Mehr als 50 hochrangige Wissenschaftler aus 9 EU-Staaten und Russland
waren in Jena zu Gast, um zusammen mit ihren Kollegen vom Institut
für Photonische Technologien (IPHT) das europäische
Exzellenznetzwerk für Biophotonik "photonics4life" mit einer
festlichen Veranstaltung aus der Taufe zu heben. Das Netzwerk ist ein
von der EU innerhalb des 7. Rahmen-programms mit 4 Mio. Euro
geförderter Zusammenschluss von 13 erst-klassigen
Forschungseinrichtungen, die sich die Aufgabe gestellt haben, die
Potentiale der Biophotonik in Europa bestmöglich zu
erschließen. Auch Jenas Oberbürgermeister Dr. Albrecht
Schröter ließ es sich nicht nehmen, zu diesem Anlass die
internationalen Gäste persönlich in der Stadt der
Wissenschaft 2008 zu begrüßen.
Mit Hilfe modernster optischer Technologien soll die
Gesundheitsversorgung zukünftig dahingehend optimiert werden, dass
Diagnose und Behandlung bei Volkskrankheiten wie Krebs und Infektionen
individuell auf den einzelnen Patienten zugeschnitten werden
können. Die Biophotonikforschung gibt der Medizin dafür die
notwendigen Werkzeuge an die Hand und ermöglicht gleichzeitig
hocheffiziente und dennoch bezahlbare Therapiemöglichkeiten.
Sowohl wissenschaftlich als auch wirtschaftlich wird dem Gebiet der
Biophotonik für die nächsten Jahre ein Boom vorausgesagt.
"Die Herausforderungen, die dabei an die Wissenschaftler gestellt
werden, sind nicht zu unterschätzen", erläuterte Prof. Dr.
Jürgen Popp, Koordinator von photonics4life. "Zum einen
verknüpft die Biophotonik so unterschiedliche Disziplinen wie
Physik, Chemie, Biologie, Ingenieurwissenschaften und Medizin. Zum
anderen ist die Forschung noch immer zu stark an der Technik und zu
wenig an ihren Anwendern orientiert. Häufig wissen
Grundlagenforscher und Entwickler nicht genau, was behandelnde
Ärzte und deren Patienten tatsächlich benötigen", so
Popp. "Um dies erfolgreich überwinden zu können, ist es uns
ein besonderes Anliegen, Wissenschaftler, Ingenieure, Mediziner und
Unternehmen zusammenzubringen und eng in den Entwicklungsprozess
einzubeziehen." Die Forschungsaktivitäten auf dem Gebiet der
Biophotonik sollen so gebündelt und die daraus abgeleiteten
Erkenntnisse so zusammengeführt werden, dass durch optimalen
Wissenstransfer die Möglichkeiten, die optische Technologien der
Medizin eröffnen, auch tatsächlich in der Praxis ankommen.
Prof. Dr. Jürgen Popp, der das Netzwerk leitet, ist
wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Photonische
Technologien (IPHT) Jena und Direktor des Instituts für
Physikalische Chemie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Die Vizekoordinatoren des Exzellenznetzwerks sind Prof. Gert von Bally
von der Universität Münster sowie Prof. Dr. Hugo Thienpont
von der Freien Universität Brüssel. "Die Partner unseres
Netzwerks sind Spitzenforscher aus unterschiedlichen wissenschaftlichen
Bereichen und von namhaften Forschungseinrichtungen - allesamt
führend auf dem Gebiet der Biophotonik", bestätigte Popp,
"gemeinsam werden wir im Rahmen eines starken europäischen
Netzwerks gezielt innovative Ideen umsetzen und unsere Kraft in den
Dienst der Gesundheit und einer verbesserten Lebensqualität
stellen."
Das Koordinationsteam, das die logistische und finanzielle Organisation
aller Aktivitäten übernimmt, ist am IPHT in Jena angesiedelt.
Von Thüringen aus werden somit zukünftig Entscheidungen mit
weitreichenden Dimensionen getroffen. Jena wird damit zu einer Art
Keimzelle der europäischen Biophotonikforschung und führt den
traditionsreichen Weg der Region im Bereich der optischen Technologien
fort.