Jens Bleher, Geschäftsführer TRUMPF Geschäftsfeld
Lasertechnik, über den optimalen Laser in der Materialbearbeitung
und die Frage, warum ein Unternehmen wie TRUMPF seinen Kunden die ganze
Bandbreite der Lasertechnologien anbieten muss.
Welche Laserstrahlquelle wird in Zukunft vorwiegend in der Materialbearbeitung eingesetzt werden?
Jens Bleher: Wir sind derzeit nicht der Ansicht, dass es in der nahen Zukunft eine
„disruptive technology“ geben wird, also eine neue
Lasertechnologie, die alle anderen Strahlquellen ersetzen wird. Auch
zukünftig wird eine große Bandbreite an unterschiedlichen
Lasertechnologien im Einsatz sein. Ein Laser-Hersteller muss daher die
ganze Vielfalt beherrschen und seinen Kunden die relevanten
Technologien anbieten können. Deshalb setzt TRUMPF auf alle
Lasertechnologien und bietet seinen Kunden für jede Applikation in
der Materialbearbeitung den passenden Laser an. Damit ist TRUMPF das
Unternehmen mit dem breitesten Spektrum an Laserstrahlquellen –
vom CO2-Laser über Scheibenlaser, Stablaser bis zum Faserlaser.
Damit unterscheiden wir uns von vielen Mitbewerbern im Markt, die
teilweise nur eine oder zwei Plattformen anbieten und diese dann
natürlich als das Maß aller Dinge anpreisen.
Welche Technologie hat in Ihren Augen die Nase vorne? Faser oder Scheibe? CO2 oder Festkörper?
Jens Bleher: Um eines klarzustellen: Wir führen keine Entweder-Oder-Diskussion.
Die differenzierte Betrachtung der Anwendungen zeigt, dass es nicht den
einen optimalen Laser in der Materialbearbeitung gibt. Jede Technologie
hat ihre Stärken, die wir im Sinne des Kunden und der jeweiligen
Applikation gezielt einsetzen müssen. Daher gilt
grundsätzlich in der Lasertechnik: Unterschiedliche Anwendungen
stellen unterschiedliche Anforderungen an die Strahlquelle und das
Produktionssystem. Dies ist in unseren Augen der entscheidende Punkt,
auf den wir uns konzentrieren müssen.
Wann empfehlen Sie ihren Kunden einen Scheibenlaser, wann den Faserlaser?
Jens Bleher: Höhere Leistungen sind und bleiben ganz klar die Domäne des
Scheibenlasers. Er ist für industrielle Anwendungen im hohen
Multikilowatt-cw-Leistungsbereich das richtige Konzept. Die Scheibe ist
eine robuste und leicht skalierbare Plattform, die es ermöglicht,
kostengünstig gute bis sehr gute Strahlqualität zu erzeugen.
Dort steckt für die Zukunft noch sehr viel Potenzial.
Der Faserlaser ist vor allem in niedrigen Leistungsbereichen bis zu
mehreren hundert Watt eine gute Technologie. Damit eignet er sich immer
dort für das Schweißen und Schneiden, wo sehr feine Konturen
in dünnen Blechen gefragt sind. Dafür bieten wir unseren
Kunden den TruFiber 300 an. Andererseits bietet aber auch der
Scheibenlaser sehr schöne Möglichkeiten, wenn der Anwender
sehr kurze und hohe Pulsspitzenleistungen erzielen
möchte.
Warum unterteilen Sie eigentlich die verschiedenen Technologien nach Leistungsklassen?
Jens Bleher: Es gibt Applikationen, welche die eine Technologie besser kann als die
andere. Dies schließen wir aus eigenen Erkenntnissen und den
Applikationserfahrungen unserer Kunden. Derzeit sind wir der
Auffassung, dass man mit der 1 µm-Wellenlänge der
Festkörperlaser im Vergleich zu den 10 µm des CO2-Lasers aus
physikalischen Gründen nicht optimal schneiden kann. Dies gilt vor
allem für dickere Bleche.
