Albert Einstein wird oft mit der Erfindung des Lasers in Verbindung
gebracht. Darin steckt schon etwas Wahrheit, aber nicht die ganze
Wahrheit.
Albert Einstein wird Vieles zugeschrieben. Seine berühmte
Gleichung
E =
mc2 wird gelegentlich als der Schlüssel zum Bau der
Atombombe bezeichnet, und manchen gilt Einstein auch als der Erfinder
des Lasers. Was ist davon zu halten?
In einer seiner wichtigsten Veröffentlichungen ("Zur
Quantentheorie der Strahlung") hat Einstein bereits in 1917 den Prozess
der stimulierten Emission beschrieben. Hiernach kann ein Lichtquant,
welches ein Atom (oder Ion oder Molekül) trifft, diesem nicht nur
in einem Absorptionsprozess Energie zuführen, sondern umgekehrt
auch ein bereits vorher schon angeregtes Atom wieder in einen Zustand
tieferer Energie versetzen. Im letzteren Fall entsteht aus der dem Atom
entnommenen Energie ein zusätzliches Lichtquant. Ein
entscheidender Aspekt ist Einsteins Erkenntnis, dass sich dieses
Lichtquant in die gleiche Richtung bewegen sollte wie das
ursprünglich einfallende. Hiermit haben wir einen
Verstärkungsprozess: Aus einem Lichtquant mache zwei, bzw. aus
einem schwachen Lichtstrahl einen stärkeren. Weiterhin hat
Einstein erkannt, dass in einem Ensemble von Atomen eine
Netto-Verstärkung nur auftreten kann, wenn eine
"Besetzungsinversion" erreicht wird: Der obere Energiezustand muss
stärker bevölkert sein als der untere, damit die stimulierte
Emission und nicht die Absorption überwiegt. Dieser Zustand wird
oft durch "optisches Pumpen" z. B. eines Laserkristalls erreicht - eine
Technik, deren Erfindung Alfred Kastler zugeschrieben wird.
Für einen Laser braucht man freilich noch mehr: einen "Resonator",
in dem ein Lichtstrahl umläuft, wobei ein Verstärkungsmedium
die Energieverluste pro Umlauf mindestens ausgleichen kann. Das Prinzip
wurde zunächst mit Mikrowellen demonstriert
(→
Maser), und
durch die bahnbrechenden Arbeiten von Schawlow, Townes und Maiman um
ca. 1960 konnte es auch auf Licht angewandt werden.
Nachdem die Arbeiten zwischen 1917 und 1960 sicherlich etwas mehr als
nur kleine Details geklärt haben, muss es als reichlich
übertrieben bezeichnet werden, Einstein als den Erfinder des
Lasers darzustellen. Tatsächlich hat er die wohl wichtigste
physikalische Grundlage des Lasers - den Prozess der stimulierten
Emission - erkannt; dies übrigens durch theoretische
Überlegungen, nicht durch Beobachtung physikalischer
Vorgänge. Zum Laser war es danach immer noch ein weiter Weg.
Mit der Atombombe war es übrigens ähnlich. Gemäß
der Gleichung
E =
mc2 sollte sehr viel Energie frei werden, wenn auch
nur ein paar Gramm Materie in Energie verwandelt werden. Dies ist
zweifellos eine höchst bedeutende Erkenntnis. Trotzdem: Einen Weg
zu finden, der diese Umwandlung tatsächlich ermöglicht, ist
immer noch eine andere Sache. Ein solcher Weg ergab sich aus der
Entdeckung der Kernspaltung durch das Team von Lise Meitner, Otto Hahn
und Fritz Strassmann 1938, sowie insbesondere durch die bald danach
erkannte Möglichkeit einer nuklearen Kettenreaktion. Insofern hat
Einstein mit der Atombombe viel eher wegen seines berühmten Briefs
an Roosevelt zu tun als wegen seiner Gleichung. Und Max Planck
könnte zwar eine Gleichung vorweisen (
E =
hν), aber keinen Brief,
und gilt auch nicht als der Vater des Lasers, sondern höchstens
zusammen mit Einstein als der Vater des (später von Gilbert N.
Lewis so benannten) Photons.
AutorDr. Rüdiger Paschotta, RP Photonics Consulting GmbH
Internet: http://www.rp-photonics.com/
Dr.
Paschotta ist Experte auf den Gebieten Laser und Verstärker,
nichtlineare Optik, Faseroptik und ultrakurze Laserpulse. Über
seine Firma RP Photonics Consulting GmbH unterstützt er Firmen im
Bereich der Lasertechnik und Photonik mit Produktdesigns,
Machbarkeitsstudien, unabhängigen Beurteilungen sowie
maßgeschneiderten Schulungen.