Klebstoffe halten die Linsen in optischen Geräten an Ort und
Stelle. Setzt man Mikroskope und Kameras im Vakuum ein, führt das
oft zu Problemen: Die Kleber können ausgasen und die Linsen
verschmutzen. Eine Alternative ist, die Linsen zu löten.
Werden Kameras und Mikroskope im Vakuum eingesetzt, macht ihnen das
mitunter zu schaffen. Der Grund: Die Linsen und Prismen werden meist
geklebt. Im Vakuum gasen die Klebstoffe aus, die Moleküle lagern
sich auf den Linsen ab und verändern deren optische Eigenschaften.
Auch bei hohen Temperaturen oder bei Lasern im UV-Bereich machen
die Klebstoffe Probleme: Sie werden weich oder spröde, die
optischen Komponenten können um einige Mikrometer verrutschen.
Forscher des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Optik und
Feinmechanik IOF in Jena haben nun gemeinsam mit Ingenieuren von der
Firma Pac Tech GmbH in Nauen eine Alternative entwickelt. »Wir
löten die optischen Komponenten, statt sie zu verkleben«,
sagt Dr.-Ing. Erik Beckert, Gruppenleiter am IOF. »Die Vorteile:
Das Material, das dazu verwendet wird – der Lot – ist
temperatur- und strahlungsstabil und leitet darüber hinaus
Wärme und Strom.« Um den Lot genauso flexibel wie Klebstoff
auf die Linsen aufbringen zu können, haben die Forscher das
Verfahren des ‚Solder bumping’ aus der Elektronikfertigung
angepasst: In einem Dosierkopf befinden sich kleine Lotkugeln. Sie
rutschen einzeln in einen Trichter, wo ein Laserstrahl sie erhitzt und
verflüssigt. Durch einen Stickstoff-Druckimpuls werden die
flüssigen Lottropfen dorthin geschossen, wo sie die Optiken
befestigen sollen. Auf der Linse kühlt der Lot innerhalb weniger
Millisekunden ab und verfestigt sich. »Das Verfahren ist
automatisierbar und sehr flexibel. Wir können den Lot nach unten,
aber auch in verschiedenen Winkeln applizieren und an Stellen
aufbringen, die schwer zugänglich sind«, sagt Beckert.
Solder bumping ist wesentlich schneller als Kleben: Das Aufbringen des
Klebstoffs dauert mit dem Aushärten 10 bis 30 Sekunden, mit der
Löttechnik braucht man weniger als eine Sekunde. Damit das Lot auf
den Glaslinsen hält, müssen sie vorher metallisiert werden,
etwa in einem Sputterprozess, der sich im großen Maßstab
durchführen lässt.
Eine Besonderheit des Solder bumping: Es kommt ohne Flussmittel aus.
»Üblicherweise sorgt Flussmittel dafür, dass das Lot
das Metall gut benetzt. Im Vakuum würden die Reste dieses
Flussmittels jedoch ausgasen – ähnlich wie die Klebstoffe.
Die Optik müsste also vor dem Einsatz aufwändig gereinigt
werden. Dies entfällt bei der flussmittelfreien Variante«,
sagt Beckert. In etwa ein bis zwei Jahren soll das System in der
Produktion einsatzbereit sein, hofft Beckert.