Wohl die meisten Menschen wünschen sich mehr Schlagfertigkeit,
insbesondere bei verbalen Angriffen. Oft bleibt einem aber nur die Luft
weg. Oder man reagiert mit einem zu heftigen Gegenschlag. Intelligent
schlagfertig zu sein, fällt schwer, weil unter Anspannung eine Art
‚Autopilot’ im Hirn unser Handeln bestimmt, nicht der klare
Verstand. Bevor wir merken, was da schon wieder passiert, ist die
Möglichkeit, souverän und schlagfertig zu handeln, meist
schon vorbei.
Die gute Nachricht: In allen Lebenslagen souverän zu bleiben,
lässt sich lernen. Wesentlich ist es zunächst, sich
bewusst zu machen, in welchen Situationen der Autopilot aktiv wird,
etwa wenn man alles gleich persönlich nimmt, auf Kritik
dünnhäutig reagiert oder wenn man bei einem Konflikt am
liebsten gleich im Erdboden versinken möchte. Möglich ist
dies mit der Technik der inneren Achtsamkeit, erklären die beiden
Autorinnen. Fragen, wie „Was geht jetzt in mir vor?“
„Wie verhalte ich mich normalerweise?“ „Wie wirkt
dieses Verhalten nach außen?“ „Was wäre jetzt
konstruktiver?“, erleichtern es, die Aufmerksamkeit nach innen zu
richten und wahrzunehmen, welche Gefühle gerade dominieren.
Den Tunnelblick wieder weitenWer auf diese Weise rechtzeitig merkt, „jetzt springt der
Alligator in mir an“, kann nachhaltigen Schaden verhindern. Der
innere Beobachter meldet dann: „Ah, das nehme ich
persönlich. Da ist jemand über meine Grenzen gegangen.“
Diese Erkenntnis ermöglicht es, Distanz zum Geschehen zu schaffen.
Zwei „Strategien der Weisheit“ haben sich dabei besonders bewährt:
- Erstens, die Vorbild-Strategie: „Überlegen Sie, wie
würde etwa der Dalai-Lama oder ein anderer von Ihnen
geschätzter weiser Mensch reagieren?
- Oder zweitens, Sie
überlegen, was Ihnen wirklich wichtig ist im Leben?“ Beide
Strategien helfen, die eigene innere Gelassenheit zu aktivieren, die
Verstrickung in der Situation soweit zu lösen, dass sich der
„Tunnelblick“ wieder weitet und man selbst ruhiger agieren
kann.
Schließlich macht es zum Beispiel einen enormen Unterschied, ob
jemand bei Kritik innerlich kocht und aus diesem Gefühl heraus
agiert („Dann machen Sie’s doch selber!“) oder ob man
weiß, dass der andere jetzt einen wunden Punkt getroffen hat und
man am liebsten hochgehen würde, nun aber durch gezieltes Training
bewusst durchatmet und gelassen etwa zurückfragt: „Was genau
gefällt Ihnen denn nicht an meiner Idee?“
Wie ein Adler fühlen
Mithilfe der inneren Aufmerksamkeit lässt sich der Autopilot
wirksam abschalten. Doch genauso wichtig ist es, sukzessive neue,
konstruktive Gewohnheiten als automatische Reaktion im Gehirn zu
verankern. Wem das utopisch erscheint, sei gesagt, dass die
Möglichkeit, Verhaltensweisen neu zu modellieren, schon seit
langem wissenschaftlich erwiesen ist. Durch wiederholtes Anwenden der
neuen Verhaltensweisen verändert sich die Struktur des
Nervensystems – und damit verändern sich auch unsere
Gewohnheiten.“
Klar, alte Gewohnheiten sind hartnäckig. Und zu beachten ist: Auch
wenn man daran arbeitet, Verhaltens- und Denkmuster zu ändern,
sollten das bisherige Muster nicht einfach als „falsch“
abgetan werden. Besser ist es zu akzeptieren, dass die bisherigen
Muster irgendwann wichtig waren, zum Beispiel als eine Art
Schutzschild, oder von einem Vorbild (unbewusst) übernommen wurden.
Meister der intelligenten SchlagfertigkeitNeue Denk- und Verhaltensmuster zu verankern, erfordert in jedem Fall
viel Übung. Aber der Aufwand lohnt sich! Vor allem die
Körperhaltung, Atmung und inneren Bilder spielen eine wichtige
Rolle beim neu modellieren von Verhaltensweisen. Die Körperhaltung
etwa wirkt unmittelbar darauf, wie sich jemand fühlt und
beeinflusst auch die Wirkung im sozialen Umfeld. Der Erfolg ist umso
größer, wenn eine bestimmte Körperhaltung mit
entsprechenden inneren Bildern, Sätzen oder früheren
Erfolgserlebnissen verknüpft wird. Zum Beispiel kann dies
folgendes Bild sein: „Ich fühle mich wie ein Adler, der
gelassen in der Luft schwebt.“
Niemand ist also unbewussten Verhaltensweisen und lange geprägten
Reaktionen hilflos ausgeliefert. Um das Steuer selbst in die Hand zu
nehmen, ist es nie zu spät. Allerdings verhält es sich wie
mit dem Autofahren. Am Anfang wirkt es noch mühsam, bei jeder
Handlung muss noch nachgedacht und die nötigen Bewegungen bewusst
ausgeführt werden. Mit der Zeit tritt jedoch Routine ein und das
Verhalten automatisiert. Wie bei jeder Form von Verhaltensmodifikation
gilt daher die Devise: üben, üben, üben.
Quelle
Christine Lehner, Sabine Weihe
Limbic Mind – Die intelligente Schlagfertigkeit
Souverän und gelassen, auch wenn´s heikel wird
1. Auflage, BusinessVillage 2008
ISBN 9783938358641; 21,80 €
http://www.amazon.de/dp/3938358645/
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