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| Das Messsystem im Einsatz. In der Fertigungsstraße wird die komplette Oberfläche auf Defekte geprüft. (Quelle: BMW) | |
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Die Erkennung von Oberflächenstrukturen und Defekten spielt bei
der Prozess- und Qualitätskontrolle eine wichtige Rolle. Die
Projektion eines Streifensystems auf eine glänzende
Oberfläche macht Formabweichungen und Fehler im reflektierten
Licht sichtbar. Die Analyse der Spiegelbilder erlaubt die sichere
Erkennung von Formabweichungen und Defekten auf der Oberfläche bis
in den Nanometerbereich.
Fehler in der Oberfläche von glänzenden Objekten werden vom
Auge wahrgenommen und setzen die Qualität des Produktes herab.
Häufig gestaltet sich die Bewertung der Fehler als schwierig, weil
sie teils manuell vorgenommen wird und schwer automatisierbar ist. Die
Deflektometrie ist ein automatisches optisches Verfahren zur
industriellen Fehlerauswertung von glänzenden Oberflächen,
mit dem zuverlässig und schnell qualitative und quantitative
Rückschlüsse auf die Form, die Oberflächenstruktur und
die Defekte möglich sind.
Das Messprinzip besteht darin, dass ein System von geraden Streifen mit
einer sinusförmigen Kontrastverteilung generiert wird, das auf das
zu prüfende Objekt projiziert wird. Das Streifensystem wird z.B.
auf einem Schirm mit weißen Leuchtdioden erzeugt. Auf dem Objekt
vorhandene Krümmungen der Oberfläche deformieren die lineare
Ausrichtung der Streifen und ergeben ein mehr oder weniger verformtes
Bild. Die reflektierten Streifen werden mit einer Kamera aufgenommen.
Als Messdaten werden die Winkel der Oberflächennormalen zur
lokalen Krümmung der reflektierten Streifen ausgewertet. Diese
werden in einem Rechner mit einer speziellen Software verarbeitet.
Bei der Analyse der Bilddaten werden unterschiedliche Fehler sicher
erkannt und eindeutig unterschieden. Während eine Delle eine
geringe Änderung der Oberflächenkrümmung über einen
vergleichsweise großen Bereich verursacht, ist die
Krümmungsänderung bei einem Einschluss über einen
kleinen Bereich sehr groß. Daher sind die eingesetzten
Algorithmen zur automatischen Fehlerbewertung und Klassifizierung sehr
komplex.
Je nach dem, wie stark ein Objekt reflektiert, sind auch
unterschiedliche Schwarz-Weiß-Kontraste nötig. Mit dem
Einsatz von Objektiven mit größerer Brennweite in Verbindung
mit angepassten Streifenmustern ist es möglich, Auflösungen
bis in den Bereich von zehntel Mikrometer bis Nanometer zu erreichen.
In Abhängigkeit von der Displaygröße und der
Auflösung der Kamera kann in einem Messvorgang nur eine begrenzte
Fläche des Objekts untersucht werden. Deshalb kann bei
größeren Objekten eine komplette
Oberflächenprüfung notwendig sein.
Ein Beispiel für Objekte in der Größenordnung von
Automobilkarossen ist das System RC-Robotic der Firma Micro-Epsilon
(Bild). Hier befindet sich der optische Teil des Messsystems als Sensor
an einem Roboter. Ein Messvorgang deckt etwa eine Fläche von 80 x
60 cm2 ab. Der Roboter bewegt das Messsystem an verschiedenen
Positionen um das zu inspizierende Objekt herum. Die vollständige
Prüfung einer Automobilkarosse wird auf einer industriellen
Fertigungsstrasse in Taktzeit mit vier RC-Robotic innerhalb von 60
Sekunden durchgeführt. Im Anschluss daran werden die entdeckten
Defekte durch Markierroboter am Objekt angezeichnet.
Die Deflektometrie ist generell geeignet zur Vermessung aller
spiegelnden Oberflächen, z.B. in der Automobilindustrie, der
Flugzeugindustrie, der Lackindustrie sowie auch für Solarzellen
und Flüssigkeiten. Mehrere Forschungsinstitute wie das Bremer
Institut für angewandte Strahltechnik (BIAS), das
Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik sowie
die Hochschule Ravensburg-Weingarten arbeiten auf diesem Gebiet. Das
BIAS hat für seine Software "Zebra" zur Streifenauswertung den
"Innovationspreis Lasertechnik 2007" bekommen. Diese recht
preisgünstige berührungslose optische Messtechnik wird auch
auf Anwendung für runde und zylindrische Objekte untersucht.