Die Universalschneidmaschine basiert derzeit auf der CO2-Technologie,
auch, weil beim CO2-Laser aufgrund der jahrzehntelangen Anwendung die
Schneiderfahrungen und Prozesskenntnisse deutlich größer
sind. Wenn der Anwender ausschließlich Dünnbleche und Folien
schneiden möchte, kann ein Festkörperlaser aufgrund der
Geschwindigkeitsvorteile durchaus interessant sein.
Daher bieten Sie auch ein Schneidsystem auf Festkörperbasis an?
Jens Bleher: Wir würden unserer Rolle als Technologieführer nicht gerecht,
wenn wir nicht auch Schneidsysteme mit einem Festkörperlaser
für 2-D- und 3-D-Anwendungen anbieten würden. Dies tun wir
übrigens schon seit mehr als zwei Jahrzehnten und haben hier einen
Marktanteil von mehr als 50 Prozent. Die Kunden stammen vor allem aus
Bereichen, die ausschließlich Dünnbleche mit einer hohen
Geschwindigkeit schneiden. Und genau hier spielt der
Festkörperlaser seine Vorteile aus.
Welche Anforderungen sollte ein Laser erfüllen, um mit ihm effizient schneiden zu können?
Jens Bleher: Der Schneidprozess muss sehr robust sein und der Anwender möchte
mit der Maschine alle möglichen Bleche flexibel bearbeiten
können – auch in kleinen Losgrößen. Daher muss
eine Laserschneidanlage ein sehr breites Bearbeitungsspektrum
ermöglichen. Zudem muss der Laser dem Anwender eine hohe
Prozesssicherheit garantieren. Und auch ein ausreichend großer
Schnittspalt ist wichtig, um die Bauteile sicher vereinzeln zu
können.
Wer also in der Blechbearbeitung flexibel sein möchte, setzt nur noch CO2-Laser ein?
Jens Bleher: So einfach ist es dann doch nicht. Die Bedeutung von
Festkörperlasern auch in der flexiblen Blechbearbeitung wird
zunehmen. Und dies nicht nur beim Schneiden, sondern vor allem beim
Schweißen. Unsere Kunden erkennen zunehmend das
Laserschweißen als wirtschaftlich sinnvolle Ergänzung in der
Prozesskette Blech – überwiegend beim Fügen dünner
bis mittel dicker Bleche von 0,6 bis 6 mm. Hier eignen sich
Festkörperlaser vor allem aufgrund ihrer
Lasernetzwerkfähigkeit.
Für Schweißanwendungen, die eine hohe Strahlqualität
bei Leistungen im Multikilowatt-Bereich erfordern, zum Beispiel beim
Remote-Schweißen in der Automobilindustrie oder bei schlanken und
tiefen Nähten, sind Scheibelaser – wie etwa aus unserer
TruDisk Baureihe – das richtige Konzept.
Die Gründe sind vor allem technischer Natur: Beim Scheibenlaser
bleibt – anders als beim Faserlaser – die Leistungsdichte
im Inneren des Resonators auch bei hohen Leistungen weit unterhalb der
kritischen Zerstörquelle des Lasermediums. Durch die
bauartbedingte Unempfindlichkeit gegenüber Rückstrahlungen
muss der Anwender zudem beim Scheibenlaser keinen Ausfall der
Strahlquelle befürchten, falls eine Rückreflexion vom Bauteil
erfolgt. Daher ermöglicht der Scheibenlaser eine bessere
Anlagennutzung und damit eine deutlich bessere Produktivität.
Auf welcher Technologie wird der Laser der Zukunft basieren?
Jens Bleher: Die Schlüsseltechnologie der nahen Zukunft ist ohne Frage die
Diode. Diodengepumpte Festkörperlaser, aber auch der
Dioden-Direktlaser, werden in unseren Augen eine zunehmend wichtigere
Rolle spielen. Die Diode wird somit zum zentralen Element für alle
Laser. Um es genauer zu sagen: Sie ist es bereits!
Entscheidend ist daher, sich die nötige Kompetenz beim Thema Diode
anzueignen. Wichtige Stichworte sind die Halbleitertechnik und
Konfektionierung. Hier baut TRUMPF schon seit vielen Jahren das
nötige Know-how auf, um auch zukünftig Technologieführer
bei den industriellen Lasern und Lasersystemen zu sein.