mit nur noch 13.5 Nanometern
Wellenlänge aus neuartigen Lichtquellen eingesetzt werden soll.
Wissenschaftler der RWTH Aachen, des Fraunhofer-Instituts für
Lasertechnik (ILT) Aachen und der Firma Philips betreiben in diesem
Bereich gemeinsam Spitzenforschung. Sie setzen hierbei die so genannte
EUV-Strahlenquelle ein. EUV ist Abkürzung für die englische
Bezeichnung Extreme Ultra Violet - diese Lichtquelle hat beste Chancen,
als Strahlungsquelle die Nachfolge der derzeitigen Lasertechnik
anzutreten.
Die Terminvorgaben sind eng gesteckt. Bereits 2013 sollen in der
Halbleiterindustrie die chipproduzierenden Maschinen neuen Typs stehen
und 30 Nanometer kleine Strukturen erzeugen. „Weltweit entwickeln
diverse Arbeitsgruppen mit Hochdruck die verschiedenen Komponenten
weiter“, berichtet Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Peter Loosen vom
Lehrstuhl für Technologie optischer Systeme der RWTH Aachen. Mit
ihrem Industriepartner Philips feilen die Aachener Wissenschaftler an
der EUV-Lichtquelle, mehrere Prototypen sind bereits im Einsatz. Sie
werden im belgischen Leuven und in Albany nahe New York in den beiden
ersten Forschungsmaschinen getestet. „Die praktischen Versuche
helfen uns, das Produkt permanent zu verbessern. Bis zum
Produktionsstart müssen wir die Strahlungsleistung beispielsweise
noch deutlich erhöhen“, so Dr. Willi Neff, Leiter der
Plasmatechnologie am Aachener Lehrstuhl.
Das gesamte Herstellungssystem wird geändert
Neff und seine Kollegen erzeugen EUV-Licht, indem sie Zinn in einem
Plasma derart stark aufheizen, dass dieses entsprechende Strahlung
abgibt. Sie müssen dabei das 200.000 Grad heiße Plasma so
beherrschen, dass die EUV-Quelle eine hohe Zuverlässigkeit und
lange Lebensdauer hat. „Die Strahlungsquelle wird in der
Chipherstellung ununterbrochen im Einsatz sein“, erläutert
Neff. „Ungeplante Produktionsstopps wegen defekter Komponenten
sind teuer. Daher dürfen bis zum nächsten Wartungsintervall
keine Verschleißerscheinungen auftreten.“
Um die Strukturen in der Halbleiterindustrie zu verkleinern, muss
allerdings nicht nur die Strahlungsquelle ausgetauscht werden. Das
gesamte Herstellungssystem wird verändert, denn EUV-Licht mit
einer Wellenlänge von 13.5 Nanometern ist nicht mehr sichtbar. Der
erforderliche Belichtungsprozess findet im Vakuum statt. Die
kurzwellige Strahlung lässt sich nicht wie bisher durch Linsen auf
den Rohling lenken, um diesen wie bei einer Fotografie zu belichten und
dabei mit Leiterstrukturen zu versehen. Bei der Chip-Produktion der
nächsten Generation ersetzen hochreflektierende Spiegel die
Linsen, die den EUV-Strahl auf den Rohling lenken. Auch das
Zusammenspiel der Spiegel und der EUV-Lichtquelle wird derzeit getestet
und optimiert: „Um die EUV-Strahlen zielgerichtet auf einen
Träger zu bringen, kommen Mehrschichtspiegel aus
Molybdän/Silizium-Schichten zum Einsatz“, beschreibt Loosen.
Diese reflektieren allerdings nur etwa 70 Prozent des kostbaren Lichts,
was zu den hohen Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der
Lichtquellen führt.
Auch Wissenschaftler aus dem mit der RWTH kooperierenden
Forschungszentrum Jülich interessieren sich für Anwendungen
der innovativen EUV-Lichtquelle. „Dank der Jülich-Aachen
Research Alliance JARA können wir zusätzliche Erkenntnisse
gewinnen, die in die Entwicklungen einfließen“, betont
Professor Loosen. Die JARA wurde im August 2007 gegründet. Sie
institutionalisiert und intensiviert die Zusammenarbeit zwischen der
RWTH Aachen und dem außeruniversitären Forschungszentrum
Jülich auf vielen wissenschaftlichen Gebieten unter einer
partnerschaftlichen Führung. JARA ist ein wesentlicher Bestandteil
des Zukunftskonzepts der RWTH im Rahmen der Exzellenzinitiative.
Autor
Ilse Trautwein
Infos: Univ.-Prof. Dr. Peter
Loosen, Lehrstuhl für Technologie optischer Systeme, Tel.
0241/8906162, E-Mail: peter.loosen@ilt.fraunhofer.de