Die dauerhafte Stabilität lasergestützter
Bearbeitungsprozesse stellt auch heute noch ein erhebliches Problem
dar. Insbesondere bei höheren Leistungen kann aufgrund thermischer
und anderer Effekte von den Laserherstellern nicht immer eine Garantie
für einen zeitlich konstanten und gleichmäßig geformten
Strahl gegeben werden. Daher sind on-line-Diagnosetechniken zur
Erfassung des Laserstrahls sowie standardisierte Methoden zur
Auswertung relevanter Strahlkenngrößen oft unverzichtbar, um
Laser auch über längere Zeiträume stabil betreiben zu
können.
Im April trafen sich am Laser-Laboratorium Göttingen rund 50
Experten aus Forschung und Industrie, um Messverfahren sowie neuere
Entwicklungen in der Diagnostik, Propagation und Formung von
Laserstrahlung zu diskutieren. Zum Forum "Charakterisierung von
Laserstrahlung" hatte PhotonicNet, das niedersächsische
Kompetenznetz für Optische Technologien, eingeladen.
Umfassende Charakterisierung mit nur einer Messung
Im Mittelpunkt der acht Fachvorträge stand insbesondere die
Strahldiagnostik mit dem Hartmann-Shack-WellenfrontSensor, der für
kohärente Quellen eine vollständige Charakterisierung des
Strahlpropagationsverhaltens erlaubt und wichtige
Strahlkenngrößen wie Durchmesser, Divergenz und M² in
Echtzeit liefern kann - alternativ zur Kaustikmessung nach ISO. Damit
ist zum Beispiel auch eine Vorhersage der Intensitätsverteilungen
an verschiedenen Stellen entlang der Strahlachse sowie im Fernfeld oder
der Strahltaille möglich, wie für verschiedene Klassen von
Lasern demonstriert werden konnte. Das Verfahren weist Vorteile vor
allem bei gepulster oder aber zeitlich fluktuierender Laserstrahlung
auf, da eine einzige Messung genügt, um gleichzeitig
Intensitäts- und Richtungsverteilung zu erfassen. Rüdiger
Grunwald vom Max-Born-Institut in Berlin zeigte, dass
Hartmann-Shack-Sensoren auch zur Charakterisierung ultrakurzer
Femtosekundenlaser eingesetzt werden können. So ist mit Hilfe
spezieller Mikrolinsen-Konfigurationen eine ortsaufgelöste
Pulslängenmessung realisierbar.
Bernd Eppich vom Ferdinand-Braun-Institut behandelte in seinem Vortrag
die Messung und Auswertung der vier-dimensionalen Wignerverteilung, die
über die Kohärenzfunktion die vollständige Beschreibung
der Propagation auch bei teilkohärenter Strahlung erlaubt. An Hand
von Beispielen aus der industriellen Praxis wurden zudem die verwandten
Themen Strahlformung und Homogenisierung durch
Strahlführungsoptiken (ray-tracing, Optik-Design) angesprochen,
und zwar sowohl für Festkörperlaser als auch für
Excimerlaser im UV-Spektralbereich.
Extreme Anforderungen bei Hochleistungslasern
Einen neuartigen Sensor zur Strahlprofildiagnostik von
Hochleistungs-CO2-Lasern stellte die junge Firma CINOGY vor. Die
Technologie basiert auf einem speziellen Bildwandler mit großer
Empfindlichkeit und einer Ortsauflösung im Mikrometerbereich.
Abgerundet wurde das Spektrum des Forums in einem Vortrag zur
besonderen Problematik der Strahlcharakterisierung an dem im
EUV-Spektralbereich emittierenden Freien Elektronen-Laser (FLASH /
DESY), in Hamburg. Hier stellt die Kombination aus hohen Leistungen,
Femtosekunden-Pulsdauern und Wellenlängen im Bereich weniger
Nanometer extreme Anforderungen an die bei der Messtechnik verwendeten
Materialien. Bei den sich anschließenden
Gerätedemonstrationen zeigte das LLG u.a. die quantitative
Vermessung thermischer Linsen mit einem hochempfindlichen
Wellenfrontsensor. Mit dieser Neuentwicklung lassen sich schnelle und
präzise Absorptionsmessungen an optischen Komponenten für
Hochleistungslaser durchführen.
In guter Nachbarschaft
Die Besichtigung des Laser-Laboratoriums vermittelte den Teilnehmern
einen guten Einblick in die aktuellen Entwicklungen an diesem
bedeutenden niedersächsischen Laser-Forschungsstandort.
Angesiedelt am Nordcampus der Universität mit Physik-Instituten
und anderen naturwissenschaftlichen Fakultäten, liegt das LLG auch
in unmittelbarer Nachbarschaft zum Max-Planck-Institut für
biophysikalische Chemie und dem Universitätsklinikum.
Göttingen bietet darüber hinaus eine hohe Dichte von
Unternehmen der Optischen Industrie mit Marktführern wie Coherent,
Carl Zeiss und LINOS Photonics. Eine gute Grundlage für den
zielgerichteten Dialog und Kooperationen zwischen Wissenschaft und
Wirtschaft.
Eine überaus positive Resonanz auf das PhotonicNet-Forum zur
Laserstrahl-Charakterisierung hat die große Relevanz der
angesprochenen Thematik verdeutlicht. Aus diesem Grund ist eine
Fortsetzungsveranstaltung geplant.