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| Ziehturm am Institut für Strahlwerkzeuge der Universität Stuttgart | |
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Die Strahlung von Hochleistungs-Lasern wird in Lichtleitkabeln an den
Ort der Bearbeitung geführt. Leistungen bis zu einigen Kilowatt
können in Fasern nahezu verlustfrei nur über 1- 3 m
übertragen werden. Anwender wie die Autoindustrie fordern 100 m
Transportlänge. Nichtlineare Effekte und Streuung führen zur
Zerstörung der Faser und begrenzen die übertragbare
Strahlungsleistung. Neue Fasern werden gebraucht.
Festkörperlaser, Scheibenlaser und Faserlaser werden immer
leistungsfähiger. Die erzeugte Strahlungsleistung wird mit
Lichtleitfasern vom Lasergerät zur Bearbeitungsstation geleitet,
die sich oft in einem robusten Industrieumfeld befindet. Die
Lichtleitung in Glasfasern geschieht durch Totalreflexion. Innerhalb
der Grenzfläche zwischen zwei transparenten Medien, dem Kern und
dem Mantel mit unterschiedlicher Brechzahl wird das Licht nahezu
verlustfrei reflektiert und durch die Faser geleitet. Die Brechzahl ist
im Inneren (Kern) einer Faser entlang der Achse groß und nimmt
nach außen hin entweder sprunghaft (Stufenindexfaser) oder
allmählich (Gradientenindexfaser) ab, indem ein sog. cladding mit
niedrigerer Brechzahl aufgebracht wird. Bei der Übertragung des
energiereichen Strahlungsfeldes eines Hochleistungslasers tritt eine
Wechselwirkung mit dem Material des Kerns durch elastische und
unelastische Streuung auf, die zusammen mit nichtlinearen Effekten wie
Multiphotonenabsorption die Übertragungseffizienz stark
herabsetzen und zur Zerstörung der Faser führen. Die heute
erreichte Transportlänge beträgt für die
Übertragung von 1 kW im Grundmode 5 m im nahen Infrarot, die Firma
IPJ Photonics Corp. gibt für 5 kW Grundmode eine Länge von 3
m an. Die Laserleistungen werden immer weiter gesteigert. Zur Messe
LASER´ 2005 wurde von der IPG ein 18 kW Faserlaser vorgestellt.
Durch den modularen Aufbau und die damit verbundene Skalierbarkeit der
Leistung war es zur LASER´2007 bereits möglich, einen 36 kW
Faserlaser zu bauen. Um diese Leistungen auszunutzen und industriell
anzuwenden, fordert z.B. die Autoindustrie Transportlängen von 100
m für gepulste Laserquellen zum Schweißen im time-sharing
Verfahren. Neuartige Fasern, die diese Anforderungen erfüllen,
müssen dringend entwickelt werden.
Ausgangsmaterial für die Glasfaserherstellung ist spezielles
Quarzglas, das durch verschiedene Abscheideverfahren in eine Preform
gebracht wird. Zum Ausziehen der Faser wird die Preform in einem Ofen
bis zum Schmelzpunkt bei 2150 o C erwärmt. Während des
anschließenden Ziehvorgangs von dem knapp zehn Meter hohen Turm
bleiben die geometrischen Verhältnisse der Preform erhalten, so
dass der Querschnitt der Faser ein verkleinertes Abbild der Preform
enthält. Beim Ziehvorgang wird die Faser zum Schutz mit weiteren
Schichten ummantelt. Durch eine differenzierte Gestaltung des Kerns und
der umgebenden Schichten kann Einfluss auf die verlustfreie
Lichtführung in der Faser genommen werden.
Am Institut für Strahlwerkzeuge der Universität Stuttgart
(IFSW) wurde eine neue Anlage für die Erforschung und Entwicklung
neuartiger Transportfasern für die Übertragung von
Hochleistungslaserstrahlung höchster Brillanz eingeweiht (Bild).
Hier sind mehrere interessante Projekte zur Überwindung der oben
genannten Begrenzungen geplant. Zunächst soll das Konzept der
"Solid core bragg fibers" erprobt werden. Hierbei wird der Kern der
Fasern mit 3 - 5 Schichten von genau abgestimmten Brechungsindizes
umgeben. Im Ergebnis bewirkt ein Interferenzeffekt die Stabilisierung
der Lichtführung. Dadurch werden Verluste vermieden. Ein weiteres
Projekt wird " Hollow Bragg Fibers" sein. Hierbei werden um den Kern
der Faser durchlöcherte konzentrische Ringstrukturen mit
alternierenden Brechungsindizes aufgebracht. Diese Fasern sollen nach
bereits vorliegenden Berechnungen polarisationserhaltend sein und um
einen Faktor 1000 geringere Verluste haben. Die neue Anlage wird dazu
beitragen, das Anwendungspotenzial vieler Laserstrahlquellen mit hoher
Leistung und bester Strahlqualität entscheidend zu erweitern.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die systematische Untersuchung
der speziellen Fasern für Hochleistungsübertragung. Als
Beispiel wird die Firma Fibertech im Rahmen eines gemeinsamen Projekts
mit der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung
Fasern hinsichtlich der Anwendung für Übertragung hoher
Leistungen im Rahmen einer Studie untersuchen. Hierzu wird eine Reihe
von Analysen im Hinblick auf die technologischen Parameter der Fasern
durchgeführt. Damit wird zum ersten Mal eine systematische
Qualifizierung der speziellen Fasern vorgenommen. Dieses
Verbundvorhaben wird im Rahmen der Europäischen Förderung
für Regionale Entwicklung (EFRE) von der europäischen
Gemeinschaft und von dem Senat Berlin finanziell unterstützt.